Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for the ‘Lyrisches’ Category

Deck die Sonne zu, Du stillstes aller Worte,
deck die Wunden zu, Du kummerloser Dank,
der ernste Engel der Vollendung schließt die Pforte,
und benetzt die Lippen Dir mit schwerem Trank.

Leg die Fragen dieses Tages in die Erde,
die Dich trägt und Deine Sohlen zärtlich küsst,
jeder Abend trägt Dir auf: nun stirb und werde
was die Liebe Gottes hier auf Erden ist.

Deck die Sonne zu, Du innigstes Versprechen,
auch das Rot des Morgens wächst in Dunkelheit.
Jeder Traum darf leuchten, klingen und zerbrechen.
In Dir glüht schon jetzt das Licht der Ewigkeit.

Advertisements

Read Full Post »

Ein Hören

Das schönste Geschenk war,
dass Du mich fragtest.
Dass Du mich fragtest anstatt
zu meinen, anstatt zu glauben,
zu raten, zu tun.
Dass Du mich fragtest wie eine,
die mit mir Wüsten durchwandert
den Quellen entgegen,
mit geteiltem Durst.
Mit Raum im Herzen
für das, was noch tastend
noch ächzend am Du
ersucht, in der Welt zu sein.
Mit Blicken aus Seide
um das keimende Grün nicht zu schrecken,
um nicht zu ritzen
die schneezarte Haut.
Das schönste Geschenk war,
dass Du mich fragtest.
Dass Du mich fragtest wie eine,
die weiss: nur dann
hat das Leben eine Wahl
wenn ein Hören es beschwört.

regenbogen_klanggebet2

Read Full Post »

Die Nacht steht an der Schwelle. Lass sinken Deine Hände.
Gib dem Vollender, was versiegte, was gelang.
Das Sonnenhelle, und auch das Dunkle braucht sein Ende.
Nicht länger sei Dein Herz so ruhelos und bang.

Dein Schlaf sei wie ein Garten. Die Fülle seiner Blüten
und seiner Düfte nähre Deinen Seelengrund.
Die Welt kann warten. Mutter Nacht wird Dich behüten.
Lass Dich nur wiegen. Jeder Riss wird einst gesund.

(Gedichte und Nachtgebete findest Du auch in Giannina Wedde „Dorn der Liebe“, echter Verlag 2015, überall im Buchhandel und im Klanggebet Shop)

Bild: Pablo Picasso

Read Full Post »

Manchmal

Manchmal bin ich wie die stille Kapelle,
deren Wände geschwärzt sind vom Hunger der Kerzen,
von zahllosen Flammen unerfüllter Gebete.
Vorn brennt das ewige Licht,
wie ein Auge langmütig blickend
in meinen Kokon aus Ruß.

Meine Fragen wärmen einander nicht mehr,
sie kämpfen um das letzte Stück Brot wie Vögel,
gezeichnet vom Sterben, dem sie gehören.
An Deinem Schweigen hält inne mein Suchen
mit blutiger Stirn.

Manchmal naht ein Mensch wie ein vergessenes Begehren
und nimmt alles Endende mit. Auch das Bittere,
von meinen Lippen mit stillem Kuss.
Ein neues Beten fällt mit lilienweissen Händen
den fremden Händen eines Menschen zu.
Mit edlem Ernst umschließt mein Herz ein Du als Tabernakel.

candles

 

Read Full Post »

Hoffnung

Lehre mich Leben, Gott, auch wenn aus hart gewordner Schale,
aus altem Schweigen, das die Not so Vieler hält,
ich dunkle Striche in den nahen Morgen male,
wie schwarze Kümmernis begegnungsloser Welt.

Zu viele Wogen großer Hoffnung brachen einst an harten Küsten,
verklungen ist das Lied, das sich dem Andren neigt –
Sind wir denn Menschen nicht, die brüderlich erretten müssten
was uns aus sehnsuchtsvollen, wunden Herzen steigt?

Ich bin ein Mensch, und dieses dunkle Bangen will mich beugen,
selbst meine Augen sind zu scheu, nach Dir zu schauen,
doch alles was Du bist, kann nur das Licht bezeugen,
und meine Hand will Deiner Hand sich anvertrauen.

Oh wenn auch Du Dich beugst, wer wird dann froh entzünden
dies eine Feuer, das beharrlich wärmt?
Das uns den Weg weist, um einst heimzufinden?
Das jungen Vögeln gleicht, wenn es in weite Ferne schwärmt?

