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Archiv für die Kategorie ‘Betrachtungen’

Neulich im Gespräch über spirituelle “Trends” fragte mich jemand, was mich denn eigentlich an den ganzen Manifestationslehren, dem LoA und den Wünschdirwas-Lehren so störe. Die Antwort kam simpler aus mir heraus, als ich angenommen hatte: Mich stört daran, dass die einzig relevante Frage darin zu sein scheint “Was kann ich bekommen”.

Denn vorzugsweise wird diese Frage ja von Menschen gestellt, die im Vergleich mit einem großen Teil der Weltbevölkerung (und selbst ohne diesen Vergleich) bereits alles haben. Ja sicher könnte man erfüllter sein, zufriedener, seine Gaben mehr entfalten, und mit einer größeren Kraft in die Welt treten. Aber ob man dafür wirklich einen neuen Job, eine neue Wohnung, eine neue Beziehung und eine neue jugendliche Dynamik wünschen und bekommen muss, sei dahingestellt. Es liegt ja nahe, dass unsere Wunschkanonaden nur Resultat einer Leere sind, die mit keinem Haben zu füllen ist, und dass jedes weitere Habenwollen nur schmerzlich an die Versagung rührt, die wir selbst uns auferlegt haben.

Wieso fällt es uns nicht leicht, mit derselben Inbrunst, mit der wir unsere Wunsch-Schrotflinte ins Universum richten, zu fragen: Was kann ich geben? Was kann ich tun? Wie kann ich das sein, was dieser Welt fehlt?

In Jesaja 43,1 heisst es:

Ich habe Dich beim Namen gerufen. Du gehörst mir.

Eine fruchtbare spirituelle Übung ist es, mit diesem Satz ins Gebet zu gehen. Alle Wünsche die so groß scheinen, leise werden und in einen Herzenswunsch fließen zu lassen, der diesem Ruf und diesem Ge-Hören entspringt. Still zu werden und dann aus der Stille des Herzens die Worte aufsteigen zu lassen:

“Hier bin ich. Du hast mich beim Namen gerufen. Ich gehöre Dir. Offenbare mir, was ich geben kann. Was ich tun kann. Wie ich sein kann, was meiner Heimat in Dir entspricht. Wie ich sein kann, was dieser Welt fehlt.”

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Dankbarkeit üben

In zahlreichen spirituellen Texten der Gegenwart ist die Rede davon, Dankbarkeit zu üben. Da diese Übung oft in Zusammenhang mit dem sogenannten Manifestieren eines glücklichen Lebens einhergeht, ist sie verständlicherweise für viele in Misskredit geraten. Das “Fake it till you make it” scheint vielen eine höchst unehrliche Art der Affirmation, der höchstselbst vorgenommenen Gehirnwäsche.

Sicher kann man das Einüben von Dankbarkeit so oder so betreiben – als blindwütige Art, die eigenen Realitäten mitsamt ihren Hässlichkeiten zu ignorieren und mit Wünschdirwas-Mentalität zuzukleistern, oder aber als Praxis des Genauerhinsehens und ganzheitlichen Sehens und Erlebens.

Man darf sich dazu vor Augen führen, dass die Einübung von Dankbarkeit keineswegs eine schicke Mode der Esoterikszene ist, sondern eine sehr alte Praxis, die uns in allen grossen Religionen und spirituellen Schulen begegnet. Der christliche Wüstenvater übte Dankbarkeit ebenso wie der buddhistische Mönch.

Wenn heute jemand zu mir sagt, Dankbarkeit einzuüben sei eine recht verlogene Art, Dankbarkeit und Glück vorzutäuschen, dann kann ich nur erwidern, dass athletische Übungen dann vermutlich eine verlogene Art sind, vorzutäuschen man sei ein Sportler. Es ist nichts dagegen einzuwenden, dass man gewisse Dinge üben und immerzu wiederholen muss, bevor man in sie hineinwächst und sie auf ganz neue Weise erfasst.

Dankbarbeitsübungen sind nach meinem Verständnis eine kraftvolle Form des Gebets. Und wie jedes Gebet verändert dieses den, der es spricht.

