
© Eric Wieringa
Es ist ganz erstaunlich, wie oft ich in diesen Tagen gefragt werde, ob ich denn glaube dass 2012 die Welt untergeht. Plattformen wie Facebook eignen sich ja bestens für die virale Verbreitung jedweden Gedankens, und so kann man fast sagen: hat im Web 2.0 einer Angst, wird daraus gleich ein Flächen-bombardement der Panik, und umgekehrt gilt das leider nicht, denn Postings, die uns auf den Boden der Tatsachen holen, werden einfach grundsätzlich weniger “geshared”. Das Prinzip kennt man ja aus allen anderen Medien auch, und es entspricht wohl dem menschlichen Naturell, dass wir uns lieber mit Dramatik bekleiden als mit Ausgeglichenheit.
Dunkle Perspektiven?
Sonnenstürme, Sonnenfinsternisse, Stromausfälle, Finanzwelt-Kollaps, ein kriegsgeplagtes Europa, das “Exkarnieren” der Sternenbrüder, gute Güte – die menschliche Fantasie schlägt Purzelbäume wenn es darum geht, dieses angebrochene Jahr schon a priori zum wildestens Jahr der Menschheit zu küren.
Ja, und was ist denn nun mit dem hypothetischen Weltuntergang 2012?
Der wahre Untergang ist die Verunmöglichung der Menschlichkeit
Ich kann darauf nur eines sagen: ginge die Welt unter, wäre das wohl ein Drama, aber seien wir mal realistisch: alles hat ein Ende, das gilt für das Leben einer Kuh ebenso wie für das eines Menschen. Das wahre Drama wäre für mich, dass sie untergeht in einer Zeit, in der wir Menschen so dumm sind wie wir es gerade eben sind.
Das wahre Drama wäre für mich, dass wir es nicht geschafft haben würden, dem Wort “Mensch” Leben einzuhauchen, ein Aroma der Güte und Weltzugewandtheit, eine Qualität der Menschlichkeit, die schwerer wiegt als die Machtversessenheit und Verachtung jedweder Kreatur.
Der wahre Untergang wäre für mich, wenn wir es nicht geschafft haben würden, uns aufzuschwingen zu den Möglichkeiten unseres Denkens, Fühlens, Erfahrens und Handelns. Wenn wir als jene selbstgerechten, unwissenden, satten Geschöpfe ins Nichts führen, nichts hinterlassend als ein Echo der Schande. Man mag nun annehmen, ich hätte ein défaitistisches Menschenbild, aber dem ist nicht so – ich glaube ungebrochen an das Gute im Menschen. Ich glaube aber auch, dass es noch eine erheblich lange Zeit brauchen wird, sich zu entfalten.
2012 sind alle erleuchtet?
Ja, ich kenne das andere Extrem zur Panikmache – die esoterische Mär vom Goldenen Zeitalter, von Menschen in der fünften Dimension, die sich der Gottesgegenwart in vollem oder wenigstens deutlich größerem Umfang bewusst sind und sie deswegen auch in großem Umfang leben können. Das Utopia ist schon fast da – eine Welt voller lächelnder Menschen, die kein Geld mehr brauchen weil sie einander alles geben was nötig ist, die keine Tiere mehr essen, weil wir das Wesen der Tiere erkannt haben werden. Die keine Religion mehr brauchen, weil Religion etwas sucht und erhofft, was doch längst da ist. Telepathisch womöglich, im Einklang mit der Natur natürlich, und im Stande, älter als mehrere hundert Jahre zu werden, angeführt von Lichtarbeitern, die aus lauter Freundlichkeit aus anderen Universen inkarnierten, um der trägen Menschheit zu helfen.
Wieviele dieser Theorien haltlose Weltflucht und Ideologie sind, kann ich an dieser Stelle gar nicht erörtern, denn sicher wäre die Apokalypse schneller da als mein Schlusspunkt.
In welcher Wirklichkeit leben wir denn?
Was tut denn die Panikmache vom Untergang mit uns? Und was tut das glücksbesoffene Herbeireden der “Nondualität 2012″ mit uns? Beides hindert uns am Leben. Beides hindert uns daran, wahrzunehmen, was ist. Beides hindert uns daran, in die Abgründe menschlichen Lebens hinabzusteigen und uns zu den Höhen menschlichen Strebens aufzuschwingen.