Wer rettete uns denn, wenn unser Sehnen schliefe,
wenn unser Amen nur noch stärkte, was wir wissen?
Wenn uns nur nachtgeschwärzte Angst beim Namen riefe,
und alles Wollen endete im Lassen müssen?

Es ist ein Heiligtum im Herzen, das sich Hoffnung nennt,
es gibt sich zu erkennen als Verlangen.
Heut’ geh ich fort von all der Asche, denn ein Feuer brennt.
Ein neuer Morgen zeichnet Rot auf meine Wangen.

lino2

Read Full Post »

Paradoxa

Da ich endlich sehend wurde, sind die Augen nun geschlossen,
da ich meinen Leib verliess, wohnt nun mein Odem treu darin,
da das Feuer mich verzehrte, werd’ ich brennend ausgegossen,
da ich ließ was mich errichtet’, darf ich werden was ich bin.

Dies Geheimnis ist verwoben in die Schwärze der Kapellen,
in die Hände, die zum Beten sich verzweigen wie das Licht,
und es schäumt als Macht des Meeres auf den ruhelosen Wellen,
sieh, der Ozean der Liebe hebt stets auf was er zerbricht.

Wie die Birkenblätter seufzen, unter regennassen Küssen,
wie vom Sonnengold geweckt, die Welt sich ganz nach Dir verzehrt!
Jedes Sandkorn trägt des Sterbens Bürde, doch auch dieses Wissen,
dass die Hand in der wir ruhen, unser ganzes Werden nährt.

Da ich endlich Stille wurde, trägt mein Mund ein neues Sprechen,
da ich meine Hände leerte, sind sie Brunnenschalen gleich,
da Dein Ruf mein Herz verführte, darf es in den Dingen brechen,
Dir geschenkt gesunden an dem Welt gewordnen Himmelreich.

spring9

Read Full Post »

Etwas, das wir heute kaum noch begreifen, etwas das uns ambitioniert und elitär denkende Spiritualität ausgetrieben hat, ist, auch die Tränen jener zu achten, die daraus ganz und gar nichts Kraftvolles, Schöpferisches oder Erhebendes gewinnen können, und deren Umgang mit Leiden alle Zeichen des Zerbrechens und Scheiterns trägt, und keine der Transformation oder des Triumphs.

Zeitgenössische spirituelle Konzepte loten für uns den Idealmenschen aus, der zwar den unseligen Regeln von Kapitalismus, Medienmanipulation und unterdrückenden religiösen Systemen schlau in die Karten schaut, der dafür aber in dem was wir für geistiges und körperliches Glück halten, deutlich raffgierige, manipulative und despotische Züge trägt, der also die Systeme die er ablehnt, ganz und gar verinnerlicht und auf seine spirituellen Wahrnehmungsgewohnheiten übertragen hat.

Es wird gemobbt wie an jeder durchschnittlichen Mittelschule, und Objekt der Ablehnung und offenen Aggression ist oft der Mensch, der an dem ihm widerfahrenen Leid zugrunde geht.
Die spirituellen Aggressoren finden dafür allerlei wortreiche Begründungen: der zerbrechende Mensch sei resilienzunfähig, erkenntnisunfähig, niedrig-memig, unerwacht, egoverhaftet, karmisch verstrickt, widerständig, unerlöst, möglicherweise sogar verflucht, besessen oder wenigstens fremdbestimmt. Je flacher die esoterischen Gewässer, desto tiefer die Ablehnung gegen den leidenden Menschen, gegen das Schmerzliche, das sich nicht kurieren lässt.

Die Ablehnung richtet sich sowohl gegen den geschundenen Körper, als auch gegen die von Traurigkeit erdrückte Seele. Zahllose Bestseller auf dem Lebenshilfemarkt suggerieren uns, Krankheit sei eine direkte Folge falscher Denkmuster und somit im Umkehrschluss durch Besserung innerer Gewohnheit auch in jedem Fall zu heilen. Der nicht genesende Mensch steht unter Generalverdacht, die ihm innewohnenden Fähigkeiten zur Regulierung seiner Körperfunktionen schlicht und ergreifend nicht wahrzunehmen, sei es aus Unwillen oder Unfähigkeit, was gleichermaßen eine Beleidigung des „natürlichen Zustands Gesundheit“ darstellt
.
Der traurigen Seele geht es ähnlich: sie bringt sich ja um das ihr vermeintliche verliehene „Geburtsrecht Glück“. Man bringt ihr bestenfalls Bedauern entgegen, dafür dass sie den natürlichen Zustand der Seele, „bliss“, Seligkeit, Glück, das Bewusstsein für die Schönheit und Gutheit aller Dinge nicht zu erlangen imstande ist.