Eine der einfachsten Dankbarkeitsübungen ist es, am Morgen und am Abend die Dinge in einer Betrachtung vor das geistige Auge einzuladen, für die man ein Gefühl und eine Gewissheit von Dankbarkeit entwickeln kann. Lass Dich nicht zu einem schnellen Gedanken von “Schön dass ich zu essen habe, es gibt ja so viele Menschen die hungern” hinreissen, denn gerade in dem was wir ohnehin wissen, lauert das Übergehen, das schnelle Abfertigen, und auch das schlechte Gewissen ist uns antrainiert.

Stattdessen geh in Deiner Betrachtung ins Detail, und mach das ruhig mit vollem Körpereinsatz. Wie war es denn als Du das letzte mal hungrig und müde warst, und als Du den Geschmack des Essens an Deinem Gaumen erlebtest? Und wie hast Du Dich gefühlt, als Dir dieses Essen wieder Energie und Kraft zuführte? Wie war das Gefühl auf Deiner Haut, als die Sonne nach langen Tagen der Dunkelheit wieder aus den Wolken hervorkam und Dich beschien? Wie lange hat er Dich beseelt, Dein letzter Kuss? Wie schön war das, als Du ein lang vor Dir hergeschobenes Gespräch mit jemandem führtest, mit dem keine Versöhnung möglich schien? Wie köstlich war Dein Schlaf nach getaner Arbeit?

In dieses Erleben zu gehen und es nochmals zu verkosten, ist etwas das die Dankbarkeit einlädt. Und sie kommt leichter als man denkt. Und wie mit allen Dingen die man übt, ist das erfreuliche, dass die Dankbarkeit irgendwann ganz von allein kommt. Ohne dass Du sie einladen musst. Und plötzlich stellst Du fest, dass Du bewusst-er lebst.

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Das Gestern steht nicht hoch im Kurs bei vielen Spirituellen. Wir versuchen es zu verinnerlichen, das Leben im Jetzt, das Verkosten des Moments, das Hier- und Sosein. Und das ist auch gut so. Allzu leicht aber gerät uns dann das Gestern in Misskredit, als Zeit die wir nicht mehr ändern können und die uns daher nur unnötig aufhält, als Gefilde, in denen nicht viel mehr zu verorten ist als unsere Sorge, Dinge falsch gemacht zu haben oder unser Leiden daran, Dinge nicht mehr beeinflussen zu können. Und obendrein hat es ja, viel zitiert im Internet, selbst der Dalai Lama gesagt, nicht wahr, dass weder gestern noch morgen in unserem Handlungsspielraum liegen, ergo relevant seien, was soll also der Blick zurück?

Das Gestern mutiert so in unserer Vorstellung oft zu einer Brutstätte der Depression, und gerne bringen wir es in Verbindung mit Begriffen wie „Altlasten“, „Ballast“, „alte Muster“ (warum eigentlich nicht mit „Beginn“, „Geburtsstunde von“ oder „Weichenstellung für“?). Bevor wir aber in solche feindselige Angst geraten, die dem Gestern entfliehen will, sollten wir innehalten. Denn das Gestern verrät uns so viel, ein beredter Freund ist es, dessen Worten wir zuhören dürfen. Das was wir bedauern, das was wir versäumten, das was wir zurücksehnen ebenso wie das was wir zu vergessen im Begriff sind, erzählt uns eine Menge darüber, wer wir sind. Wer wir sein könnten.

Es ist nichts falsch daran, wieder dort hin zu gehen, wo ein alter Schmerz pulsiert oder eine alte Freude immer noch leuchtet. Es ist nichts falsch daran, Reue zu empfinden, weil man ahnt dass man Dinge besser hätte machen können. Es ist nichts falsch daran, sich zu fragen, wie man all die Jahre gelebt hat, wenn jetzt ein ganz anderes Leben zu Tage treten will. Es ist auch nichts falsch daran, dort hinzusehen, wo noch offene Fragen an das rühren, was wir werden wollen, oder an Worte, die noch gesagt werden wollen. Manch eine Versöhnung wartet in den schmerzlichen Blicken aufs Gestern, in der Bereitschaft, für einen Moment noch einmal durch das zu gehen, von dem wir wissen dass es uns oder andere verletzte.

