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Archive for the ‘Lyrisches’ Category

Gib der Liebe einen Ort
am Grund der Fragen, die die Welt bestürmen,
unter den Lidern, die bergen
den staunenden Blick.
In der Röte der Wunden, die Du mit Zahllosen teilst,
und auf der Gischt des Lachens
an den Ufern vieler Jahre.
Gib der Liebe einen Ort
unter den suchenden Händen, die sich verzweigen
wie Äste des Baumes
der Leben heißt.
In hüllenlosen Worten, die das Sagbare halten
und im Schweigen, das die Seufzer
der Stummen birgt.
Gib der Liebe einen Ort
am Rande jedes Schreckens,
wo kein furchtloses Hoffen
das menschliche Dunkel je bezähmt.
Und auch in den einfachen Dingen,
die sich wie goldene Ähren
an den Tag der Ernte verschenken.

Bild: Odilon Redon

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Die heutige Nacht vom 5. auf den 6. Januar ist die letzte der Rauhnächte. In der Volksfrömmigkeit wird sie auch die „Nacht der Wunder“ genannt. Wir sind eingeladen, unsere guten Träume in die Welt zu senden.

Rauhnacht

So grüsst das Kommende: Aus Deinen Händen.
Nun halte inne, gib dem Schweigen einen Raum.
Häng Dein Glück nicht an die Dinge, da sie enden.
Das Beginnende naht wie aus fernem Traum.

Wie der Eiseshauch am Licht der Abendkerzen
sich verschenkt und an die Flamme ganz verliert,
legt die Rauhnacht ihren Hauch um unsre Herzen,
bis sie schwindend unsren tiefsten Grund berührt,

von dem die kühnsten aller Schritte sich erheben,
und die wärmsten aller Worte sich befrein,
von dem ein Wollen aufsteigt, um die Welt zu weben
deren Lust es ist, ein guter Ort zu sein.

So grüsst das Kommende: Aus Deinem Beten,
bis Deine Haut nicht länger von der Welt Dich trennt.
Durch eine unsichtbare Tür ist eingetreten
der neue Mensch, der sich als Gottes Hauch erkennt.

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Deck die Sonne zu, Du stillstes aller Worte,
deck die Wunden zu, Du kummerloser Dank,
der ernste Engel der Vollendung schließt die Pforte,
und benetzt die Lippen Dir mit schwerem Trank.

Leg die Fragen dieses Tages in die Erde,
die Dich trägt und Deine Sohlen zärtlich küsst,
jeder Abend trägt Dir auf: nun stirb und werde
was die Liebe Gottes hier auf Erden ist.

Deck die Sonne zu, Du innigstes Versprechen,
auch das Rot des Morgens wächst in Dunkelheit.
Jeder Traum darf leuchten, klingen und zerbrechen.
In Dir glüht schon jetzt das Licht der Ewigkeit.

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Ein Hören

Das schönste Geschenk war,
dass Du mich fragtest.
Dass Du mich fragtest anstatt
zu meinen, anstatt zu glauben,
zu raten, zu tun.
Dass Du mich fragtest wie eine,
die mit mir Wüsten durchwandert
den Quellen entgegen,
mit geteiltem Durst.
Mit Raum im Herzen
für das, was noch tastend
noch ächzend am Du
ersucht, in der Welt zu sein.
Mit Blicken aus Seide
um das keimende Grün nicht zu schrecken,
um nicht zu ritzen
die schneezarte Haut.
Das schönste Geschenk war,
dass Du mich fragtest.
Dass Du mich fragtest wie eine,
die weiss: nur dann
hat das Leben eine Wahl
wenn ein Hören es beschwört.

regenbogen_klanggebet2

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Die Nacht steht an der Schwelle. Lass sinken Deine Hände.
Gib dem Vollender, was versiegte, was gelang.
Das Sonnenhelle, und auch das Dunkle braucht sein Ende.
Nicht länger sei Dein Herz so ruhelos und bang.

Dein Schlaf sei wie ein Garten. Die Fülle seiner Blüten
und seiner Düfte nähre Deinen Seelengrund.
Die Welt kann warten. Mutter Nacht wird Dich behüten.
Lass Dich nur wiegen. Jeder Riss wird einst gesund.

(Gedichte und Nachtgebete findest Du auch in Giannina Wedde „Dorn der Liebe“, echter Verlag 2015, überall im Buchhandel und im Klanggebet Shop)

Bild: Pablo Picasso

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Manchmal

Manchmal bin ich wie die stille Kapelle,
deren Wände geschwärzt sind vom Hunger der Kerzen,
von zahllosen Flammen unerfüllter Gebete.
Vorn brennt das ewige Licht,
wie ein Auge langmütig blickend
in meinen Kokon aus Ruß.

Meine Fragen wärmen einander nicht mehr,
sie kämpfen um das letzte Stück Brot wie Vögel,
gezeichnet vom Sterben, dem sie gehören.
An Deinem Schweigen hält inne mein Suchen
mit blutiger Stirn.

Manchmal naht ein Mensch wie ein vergessenes Begehren
und nimmt alles Endende mit. Auch das Bittere,
von meinen Lippen mit stillem Kuss.
Ein neues Beten fällt mit lilienweissen Händen
den fremden Händen eines Menschen zu.
Mit edlem Ernst umschließt mein Herz ein Du als Tabernakel.

candles

 

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Hoffnung

Lehre mich Leben, Gott, auch wenn aus hart gewordner Schale,
aus altem Schweigen, das die Not so Vieler hält,
ich dunkle Striche in den nahen Morgen male,
wie schwarze Kümmernis begegnungsloser Welt.

Zu viele Wogen großer Hoffnung brachen einst an harten Küsten,
verklungen ist das Lied, das sich dem Andren neigt –
Sind wir denn Menschen nicht, die brüderlich erretten müssten
was uns aus sehnsuchtsvollen, wunden Herzen steigt?

Ich bin ein Mensch, und dieses dunkle Bangen will mich beugen,
selbst meine Augen sind zu scheu, nach Dir zu schauen,
doch alles was Du bist, kann nur das Licht bezeugen,
und meine Hand will Deiner Hand sich anvertrauen.

Oh wenn auch Du Dich beugst, wer wird dann froh entzünden
dies eine Feuer, das beharrlich wärmt?
Das uns den Weg weist, um einst heimzufinden?
Das jungen Vögeln gleicht, wenn es in weite Ferne schwärmt?

Wer rettete uns denn, wenn unser Sehnen schliefe,
wenn unser Amen nur noch stärkte, was wir wissen?
Wenn uns nur nachtgeschwärzte Angst beim Namen riefe,
und alles Wollen endete im Lassen müssen?

Es ist ein Heiligtum im Herzen, das sich Hoffnung nennt,
es gibt sich zu erkennen als Verlangen.
Heut’ geh ich fort von all der Asche, denn ein Feuer brennt.
Ein neuer Morgen zeichnet Rot auf meine Wangen.

lino2

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