Wenn ich den ganzen Tag in Sorge verbringe, wo bin ich dann? Sicher überall, aber nicht hier. Ich bin ein Körper, der irgendwo herumsitzt, während meine Gedanken panisch die Vergangenheit nach bedrohlichen Vorzeichen absuchen, die mir möglicherweise entgangen sind, und die Zukunft ausmalen, die mir, meinen Liebsten und meinem Hab und Gut möglicherweise ein unangenehmes Ende bescheren wird.
Wenn ich den ganzen Tag in Vorfreude auf die fünfte Dimension verbringe, die – was auch immer sie ist, für mich ist sie nur eine Vokabel, und auch noch eine ziemlich diffuse – mich auf die harmonische, glückliche und sorglose Zeit freue, insgeheim wahrscheinlich, weil ich es eben nicht geschafft habe, mir in der aktuellen “Dimension” ein harmonisches, glückliches und sorgloses Leben zu erschließen, wo bin ich dann? Auch nicht hier. Ich bin ein Körper, der irgendwo herumsitzt, während meine Gedanken, oder in diesem Fall wohl öfter: meine Gefühle, in einer Vorstellung von Perfektion herumschwirren. Eine Perfektion, die mich vielleicht insgeheim darüber hinwegtrösten soll, dass meine Kindheit problematisch, meine Berufswahl absurd, meine Ehe tragisch, mein Bankkonto unnütz weil leer ist.
Wir sind hier und jetzt gefragt – in jedem Moment
Ich bitte alle, die sich jetzt in ihrer Angst oder ihrer Hoffnung gekränkt fühlen, einfach mal innezuhalten, denn mir geht es nicht darum, Ängste oder Hoffnungen zu diffamieren.
Ängste und Hoffnungen sind menschlich, wir alle haben sie, und wir alle neigen dazu sie über jedes Maß hinaus wachsen zu lassen, bis wir nicht mehr zu denken oder zu handeln im Stande sind. Eine jede Angst und eine jede Hoffnung verrät uns etwas über uns. Über unsere Erwartungen, unsere Sehnsüchte, darüber was wir für ein “gelungenes” und was wir für ein “gescheitertes” Leben halten. Das anzusehen ist lehrreich. Aber man sollte seine Lehren ziehen und sich dann weiter auf den Weg machen, denn nichts anderes ist das Leben: ein Weg, der gegangen werden will, und ich sehe sowohl in den Ängsten als auch in den 2012-Utopias soviel Stillstand, dass es mich zutiefst verwundert.
Nicht wegsehen!
Ich bin oft erschüttert darüber, wieviele der Theorien über “neues Bewusstsein”, “das goldene Zeitalter”, “den Lichtkörperprozess” oder den “Aufstieg 2012″ geradewegs in Blindheit und Teilnahmslosigkeit führen. Insbesondere die Theorien darüber, dass eine jede Seele ihr Schicksal wähle, und dass alles “weder gut noch schlecht” sei, und dass es so etwas gebe wie eine terminierbare Evolution, führen unser Mitgefühl wie unsere Aufmerksamkeit ad absurdum.
Kann ich denn eigentlich noch sehen, dass mein tägliches Leben kausal mit der Armut des verhungernden Kindes in Ostafrika zusammenhängt, wenn ich annehme, eine jede Seele habe sich ihren Raum für Erfahrung eben selbst ausgesucht? Begreife ich, dass der religiöse Fundamentalismus in armen Ländern (über den wir Säkularisierte uns laufend selbstgerecht beklagen) sich unter anderem unserem Reichtum verdankt? Verstehe ich noch meine Verantwortung in der Aufdeckung eines Missbrauchsfalles in der Nachbarschaft, wenn ich annehme, nichts sei “gut oder schlecht”? Habe ich das Recht anzunehmen, ein Schwein habe sich die Lebensform “industrielle Schweinemast” ausgesucht? Kann ich wirklich denken, dass mein momentaner gesundheitlicher Zustand nicht so wichtig ist, weil ja 2012 sowieso irgendeine ominöse neue DNA in uns alle implantiert wird?
Ich vermisse einen Bezug zur Realität, so wie wir sie hier und jetzt vorfinden (und ja, ich weiss, dass diese weder fix ist noch objektiv wahrzunehmen). Und alles, was die derzeitige Realität verleugnet, ist lebensverneinend. Auch wenn es von einem noch so glanzvollen Leben spricht.