Im Moment zu sein, das heisst nicht, das Gestern abzuweisen wie einen nicht willkommenen Gast. Achtsam zu sein heisst auch, alles was wir waren und wurden ansehen zu können, selbst wenn es uns ängstigt, doch dann wenigstens ohne diese eine Angst, damit unsere Gegenwart zu beschädigen. Anzunehmen was ist, heisst auch anzunehmen was war. Selbst noch dort, wo das Gestern unrechtmäßig schwer ist, wo wir ihm erlauben, uns einzunehmen und zu fesseln, als scheinbar unlösbare Verstrickung in Dinge, die jedes Wachstum im Keim erstickt, verrät es uns etwas über das was wir wollten und nicht erlangten, und somit über das was unsere Seele zu erlangen ersehnt und zu erlangen im Stande ist. Im Gestern lesen heisst nicht weniger als liebevoll auf sich selbst zu blicken auf der Suche nach einem tiefen Verständnis für die Person die wir waren, wurden und sind. Und vieles lässt sich erst verstehen, wenn wir nach langer langer Zeit, weich geworden durch den Fluss des Lebens, zurückblicken. Dieser liebevolle annehmende Blick auf sich selbst durch die Jahre hindurch will gelernt und gepflegt sein.

Ich kann nicht für dieses seltsam vergessliche Leben ohne Gestern plädieren, dessen Motiv wohl oft eher Vermeidung als Verkostung ist, wohl aber für ein Leben ohne Angst vor der Angst. Wenn Du Dir Dein Gestern ansehen magst, weil Du fühlst dass es an Dir zieht, nagt, Dich in Frage stellt oder einfach noch schwer wiegt, oder weil Du ahnst dass es Dir Aufschluss geben kann über offene Fragen, und wenn Du es ferner angstfrei annehmen möchtest als Teil Deines Lebensweges, dann lade alles ein, was sich dort aufhält: die Freude, das Bedauern, die Reue, das Versäumnis, das Ungelöste, das Unversöhnte, das Unvollendete, das Frohe wie das Traurige und betrachte all diese Gäste als Deine Freunde, die auf ihre Weise mit Dir sprechen um Dir dabei zu helfen, der beste Mensch zu werden der Du sein kannst.

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© Nelson Dedos Garcia

Wie angekündigt, geht es hier weiter mit Betrachtungen zum Magnificat. Dem ein oder anderen mögen sie helfen, in dieses Gebet zu tauchen, sich mit ihm zu versöhnen, es mit eigener Verve anzufüllen, oder einfach Impulse zum Beten mitzunehmen.

Meine Seele preist die Größe des Herrn

Das Preisen scheint uns weitgehend abhanden gekommen. Etwas zu beklagen haben wir immer. Auch etwas zu kritisieren. Etwas zu wollen. Preisung aber ist uns oft fremd. Preisung bedeutet, etwas zu loben, etwas zu würdigen, etwas in Achtung zu bestaunen und gleichsam zu feiern. Inmitten der Fülle pflegen wir Mangeldenken. Wir blicken auf das was nicht ist und das was wir nicht haben. Inmitten dieser Blickwinkel ist das Seiende einfach gegenwärtig, ob es von uns wahrgenommen wird oder nicht. Während wir noch träumen, geht die Sonne auf. Während wir streiten, rauschen Wellen ans Ufer. Während wir uns verweigern, gibt sich die Blume dem Licht preis, und die Fliege dem Biss der Spinne. Während wir nörgeln, geht der Mond auf, während wir schlaflos grübeln, die Sterne. Der Weizen wächst und die Bäume knarren, der Wind rauscht und hoch in den Wolken riecht es nach Schnee.

Vieles versäumen wir, unseres ruhelosen Geistes wegen, was uns direkt in die Lobpreisung führen würde. Die Schönheit der Schöpfung. Ihren Fluss, ihre Gesetze, ihre innere Dramaturgie. Ihr Wachsen und Werden. Ihr Loslassen und Vergehen.

Dabei reicht ein Blick auf den Sternenhimmel aus, um dem Preisen den Raum zu überlassen. Ein Blick auf das Meer, auf das Blutrot des Morgens. Die Hand in kühler Erde,  der schweifende Blick über den grünen Hügeln, der Atem des Anderen auf unserer Haut - sie reichten aus, um unserem Mund den Lobpreis zu entlocken. Das Schöne, das Erhabene, der zwingende Sog des Vollkommenen – er atmet uns ein und übergibt uns dem feierlichen Lob, das aus direkt aus der Tiefe unseres Herzens emporsteigt und nichts anderes sagt als: Geliebter!