Wenn auch aus psychologischer, medizinischer und spiritueller Perspektive viele dieser Behauptungen Wahrheit enthalten – niemand wird leugnen wollen, dass Gesundheit durch willentliche Entscheidungen, gedankliche Neuorientierung und das Schaffen gesundheitsfördernder Gewohnheiten stabilisiert werden kann, und niemand wird leugnen, dass es eine ganz natürliche Fähigkeit zum Glück gibt, die bei uns meist zum Vorschein kommt wenn wir nicht von zahllosen Strukturen der Gewalt drangsaliert sind – so haben sich Mechanismen der Ablehnung und Stigmatisierung längst verselbständigt und als tiefschwarzer Schatten Einzug in unsere spirituellen Konzepte gehalten.

Wir alle kennen oder sind Menschen, die zu strahlend glücklichen Leuten sagen: „Ich sehe zu Dir auf“, oder zu Menschen die sich von ihrer Krankheit geheilt haben „Ich danke Dir, dass Du mir aufzeigst, dass man die Krankheit überwinden kann“, oder zu Menschen, die mit allem im Reinen zu sein scheinen „Ich sehe in Dir die Verkörperung göttlichen Lichts“.
Es liegt uns aber fern, zu einem tieftraurigen Menschen zu sagen: „Ich sehe zu Dir auf.“, oder zu einem nicht genesenden Kranken „Ich danke Dir für das Leid, das Du trägst“ oder zu einem Verzweifelnden „Ich sehe in Dir das Zerbrochene als Manifestation Gottes“. Und das scheint mir schlicht und ergreifend eine krankhafte Verzerrung der Wirklichkeit, eine Schieflage die sich unserer Unfähigkeit verdankt, auch das was wir gemeinhin für Scheitern halten, als Schöpfungsprozess und als ehrbares Leben zu betrachten.

Nicht erst der Leidende der sein Leid überwindet, verdient unsere Achtung und Liebe – auch der Leidende der es niemals überwindet, verdient sie. Wir müssen unsere Zuneigung von Belohnung und Bestrafung befreien. Von Urteilen, die uns nicht zustehen. Dass wir menschengemachtes Leiden minimieren sollten steht freilich außer Frage. Wie wir aber mit jenen umgehen, die unsere obsessive Glücksbesoffenheit und unsere beschränkte Auffassung von gelungenem Leben nicht teilen, bedarf dringend einer Veränderung.

Wie kaum eine andere spirituelle Tradition trägt das Christentum dieses Wissen. Man nehme nur einmal die Geschichten um die Zöllner, Sünder und Prostituierten, um Menschen also, die nach damaligen gesellschaftlichen und religiösen Gepflogenheiten als unwürdig und gesellschaftsunfähig galten. Wir verkürzen diese Geschichte sehr, wenn wir nur den Aspekt der „Sünde“ darin sehen. Jesu Zuneigung galt all jenen, die den gebotenen Normen nicht genügten. Man blicke auf die extremste Figur des Christentums: Judas, dessen Verrat und verzweifelter Suizid sich in eine Heilsgeschichte verweben, die ohne sie gar nicht denkbar gewesen wäre. Das Christentum duldet, bevormundet oder bemitleidet keineswegs jene, die traurig, verzweifelt und aus gesellschaftlicher Perspektive untragbar sind. Stattdessen birgt es sie als heilige Orte, an denen Gott gegenwärtig ist, als menschliche Gärten, in denen Gott seine Schöpfung zur Blüte treibt.

Das Dunkel Vieler

Mir ist, als trügest Du die tausend Krüge,
die reich gefüllt sind mit den Tränen dunkler Nacht.
Wenn nur die Welt erst schläft und ihre Atemzüge
auch Deine Seele wiegen, die in Stille wacht,

dann lassen sinkend Deine rauen Hände
von den Gefäßen, die sich stürzen bis zum Grund.
Dort in den Scherben kommt ein Nachtgebet zum Ende,
und schwarze Vögel schrecken auf aus Deinem Mund.

Du bist wie ein verrußter Tabernakel,
so schwarz und gläsern wie der Rauchobsidian.
An Deinem Leiden ist kein Fehlen und kein Makel,
es folgt Dein Herz den Sternen gleich nur seiner Bahn.

Das Erdenleben gleicht dem Rosengarten.
Ein jeder Schritt treibt uns die Dornen in die Haut.
Die Gnade Gottes lässt uns nicht auf Tröstung warten,
wenn sie das Dunkel Vieler Einem anvertraut.

helfta

Read Full Post »

Older Posts »