It’s a long road
Wenn ich mir die zahllosen Szenarien des “zur Göttlichkeit erwachten Menschen” ansehe, dann blutet mir wirklich das Herz. Denn ich frage mich, ob die Dissonanz zwischen dem, was auf dieser Welt passiert und dem Bild des ganz und gar erwachten Menschen für viele überhaupt nicht spürbar ist. Wie sonst könnte man wohl annehmen, dass sich in diesem Jahr, also in den nächsten 356 Tagen, alles zur Klarheit wendet was unklar ist, alles zur Vollkommenheit wendet, was unvollkommen ist, alles zur Freude wendet, was Leid ist? Wie sehr muss man sich selbst und diesem irdischen Leben, vor allem aber den Sphären jenseits der eigenen Landesgrenze entfremdet sein, um das auch nur für eine Sekunde zu glauben?
Wie klein muss ich Gott denken, um anzunehmen, ich “schaute” ihn in absehbarer Zukunft? Wie übergroß muss ich den Menschen denken, um anzunehmen, er sei schon “angekommen”?
Ich wünschte, die 2012-Utopisten würden mal das ein oder andere ihrer Theorien selbst ernstnehmen. Denn wenn Gott in uns allen ist, dann wird Gott wohl auch uns alle brauchen, um diese Welt zu verwandeln. Dann wird er wohl jede Hand brauchen, um das Leiden zu beenden und menschenwürdiges Leben für alle zu schaffen. Dann wird er wohl jede Hand brauchen, um die Natur mit dem Menschen zu versöhnen. Und um Gegebenheiten zu schaffen, die so voller Güte sind, dass wir eines Tages vielleicht beginnen können, die Jahrhunderte voller Blut und Tränen dem Vergessen zu übergeben.
Du bist gewollt und gebraucht
Ich finde es durchaus wichtig, sich mit modernen Mythen und der zeitgenössischen Rezeption alter Mythen auseinanderzusetzen, und sicher gehört die Thematik 2012 dazu. Aber bei aller Freude an der Zurkenntnisnahme und Deutung jener Geschichten, denen – wie allen Geschichten – auch Wahres innewohnt:
Keine Evolution, kein deus ex machina, kein Weltuntergang, kein Sternenportal, kein Wunder dieser Welt nimmt es Dir und mir ab, diese Welt zu einem lebensfreundlichen Ort zu machen. Und da fangen wir am besten bei uns an, indem wir den Mut und die Aufrichtigkeit besitzen, unser Leben als das anzuerkennen, was es ist: ein Weg mit Licht und Schatten, mit Hoffnung und Scheitern, ein Weg mit Versäumnissen und Errungenschaften, mit Fragen und Antworten, mit Verantwortung und mit Zwischenräumen, durch die das Licht dessen hineinfallt, das unsagbar ist – auch 2012 noch.






Diese Lustangst vor dem bevorstehenden Untergang hat gelegentlich auch ihre komische Seite. Schon vor über einem Jahr machte mich eine Bekannte auf das schicksalhafte Datum 21. Dezember 2012 aufmerksam, um sich ein paar Sätze später darüber zu sorgen, wie sie wohl einst (in etwa 10 Jahren) von ihrer kleinen Rente werde leben können. Für manche Menschen mag dieses wohlige apokalyptische Gruseln einfach eine Abwehr ganz realer Ängste in ihrem konreten Dasein sein, für andere ist es schlicht ein Symptom der Langeweile.
Was die Erfahrung der Gottesgegenwart in welcher Dimension auch immer angeht, so kann diese gelegentlich auch ganz schön erschreckend und aufwühlend sein. Ganz gewiss ist sie in keinem Kalender vorgemerkt.
Danke für diese Gedanken. Ich komme gerade aus einem westafrikanischen Land zurück, wo sich die Menschen Gedanken darüber machen, wie sie den Monat überstehen und nicht, ob sie sich dieses Leben ausgesucht haben.
Auch wenn ich davon überzeugt bin, dass sich die Seele ihre Erfahrungen aussucht, wollen diese Erfahrungen gelebt und durchlitten werden.