Manchmal finden wir dieses Gebet aus der Tiefe unseres Herzens nicht. Weil wir traurig sind oder ängstlich, erschöpft oder leer. Dann fällt uns jeder Schritt schwer, die Dinge haben keine Schönheit, alles erscheint uns grau und der Nächste, ja wir selbst sind uns eine Last. Auch dann können wir preisen. Denn ein Lobpreis mag bedeuten, dass wir das Schöne erfahren und feiern. Er kann aber auch bedeuten, dass wir in jenem Moment keinen Zugang zur Erfahrung des Schönen habe. Dann ist unser Lobpreis Willensakt, mehr noch, ein Akt des Vertrauens und der Hingabe an den Einen, den wir in der Bodenlosigkeit nur vermuten und erhoffen können. Denn dann sagen wir: Wäre ich nur aufmerksamer, wäre ich nur wacher, wären meine Augen klarer und mein Denken freier, wäre mein Herz reiner und wären meine Hände wissender, ich würde Dich preisen. Ich würde Dich preisen für die Vollkommenheit der Dinge, für die Schönheit des Werdens und für das Leben das mir geschenkt ist. Für die Weisheit im Kleinsten und im Großen. Denn all diese Dinge sind, auch wenn ich sie nicht sehe, und all diese Dinge wiegen schwer, auch wenn meine Not in diesem Moment schwerer zu wiegen scheint.

Und wenn wir dann bereit sind, unser Empfinden nicht für das Maß aller Dinge zu halten, wenn wir bereit sind, unsere Not nicht für endlos zu halten, wenn wir bereit sind, im Vertrauen anzunehmen, dass die allem innewohnende Weisheit unser Denken um ein vielfaches übersteigt, dann nähern wir uns der Preisung, die so vieles ist: Ein Dank, ein Versprechen, eine Antwort auf einen Ruf, eine Bewusstwerdung, eine Bereitschaft, ganz und gar sehend zu werden.

Maria beginnt ihr Gebet mit diesen Worten. Damit bekundet sie nicht weniger als ihre Bereitschaft, ganz aufmerksam zu sein für die Gegenwart Gottes in allem – dort wo sie sie wahrnimmt ebenso wie dort wo sie sie (noch) nicht sehen kann. Eine Größe zu preisen, die wir nicht ermessen können, bedeutet nämlich genau dies: Gott für das zu feiern, was wir erfassen und erfahren können, und seiner Weisheit zu vertrauen in dem, was wir nicht begreifen können. Lobpreis beinhaltet so immer ein Moment des Vertrauens auf Gottes Erfahrbarkeit, auch dort wo sie uns gerade fehlt. Lobpreis beinhaltet eine Glaubensgewissheit auf Erfüllung einer Verheißung, um die wir am Grunde unserer Seele vom Moment unserer Geburt an wissen.

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Wir wollen, steigen, schweben, fliegen. Doch himmelwärts kann man nur fallen. Es ist das Hinab, das mich ruft, das Hinunter, das mich zieht. Der König muss zum Bettler werden, der Wissende zum Törichten, der Große zum Kleinsten. Meine übervollen Hände muss ich leeren an der Pforte, an der man mich nach meinem Namen fragt. Meine Gewänder ablegen, die mich nicht wärmen an jenem Ort hinter den Worten. Geständig muss ich sein, gleich einem Büßer, doch ohne Scham. Mein Bekenntnis ist ein Ja zu dem der kommt, zu unbekannter Stunde. Fallend sehe ich die Gesichter die ich trug; wie Regen kehren sie zurück in den Schoß der Erde, zurück in das Leben mit seinen zahllosen Gestalten. Durch jeden Schmerz der Erde falle ich, sein Geäst gleicht dem meiner Blutgefäße, in mich ist eingeschrieben das Geschick des Erschaffenen. Dort wo ein Zuhause ist, darf ich nicht rasten, dort wo Seligkeit ist, nicht ruhen. Als Fallende wohne ich dem Leben bei, mit schöpferischer Hand, die keinen Triumph kennt. Als Fallende hoffe ich ihm zu begegnen, der fiel, damit für jeden Heimat sei.

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Blasiussegen

Heute habe ich den Blasiussegen empfangen. Meinen ersten seit vielleicht zwanzig Jahren. Und ich stelle wiederum fest: wo man auch hingeht, ob man in die Augen eines Guru sieht oder in die eines Priesters, in die eines Schamanen oder in die eines Freundes – das Segnen tut etwas mit uns. Das Gesegnetwerden tut etwas mit uns.

