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Archive for the ‘Lyrisches’ Category

Manchmal müssen wir blind werden
für die Fehler des Anderen,
für die schwarze Tinte auf den Schuldscheinen,
die nicht abgetragenen Hügel der Verfehlungen gegen uns.
Einen Moment lang in die Haut des Gütigen schlüpfen,
und blicken aus Augen ohne Anklage.
Einen Moment lang Geschichten mit Milde bereisen
ohne die Suche nach dem fehlenden Wort.

Manchmal müssen wir blind werden
für unsere schmerzlichen Versäumnisse,
für die Wunden die wir schlugen mit rasender Klinge,
die Ohnmacht, mit der wir ein Unrecht besiegelten.
Einen Moment lang in die Haut des Liebenden schlüpfen,
und blicken aus Augen ohne Zweifel.
Einen Moment lang umarmen was wir waren und werden
ohne das dunkle Gewicht der Erwartung.

„Siehst Du etwas?“ fragt Jesus den Blinden
mit seinen Händen auf geschlossenen Lidern.
Und der Blinde sagt, ich sehe Menschen wie Bäume
die gehen auf der Erde umher.
Ein neues Sehen ist Segen und Heilung
es achtet das Werden zwischen Wurzel und Krone,
es schneidet den Stamm nicht mit unnachgiebigem Urteil.

Vielleicht wird die Schönheit des Menschen
allein im Blick der Vergebung befreit.

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Deck die Sonne zu, Du stillstes aller Worte,
deck die Wunden zu, Du kummerloser Dank,
der ernste Engel der Vollendung schließt die Pforte,
und benetzt die Lippen Dir mit schwerem Trank.

Leg die Fragen dieses Tages in die Erde,
die Dich trägt und Deine Sohlen zärtlich küsst,
jeder Abend trägt Dir auf: nun stirb und werde
was die Liebe Gottes hier auf Erden ist.

Deck die Sonne zu, Du innigstes Versprechen,
auch das Rot des Morgens wächst in Dunkelheit.
Jeder Traum darf leuchten, klingen und zerbrechen.
In Dir glüht schon jetzt das Licht der Ewigkeit.

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Ein Hören

Das schönste Geschenk war,
dass Du mich fragtest.
Dass Du mich fragtest anstatt
zu meinen, anstatt zu glauben,
zu raten, zu tun.
Dass Du mich fragtest wie eine,
die mit mir Wüsten durchwandert
den Quellen entgegen,
mit geteiltem Durst.
Mit Raum im Herzen
für das, was noch tastend
noch ächzend am Du
ersucht, in der Welt zu sein.
Mit Blicken aus Seide
um das keimende Grün nicht zu schrecken,
um nicht zu ritzen
die schneezarte Haut.
Das schönste Geschenk war,
dass Du mich fragtest.
Dass Du mich fragtest wie eine,
die weiss: nur dann
hat das Leben eine Wahl
wenn ein Hören es beschwört.

regenbogen_klanggebet2

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Alles Wachsende braucht Zeit,
alles Verwundete braucht Güte,
alles Verworrene braucht Sorgfalt
und alles Versprengte wachen Rückzug in die Mitte.
Alles Sterbende braucht Abschied,
alles Beginnende Ermutigung,
alles Starre Erschütterung,
und alles Verstrickte drängende Sehnsucht nach Freiheit.
Alles Menschliche braucht Begegnung,
alles Werden ein Du,
das neben dem Vertrauten das Andere trägt.
Das Andere, das uns fordert, in Frage stellt,
uns rührt, verunsichert und bewegt,
das uns sticht und drängt,
bis wir wagen, die zu sein
die wir nicht erwarteten
und die herbeigesehnt werden
von Vielen.

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Ich suchte den Segen der Liebe
fernab der ächzenden Frühe
fernab benommener Straßen an Sohlen der Hast.
Mit Worten so gläsern
dass nur ein Engel sie trüge mit Händen aus Glanz.
Und die Liebe begann mich zu fürchten
wie einen der krankt in der Nähe von Kindern
wie Gift in den Brunnen der Menschlichkeit.
In den Gassen da starben am Abend die Schatten
in die Nächte der Menschen hinein.
Und die Seufzenden brachen einander
das Brot der Begegnung,
ich aber blieb allein.
Den Kephas in mir musste ich brechen
zum Hahnenschrei lösen den dunklen Verrat
die Knie, die rosigen, beugen am Schmutz der Enteignung.
Wir haben nichts-
auch das Bekenntnis gehört uns nicht.
Dort wo Herz und Hand dem Leid des Nächsten
Dach und Stube formen
ist alles was wir halten dürfen.
Ein neuer Mensch.
Am tönernen Krug der Liebe
darf ich nun Hüter eines kleinen Risses sein.

Bild: © Käthe Kollwitz

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Die Nacht steht an der Schwelle. Lass sinken Deine Hände.
Gib dem Vollender, was versiegte, was gelang.
Das Sonnenhelle, und auch das Dunkle braucht sein Ende.
Nicht länger sei Dein Herz so ruhelos und bang.

Dein Schlaf sei wie ein Garten. Die Fülle seiner Blüten
und seiner Düfte nähre Deinen Seelengrund.
Die Welt kann warten. Mutter Nacht wird Dich behüten.
Lass Dich nur wiegen. Jeder Riss wird einst gesund.

(Gedichte und Nachtgebete findest Du auch in Giannina Wedde „Dorn der Liebe“, echter Verlag 2015, überall im Buchhandel und im Klanggebet Shop)

Bild: Pablo Picasso

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Manchmal

Manchmal bin ich wie die stille Kapelle,
deren Wände geschwärzt sind vom Hunger der Kerzen,
von zahllosen Flammen unerfüllter Gebete.
Vorn brennt das ewige Licht,
wie ein Auge langmütig blickend
in meinen Kokon aus Ruß.

Meine Fragen wärmen einander nicht mehr,
sie kämpfen um das letzte Stück Brot wie Vögel,
gezeichnet vom Sterben, dem sie gehören.
An Deinem Schweigen hält inne mein Suchen
mit blutiger Stirn.

Manchmal naht ein Mensch wie ein vergessenes Begehren
und nimmt alles Endende mit. Auch das Bittere,
von meinen Lippen mit stillem Kuss.
Ein neues Beten fällt mit lilienweissen Händen
den fremden Händen eines Menschen zu.
Mit edlem Ernst umschließt mein Herz ein Du als Tabernakel.

candles

 

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