Ich habe jedenfalls nicht gesehen, dass sich die Welt in jenem Land, in das ich seit 23 Jahren reise, quantensprungmäßig verändert hat. Dort träumt mindestens jeder zweite davon, nach Europa kommen zu dürfen – in den gelobten Kontinent. Nicht wissend, welche Schätze an Menschlichkeit sie dort zurück lassen würden und in welch menschliche Kälte sie hier hineingeraten.
Ihre Armut hat nichts Anrührendes, die Bedrückung ist zu spüren und hinter der Bedrückung viel Mut, viel Akzeptanz dessen, was ist, viel Hingabe und Liebe – und trotz allem auch der Wunsch, aus der Misere herauszukommen.
liebe aminata, herzlich willkommen und danke für deinen beitrag. ich vermisse in den ganzen euphorischen erwartungen auch gerade dies: den blick über den tellerrand. denn man kann freilich annehmen, dass weltweit menschen “erwachen”, aber man sollte sich doch schon die mühe machen, mal über die landesgrenze hinweg zu gucken, in welchen verhältnissen die menschen leben.
dass beispielsweise afrika ganz andere probleme hat als sich zu fragen, wie “erwacht” es sei, das liegt wohl auf der hand. und wo in der ukraine, in china oder in kolumbien steht wohl die frage im raum, wie “erwacht” nun alle seien? man muss sich als vertreter prominenter esoterischer theorien (sowie jeder anderen theorie auch!) ja mal fragen, ob man nicht fälschlicherweise den eigenen mikrokosmos für den makrokosmos hält! es ist bisweilen ironisch, meistens aber traurig, dass wir satte westler uns auf dem wohnzimmersofa räkeln und darüber mutmaßen wie vermeintlich erleuchtet der rest der welt ist. ist uns eigentlich klar, durch welche existenziellen kämpfe ganze andere volksgruppen täglich gehen müssen während wir mit unserem erleuchtungsmief die atmosphäre verpesten?
dass die seele vorgeburtlich wahlen oder entscheidungen treffe, ist ein legitimes erklärungsmodell, gerade in gedachten reinkarnationszyklen. ich möchte diesen gedanken also gar nicht grundsätzlich kritisieren. aber blieben wir in dem modell, dann wäre die “entscheidung” (für was auch immer) eben eine vorgeburtliche, also eine nichtstoffliche, ergo eine nicht in den parametern unserer alltagswelt stattfindende angelegenheit, und daher freilich auch nicht innerhalb der parameter unserer welt zu erklären. in dem moment also in dem ich sage: das hat sich die seele ausgesucht, während vor mir ein mensch sein jammervolles leben aushaucht, ist es in der tat nur eines: zynisch. möglicherweise noch ein zweites, nämlich dumm. jedes tief empfundene mitgefühl, jedes bewusstsein für die heiligkeit des lebens verbietet also eine solche aussage, besonders in einem gewissen kontext, dem des leidens nämlich.
danke für deine gedanken und herzliche grüsse
giannina
Danke für deine wahren und fuer mich erleichternden Worte, sie machen uns unserer eigenen Verantwortung für unsere Welt und unser Leben bewusst. Der Glauben, dass sich jeder/e ihr Schicksal selbst so ausgesucht hat, weil sie/er etwas bestimmtes lernen muss, und daher das verhungernde Kind in Afrika uns nichts angeht, obwohl wir, wie jede/r der es wissen will, es auch wissen kann, in sein Sterben verstrickt sind,oder sonstiges wirres Reden in diese Richtung hat mich immer schon ohnmächtig , wűtend und traurig gemac!ht, da. es zutiefst menschenverachtend und verantwortungslos ist.
lieber werner, schön dich hier zu lesen
. ja ich denke die achtung vor dem leben macht gewisse simplifizierende aussagen unmöglich, selbst wenn sie einen wahren kern haben mögen. ohnehin finde ich es problematisch über die gründe für leiden anderer zu mutmaßen, deren tägliches leben wir gar nicht annähernd verstehen. dieses verstricktsein dass du ansprichst, hat natürlich ein aroma von schuld, das heute gern wegdiskutiert wird. es ist am ende doch eben genau so, wie heute in esoterischer literatur gern behauptet wird: wir sind alle verbunden. und das hat einen viel irdischeren aspekt als den den der monismus in den vordergrund schiebt: alles was ich tue oder lasse, hat eben auswirkungen. auf alle. politisch, ökonomisch, unter welchem gesichtspunkt auch immer.
herzliche grüsse an dich!
exzellent.