Es gibt Dinge, die sind in sich beredt. Ohne dass man dem Wortlaut allzuviel Gehör schenkt, ohne dass man die Hand allzu gut kennt, die einem aufliegt. So ein Segen spricht mit jeder Zelle, und wenn man in sich horcht, merkt man es.

Und dann wird mir wieder bewusst, dass wir viel öfter segnen sollten. Dass das Segnen ein selbstverständlicher Teil unseres Gebetslebens sein sollte. Dass es einer Bewegung entspricht, in der der Mensch selbst Segen wird indem er er sich einem ihn entgrenzenden Wollen überlässt.

Welchem Weg wir auch folgen – der Segen hat immer Raum. Als ein Sich-Aussprechen des Mitgefühls, des Wohlwollens und der schöpferischen Klarheit.

Bild: © Schreibmayr/Wikipedia

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 14: Bejahung

© Cristina McAllister

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Bejahung“.

Dieser vierzehntägige Weg begann mit einem “Ja”. Und heute endet er mit einem “Ja”.

Wohlwissend, dass in diesem Ja so viele Neins eingeschlossen sind, die gesprochen werden müssen gegen Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und Untragbarkeiten. Wohlwissend, dass ein Ja nicht immer in seliger Ergebenheit gesprochen werden kann, sondern oftmals errungen werden will. Wohlwissend auch, dass es vor allem innere Hürden sind, die überwunden werden wollen auf diesem Weg der Bejahung.

Dies ist ein Ja zu innerer Entwicklung. Zu Liebe, Mitgefühl und Aufmerksamkeit. Zu Mut und Aufrichtigkeit, ein Ja dazu, jene Welten zu erschließen, die Du in meinen Seelengrund gelegt hast. Dies ist ein Ja zu einem bewussten Leben inmitten dieser Schöpfung, die auf unzählige Weisen von Dir erzählt. Dies ist ein Ja zu einer beherzten und bedachten Lebensreise, im Angesicht des Du, und in Deiner Gegenwart, die alles durchdringt.

Noch während ich alles dafür tun muss, wird mir alles geschenkt. Noch während Du meine Wege zeichnest, bin ich frei. Dies ist ein Geheimnis, in das ich sinke, wie der Samen in die Erde. Und dafür danke ich Dir.

Segne unsere Wege. Segne die Wege aller, die eine neue Erde in ihren Herzen tragen, berührt von Deiner Gegenwart mitten unter uns.

Paulus schrieb einst an seine Gemeinde: Gott ist in unseren Herzen aufgeleuchtet.

Dieses Leuchten möchte ich bejahen, feiern, besingen, tragen und teilen.

(Dies war ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier. Herzlichen Dank an all die vielen Leser, die mitgegangen sind und die Texte geteilt haben, und die mir so freundlich geschrieben haben. Weiterhin gute Reise.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg.Tag 13: Gemeinschaft

© Angela Treat Lyon

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Gemeinschaft“.

Ich bin nicht allein. Diese Reise, die ich antrete, führt durch Höhen und Täler, immer aber in Reichweite von Gefährten. Und Gefährte will auch ich sein. Nicht nur dem Menschen, der mich kennt, und der sich selbst in mir erkennt, der sich mir zuneigt und meiner Zuneigung bedarf. Sondern auch dem Wind und dem Wasser, dem Feuer und der Erde, dem Tier, allem Wachsenden und Werdenden will ich Gefährte sein. So gut ich kann will ich dies, doch heute sage ich: ich will es besser können als bisher. Wo dazu Übung nötig ist, will ich üben. Wo dazu Offenheit nötig ist, will ich mich öffnen. Hörend sein will ich, auch und gerade für den Ruf des Nächsten der an mich ergeht, immer tiefer in ein Verstehen und Verkosten dessen sinkend, was Leben ist.

Und was der Mensch ist und was er sein kann, das werden wir erweisen. Denn jeder Tag ist der Tag der Menschwerdung.

 

Du bist mir so vertraut
ist unser Glanz auch noch verhüllt
wir teilen einen Traum
nimm meine Hand damit er sich erfüllt

.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 12: Liebe

© Elena Kotliarker

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Liebe“.

Was weiß ich von der Liebe? Je mehr ich mich Dir aussetze, Du Namenloser, um so fremder scheint sie mir.

Denn Du entkleidest mich. Mit geduldiger Hand nimmst Du mir jede Schicht: meinen Mantel, der mich wärmte, und den ich für mütterliche Liebe hielt. Mein Hemd, das mich ordnete, und das ich für väterliche Liebe hielt. Meine Kleider, die mich schmückten, und die ich für romantische Liebe hielt. Meine Uniform, die mich einreihte, und die ich für Nächstenliebe hielt. Meine Stiefel, die mich trugen, und die ich für Gottesliebe hielt.

Entkleidet hast Du mich, doch nicht um mich zu beschämen. Entkleidet hast Du mich, dass ich erahnen könnte, wie gross die Liebe ist.

Die Liebe verwandelt alles. Sie macht uns sehend und hörend, aufmerksam für alles was in uns und um uns lebt und pulsiert. Sie erinnert uns an unsere Verbundenheit, noch während sie uns von der Freiheit erzählt. Sie durchtrennt unsere Fesseln, doch auf eine Weise, die uns zu den Dingen hin befreit. In jener Freiheit stehlen wir uns nicht davon, entlastet und abgewandt. In jeder Freiheit wenden wir uns den Dingen zu, und unsere geöffneten Hände nehmen begierig und mutig den Lebensfaden auf, den zu knüpfen wir einst versprachen. Diese Freiheit ist eine Freiheit zur Hingabe, und diese Hingabe scheut nicht den Staub auf den Straßen und die Tränen im Gesicht des Nächsten, und sie weiß um die Gräber, über denen der Morgen noch nicht leuchtet.

Solche Liebe zeigst Du mir in meiner Nacktheit, und keine Ordnung, kein Gesetz, keine Regel die wir uns erdachten um den Strom der Liebe zu bändigen, hat darin Bestand.

Du zeigst mir Liebe, die nicht von dieser Welt ist, und deren Weg doch ins Herz dieser Welt führt und in alle ihre Blutgefäße, derer auch ich eines bin. Und mich verlangt es nicht nach Unverwundbarkeit oder nach seliger Ruhe, denn meine Arbeit, unsere Arbeit ist noch nicht getan.

Die Liebe höret niemals auf, sagtest Du uns. Und jeder meiner Atemzüge weiß das. Mit dieser Gewissheit möchte ich selbst Liebe sein in dieser Welt, heute, morgen, und bis zum letzten meiner Tage.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 11: Klarheit

© Jennifer Baird

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Klarheit“.

Eine unruhige See bin ich. Gedanken nehmen mich mit auf Reisen, Gefühle stärken und schwächen mich, immerzu. Immerzu ist diese Welt in Bewegung, und meine innere Welt folgt ihr mit ihrer Bewegtheit.

Du aber breitest eine See der Klarheit vor mir aus. Du aber sagst: Nimm. Trink. Werde.

Ich möchte Deine Klarheit hereinlassen. Möchte ihr sagen: komm und zähme meine Gedanken. Komm und streiche die Wogen aus meinem Gemüt. Komm und löse die Knoten, an denen ich strauchle, immer wieder.

Eine klare See will ich sein, die Deinen Himmel spiegelt. Die nichts hinzufügt und nichts wegnimmt, die ist, weil Du es so gewollt hast.

Ich möchte hinabsinken auf den Grund der Dinge, dorthin, wo alles still wird. Dorthin, wo das Licht der Klarheit in alle Winkel meines Daseins strahlt, und mich anfüllt mit Bewusst-Sein. Dorthin, wo eine Erinnerung liegt, die Du mir nicht vorenthältst.

Jeden Tag möchte ich dieser Klarheit Einlass gewähren, durch Gebet, durch Meditation, durch Momente der Stille, durch Momente des Innehaltens inmitten Deiner Schönheit, die Du so verschwenderisch in diese Welt gegossen hast.

Je mehr ich in diese See der Klarheit sinke, je mehr ich selbst diese Klarheit werde, um so mehr werde ich ihr Licht in meine Tage und Nächte tragen können. Alles was ich so tue, wird die Ruhe dieses heiligen Gewässers enthalten. Alles was ich so tue, wird Reinheit und Wahrhaftigkeit in sich tragen. Alles was ich so tue, wird Segen sein für diese Welt. Meine Worte werden klar sein, und dem Verstehen dienen. Meine Taten werden klar sein, und der Liebe dienen. Ich selbst werde geklärt sein in wachsender Erkenntnis unserer Verbundenheit. Was mich gestern noch täuschte, wird schwinden. Was mich gestern noch irritierte, vergehen. Dort wo Klarheit sich ausbreitet, werde ich mehr und mehr wahrhaftig und frei, und alles darf daran teilhaben.