(an einer stelle mußte ich mächtig schmunzeln. es gibt eine neue dna? wo muß ich melden, um davon verschont zu bleiben, bei welchem gott? ogottogott, ich möchte meine behalten, die ist nicht von schlechten eltern.)
liebe susanne, es gibt da verschiedene theorien, besonders prominent ist wohl die über die 12strangige dna, das lässt sich leicht googlen, auch auf englisch, denn im amerikanischen new age ist das eine verbreitete theorie. soweit ich weiss, muss man sich hierzulande für eine “aktivierung der 12 strang dns” nicht an einen gott wenden, dafür kann man sie aber im rahmen eines “ausbildungsprogramms” bei der kryonschule erwerben. herzliche grüsse an dich!
du meinst, das ist quasi ein ausbildungberuf? warum, um himmels willen, bin ich dekorateurin geworden, damals?
aber ich will nicht unken. neulich sprach ich mit einer frau, die der festen überzeugung war, mithilfe eines pendels innerhalb von wenigen minuten glaubensätze, tieftraumatische und natürlich auch karmische verstrickungen für andere lösen zu können. mit hilfe von „oben“ natürlich. ich mag ungläubig sein, aber mich überfiel in dem moment eine art körperliche übelkeit, die ich noch dazu für nahezu selbstverständlich und angebracht hielt.
manchmal wünschte ich, es gäbe sowas wie eine schule für spirituelle instinkte. aber eben die wohnen sicherlich erdnäher, könnte ich mir vorstellen.
Das ist für mich einer deiner ganz wichtigen Artikel. Weniger wegen der 2012-Thematik (wenn das auch hier verknüpft ist), sondern wegen deiner Ansprache der Realität und der Verantwortlichkeit. Meinen Dank dafür.
ja, im grunde ist das ein gedankengang der völlig unabhängig von daten so stehenbleiben kann. danke dir und liebe grüsse!
Es mutet jedenfalls schon wie mehr als ein Zufall, dass mit einiger Sicherheit in diesem Jahr die Eurozone auseinanderbrechen wird und mit ihr Dutzende Grossbanken und Staaten Insolvenz anmelden werden müssen – Geld”drucken” ist ausgereizt, China, Japan und USA ebenso überschuldet und vor dem Kollaps. Wenn das über 2012 hinaus gutginge, DAS wäre das Wunder.
und was bedeutet das für dich? das ende des geldes? das ende des geldes wäre in meinen augen übrigens noch nicht das ende der habgier. die kann sich ja bekanntlich auf alles mögliche richten, auch auf kaurismuscheln.
Habgier ist zwar vielleicht eine menschliche Schwäche, aber -von Fürsten abgesehen- konnte sie sich früher kaum über eine Dorfgemeinschaft hinaus auswirken. Heute dagegen, dank des ungedeckten Geldes, kann soviel Geld geschaffen werden, das dann mit Kaufkraft ausgestattet ist (weil Staaten es als “gesetzliches Zahlungsmittel” verordnen), das realwirtschaftliche Dinge zu kaufen vermag, dass Banker mit Millionen-Boni sich Grundstücke wegschnappen, Hedge-Fonds ganze Unternehmen, die sie, wenn das Geld “endlich” wäre, nicht zu einem Tausendstel erwerben könnten. Kaurismuscheln musste man sich entweder selbst ertauchen oder “anbauen” oder aber gegen Gegenwerte eintauschen. Diese Insulaner hätten jeden Herrn Draghi ausgelacht und verhungern lassen, der Geld gedruckt hätte, wenn er kaufen wollte. Dieses moderne fiat-Geldsystem, das ja erst 1971 begann und weswegen die Menschheit es noch grossenteils nicht versteht, erst hat Geldmengen freigesetzt und dank gesetzlicher Einlösepflicht verbindlich gemacht, die es in der Menschheitsgeschichte noch nie gab, und zwar nicht nur in absoluten Zahlen, sondern auch relativ, d.h. im Vergleich zum Güterangebot – historische Verhältnisse bewegten sich selten weit über dem Einfachen des Warenangebotes, dagegen sind es heute tausendfach mehr Geldguthaben als der zugrundeliegenden Wirtschaft entspricht. Und das geht nicht gut, egal, ob es früher aus anderen Gründen auch schon schlechte Zeiten gegeben und moralisch verwerfliche Absichten gegeben haben mag.
Egal ob Utopie oder Defaitismus, Gott kann sich im Menschsein nur soweit bewusst sein, wie der Mensch sich seines Gottseins bewusst ist. Also “wird Gott uns alle brauchen, um diese Welt zu verändern”.
Damit hast du sicher recht. Und dem widersprechen, hoffe ich, auch die Utopisten nicht. Warum also gegen diese harmlosen Enthusiasten zu Felde ziehen und sie lächerlich machen wollen?
Was spricht dagegen, sich dieses Leben ausgesucht zu haben? Ist das nicht mehr Übernahme an Verantwortung als zu meinen, dass alles nur Schicksal ist, das über Einem zusammengebrochen wäre?
grüss dich irmtraut,
zunächst mal ist schon die gegenüberstellung utopie-defaitismus wackelig, denn wie gesagt bin ich kein defaitist. ich denke nur dass auch spiritualität den boden der tatsachen mit einschließen muss – das bedeutet in diesem fall die sichtbare wirklichkeit. dass gott damit probleme haben sollte, sich irgendwo seiner selbst bewusst zu sein, weiss ich auch nicht, ich würde es aber so nicht behaupten wollen.
es ist nicht mein anliegen, irgendwen lächerlich zu machen, denn wenn es das wäre, hätte ich einen humoristischen text geschrieben, und dieser hier ist – ich hoffe das ist erkennbar – ernst gemeint. “harmlos” finde ich viele der enthusiasten eben keineswegs, insofern sie ihre zielgruppe nicht selten an verantwortungsbewusstsein und tatkraft hindern bzw. bequemlichkeiten und selbstüberschätzung subventionieren. es gibt ein einlullendes phlegma im glauben an die sich selbst erledigenden quantensprünge der menschheit und in den lebensverneinenden erwartungen an daten, umstände und verheißungen. ich hoffte das im text klar herausgearbeitet zu haben.
wie ich unter dem kommentar von aminata andeutete, habe ich gegen ein modell vorgeburtlichem seelenlebens und -wissens, und das mag freie wahl mit einschliessen, nicht grundsätzlich etwas einzuwenden. ich bin nur der meinung, in dem moment in dem ein solcher vorgang, der für uns sicher nicht ausreichend verstehbar ist, ins alltagsbewusstsein heruntergerechnet wird und da am ende nur steht “das hat er sich so ausgesucht”, ist er ganz sicher unrechtmässig verkürzt und missverständlich, außerdem für meinen geschmack unerträglich simplifizierend. ähnlich verhält es sich ja mit jeder mystischen erfahrung. spricht man über sie, ist sie schon entstellt. es gibt dinge, die sind eben unsagbar.
ich für meinen teil glaube an ein für uns zu diesem zeitpunkt nicht ausreichend erfassbares zusammenwirken von freier wahl und vorsehung, von kollektiver und individueller entwicklung, und dass diese paare paradoxa bilden, ist eben grundlage eines spannungsfeldes, das wir derzeit wohl aushalten müssen – nach meinem ermessen entfaltet sich in diesem spannungsfeld aber eben auch leben, wohingegen sowohl der fatalistische glaube an schicksal wie der glaube an totale kontrolle dem leben jegliche kraft entzieht.
danke für deine gedanken und herzliche grüsse
giannina
Ich kann mich Stefan nur anschließen. Das sehe ich genauso. Wer soll dem Leben antworten (Ver-antwort-ung), wenn nicht der Mensch als göttliches Gefäß, in dem ER (er)wacht ist. Wir brauchen nicht auf eine “Erleuchtung” zu warten, die uns befähigt das Leben zu lieben. Wir sind mittendrin. Im Himmel wie in der Hölle. Leben ist Bewegung und wir sind frei im allumfassenden Sinne, für das “Beste” zu gehen. Danke liebe Giannina, für diesen leidenschaftlichen Apell an die Menschlichkeit.
danke dir liebe brigitte, bewegung ist ein gutes stichwort. ich erlebe es ohnehin so, dass bedeutende spirituelle momente, erfahrungen oder punkte der weiterentwicklung immer in einer bewegung münden. und diese bewegung ist eine in der welt – es fällt mir daher auch ganz und gar schwer, erleuchtung oder erwachen oder wie man es nennen will, als einen zustand zu denken. denn stehen wird da sicher gar nichts. es ist eine qualität von bewegung, eine qualität von handlung, ein “wie” mehr als ein “was”. wenn man es zulässt. besser kann ich es gerade nicht sagen.