Auf diesem Weg der Vervollkommnung gib Du mir Geleit.

Du Quelle der Klarheit, eine klare See will ich sein, die Deinen Himmel spiegelt.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 10: Mitgefühl

© Albena

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Mitgefühl“.

Manchmal erinnert sich etwas in mir daran, mit allem verbunden zu sein. Dann ist mir der Zweig vertraut wie meine rechte Hand, das Wasser wie mein Blut, der Himmel wie meine Haut. Alles spricht zu mir und hört mein Sprechen. Alles lädt mich ein und sagt: Komm.

Dann bin ich tief in den Armen des Mitgefühls, dort, wo das Andere niemals das Fremde ist. Dort wo jeder meiner Blicke erwidert wird. Dort, wo jeder Schmerz auch meiner ist.

Dann schmerzt meine Hand, wenn der Zweig bricht, und mein Blut klagt, wenn das Wasser versiegt, und meine Haut brennt, wenn der Himmel sich verfinstert. Denn wir fließen im selben Strom, und alles was dort Kreise zieht, zieht Kreise bis hin zu meinem Herzen.

So ist es auch mit Dir, Mensch, wenn ich Dich ansehe. Deine Freude rührt immerzu an die meine – und Dein Schmerz weckt meinen Schmerz aus seinem Schlummer. Auf viele Weisen wissen wir uns vor dem Schmerz des Anderen zu schützen, wir lernen dies, kaum dass wir in diese Welt gekommen sind. Was aber schützt uns vor einer Welt ohne Mitgefühl?

Heute öffne ich mein Herz, um Dich, Du uferlose Kraft des Mitgefühls, einzuladen. Komm und lehre mich das Hören. Komm und lehre mich das Sehen. Dass ich die Klage höre und folge. Dass ich das Zerbrochene sehe und verweile. In Deinen Armen, an der Seite des Menschen. Nicht, um im Leiden aneinander gebunden das Schmerzende festzuhalten. Doch um im Wachsen einander verbunden das Schmerzende zu befrieden.

Du heiliges Mitgefühl, das Du immerzu aus der Barmherzigkeit Gottes fließt: ströme in mein Sein, und lass mein Sein selbst Strom des Mitgefühls in dieser Welt sein.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 9: Verwandlung

© Colleen Koziara

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Verwandlung“.

Du bist wie das Meer, das den Kiesel schleift. Wie das Sonnenlicht, das das unter der Erde Verborgene ruft. Du bist wie das Feuer, das brennt und zehrt und den Kern der Dinge befreit.

Die Stimme der Mutter bist Du, in der das Kind seinen Namen findet. Die Hand des Vaters, unter der sein Weg sich in die Erde schreibt.

Alles verwandelst Du.

Dein Hauch trifft trockenes Geäst, und es beginnt zu grünen. Dein Licht trifft müde Schultern, und stark erhebt sich der Mensch. Deine Güte trifft eine wütende Welt, und Frieden gießt sich in ihre Wogen.

Auch ich bedarf der Verwandlung. Auch ich will neu werden. Denn in mir wohnt ein Mensch, der weiser ist als ich. Der mitfühlender ist als ich. Der friedvoller ist als ich. In mir wohnt ein Wissen, das meine Stirn noch nicht erreichte. Eine Liebe, die noch nicht aus meinen Händen floss. Ein Leben, das mein Leben noch nicht durchdrang.

Und ich bitte Dich: bring diesen neuen Menschen hervor.

Ich will es geschehen lassen, als läge es allein in Deiner Hand. Und ich will so handeln, als läge es allein in der meinen.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 8: Empfangen

© Socrates M

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Empfangen“.

Ich möchte bereit sein, zu empfangen.

Ein gebender Gott bist Du, ein überfließender Quell, ein Licht das immerzu neues Licht gebiert.

Wie könnte ich Dich begrüßen, wie Dich willkommen heißen, wäre ich keine Empfangende? Daher besann ich mich, daher löste und leerte ich mich, wie um meine inneren Straßen zu säumen mit Blüten, die Deine Schritte erwarten.