Ein sehr eindringlicher Text, in dem sehr viel Konsonanz vorhanden ist. Gerade die letzten Sätze bringen es auf den Punkt.
2012, nebst vielen anderen Bildern der Realität, ist einzig Mittel zum Zweck … und zwar zum Zweck der bewussten Interpretation energetischer Verhältnisse, aus denen die Realität selbst hervorgeht.
Ich erlaube mir auf mein Projekt zu verweisen, wo diese Zusammenhänge ausführlicher dargelegt werden: http://www.gold-dna.de/update6.html#up116
Schön, dass mich dieser Blog hier gefunden hat, der mich sehr anspricht. Werde regelmäßig vorbeischauen …
Liebe Grüße IP
Jetzt habe ich deinen Artikel gerade zum dritten Mal gelesen… danke dir für diesen Text… und Hut ab vor dieser stattlichen Ansammlung von wertvollen und anregenden Gedanken!
Immer wieder über den Tellerrand blicken, das Ganze im Zusammenhang sehen, die spirituellen Scheuklappen abnehmen… das gehört zum Weg der Mitte. Und in der Mitte zu sein, tut uns allen gut, selbst wenn morgen die Welt untergeht. Was ja an sich schon wieder vermessen ist zu befürchten – denn es geht uns da ja wieder nur um unseren eigenen Hintern, die Erde ist nicht die Welt.
lieber lars,
danke dir herzlich, auch für die verlinkung.
der anthropozentrismus der weltuntergangsszenarien war immer schon ein bisschen sehr muffig, aber so sind wir wohl – noch.
sich zusammenhänge zu erschliessen und immer wieder über die eigene perspektive hinauswachsen, ja das scheint mir auch ein guter weg, und gedankliche & herzensweite kann man ja durchaus üben.
herzliche grüsse an dich
giannina
Von solchen Voraussagungen halte ich nichts.
Wie oft sollte die Welt schon untergehen?
Es gäbe und demnach doch gar nicht.
Interessant wird es doch erst, wenn man nicht nach dem WARUM realer Bilder fragt, sondern nach dem WOFÜR. Wofür tauchen immer wieder gleiche/ähnliche Bilder auf, eingebunden in einer anderen Zyklik anderer Bilder, als zuvor. Nicht minder interessant in diesem Zusammenhang ist diese Darstellung des Wortes MAYA: http://en.wikipedia.org/wiki/Maya_(illusion)
Liebe Grüße IP
[...] Ein anregender Blog-Artikel zum Thema 2012: Lesen! [...]
TOLLER POST!
>Das wahre Drama wäre für mich, dass wir es nicht geschafft haben würden, dem Wort „Mensch“ Leben einzuhauchenhat im Web 2.0 einer Angst, wird daraus gleich ein Flächen-bombardement der Panik, und umgekehrt gilt das leider nicht, denn Postings, die uns auf den Boden der Tatsachen holen, werden einfach grundsätzlich weniger „geshared“< JA, bestätige auch dies, es geht mir gleich. Es sind nicht wirklich viele, die erpicht sind auf Wahrheit. Mut allen, die danach streben und es in das eigene Leben integrieren! Danke für deine Gedanken, ich stimme dem gänzlich zu.
Reblogged this on Evi Mariposa and commented:
TOLLER POST!
>Das wahre Drama wäre für mich, dass wir es nicht geschafft haben würden, dem Wort „Mensch“ Leben einzuhauchenhat im Web 2.0 einer Angst, wird daraus gleich ein Flächen-bombardement der Panik, und umgekehrt gilt das leider nicht, denn Postings, die uns auf den Boden der Tatsachen holen, werden einfach grundsätzlich weniger „geshared“< JA, bestätige auch dies, es geht mir gleich. Es sind nicht wirklich viele, die erpicht sind auf Wahrheit. Mut allen, die danach streben und es in das eigene Leben integrieren! Danke für deine Gedanken, ich stimme dem gänzlich zu.