Ich bin ein Mensch mit vielen törichten Wünschen. Doch bin ich nachsichtig mit ihnen, denn ich weiss sie zu unterscheiden von jenen brennenden Wünschen am Grunde meines Herzens, die stets Dich meinen. Wie eine angeborene Erwartung begleiten sie mich, jene Herzenswünsche, die mir von Dir erzählen und die allein in Dir erlöschen können.

Heute bin ich bereit, zu empfangen. Und ich weiss, dass Du nicht weniger gibst als Dich selbst.

Wie kann ich Deine Schönheit empfangen, wie Deine Kraft?
Ich kann nur wie einst die Frommen sagen: Maranatha. Komm, Herr. Komm, Du Quell, Du Licht, Du Wahrheit, komm, Du Anfang und Ende, Du ewiger Klang. Komm und erhebe Dich in mir, in einem Mensch unter Menschen.

Ich weiß, wenn meine Schritte Dich empfangen, so werden sie zu den Verwundeten führen. Wenn meine Hände Dich empfangen, so werden sie gebend sein. Wenn mein Mund Dich empfängt, wird er nicht aufhören zu singen. Wenn mein Körper Dich empfängt, wird er Wind sein und Wasser, Erde und Feuer, verwoben mit dem Geschick dieser Erde, die atmet und Dich preist.
Und alles wird Gebet sein. 

Mach mich bereit, Dich zu empfangen. Du, der Du längst in uns bist. Du, der Du längst in unserer Mitte wandelst.  

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 7: Anrufung

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Anrufung“.

Ich rufe Dich an, Du heiliger Klang des Lebens. Mit meinen Lippen am Ohr meines Nächsten, mit meinen Händen in Deiner Erde. Mit meinen Worten am Rande aller Worte. Ich begehre, Klang zu sein. Ein Ton inmitten Deines Tönens, ein Klingen inmitten Deines Klangs.

Ich rufe Dich an, Du heiliger Atem des Lebens. Mit meinem Seufzen über Deinen Wassern, mit meinem Jubel unter Deinen Himmeln. Mit meinem Gebeten am Rande des Schweigens. Ich begehre, Atem zu sein. Dein Hauch in den Schoß dieser Welt, Dein Sog in lichte Ewigkeit.

Ich rufe Dich an, Du heiliger Schöpfer des Lebens. Mit meiner Freude über alles Werden, mit meinen Tränen um alles Vergehen. Mit meiner Gabe, Dinge zu erschaffen, ebenbildlich Dir verbunden. Ich begehre, schöpferisch zu sein. Meine linke Hand an Deinem Herzen, meine rechte auf den Wunden dieser Welt.

 (Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 6: Leer werden

© Tara Turner

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Leer werden“.

Still bin ich geworden.

Habe zurückgeblickt mit Dankbarkeit, mit einem Sehnen nach alles verwandelnder Verzeihung, mit Mut im Herzen, für eine Loslösung und Erneuerung.

Heute möchte ich der Stille, die mich auf diese Reise mitgenommen hat, mehr Raum geben. Dieser Stille anvertraut möchte ich leer werden.

Heute, für diesen Moment, ist es nicht wichtig, was ich denke. Was ich zu wissen glaube. Was ich meine. Es ist nicht wichtig, was ich fühle.

Gedanken kommen und gehen, Gefühle kommen und gehen. Vergängliche Erscheinungen.

Du aber bist.

Heute darf die Hand sinken, die sich zur Verteidigung erhob. Heute darf der Blick sich senken, der so vielen Bildern hinterher eilen wollte. Heute darf der Wunsch leise werden, der sich an vorüberziehendes Glück heften wollte.

Heute darf alles Beten ein Gebet des Schweigens sein. Ich halte nichts fest, ich schiebe nichts von mir. Alles darf durch mich hindurch, wie Wassermoleküle durch eine zarte Membran.

Dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe als ein Reicher ins Himmelreich, wurde uns gesagt. So lege ich heute alle meine Reichtümer nieder. Meine Erfahrungen, meinen Glauben, meine Hoffnungen, meine Errungenschaften – meine Fragen, Bitten, Hoffnungen und Erwartungen. Alles lege ich vor Dich, und derart arm geworden komme ich zu Dir.

Ich setze mich Dir aus wie ein leeres Gefäß ohne Gewissheit auf Er-Füllung. Keine Süße ringe ich Dir ab, keine Tröstung, keine Erbauung. Ich sitze und schweige.

Und mein Schweigen mischt sich in das Deine.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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