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Posts Tagged ‘Benevolentia’

Unabhängig davon, ob wir Christen, Buddhisten, freie Spirituelle, Integrale oder sonstige Praktizierende auf dem spirituellen Weg sind: wenn wir im Bus, im Büro, in der Kirche oder im Postamt sitzen und beim Blick auf die Anderen immer wieder denken, wie unerwacht, unbewusst, unerleuchtet, unerlöst, unterentwickelt oder unheilig sie sind, dann haben wir ein Problem und dieses Problem sind nicht die Anderen, sondern wir.

Der Andere, das ist ein Ort an dem Gott sich ereignet, auf seine Weise. Der Andere, das ist der Fremde, den wir nicht kennen. Der Andere, das ist der Bruder, um den wir nicht wissen.
Wieviel wir auch meinen über den Anderen zu wissen, er ist immer anders als wir denken und immer mehr als wir ahnen.

Als ich noch Kind war, sagte ein Pater einmal zu mir: „Jeder Mensch hat ein Kreuz zu tragen, und wir sehen dieses Kreuz nicht, also müssen wir gütig sein.“ Das leuchtete mir ein.
Es muss uns klar sein, dass der Andere Kämpfe auszutragen hat, von denen wir nichts wissen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, sich zu Herzen zu nehmen dass der Andere ein Leidender ist, dessen Leid wir nicht mehren sollten.

Die andere Seite der Medaille ist, dass der Andere auch eine Schönheit in sich trägt, die wir nicht sehen, so lange wir sie nicht mit liebevollem Blick erwarten. Es gibt eine Schönheit im Menschen, die nur zum Vorschein kommt, wenn sie sich im wohlwollenden Blick des Nächsten entfalten kann. Ein scheuer Vogel ist diese Schönheit, und wer sind wir, ihn mit unseren dunklen Blicken der Unterschätzung zu vertreiben?

Den Anderen zu erkennen bedeutet zunächst immer, vorbehaltlos zu akzeptieren, dass wir ihn nicht kennen. Dass da ein Raum ist, den wir noch nicht betreten haben. Ein Raum, in den wir möglicherweise eingeladen werden, wenn erst unser Blick an Achtung gereift ist, die der Andere sich nicht verdienen muss.

Bild: Sergej Smirnov

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Heute gibt es frohe Kunde: Die erste KLANGGEBET CD „Herzensgebet“ ist fertig gestellt und bereit, ihren Weg in alle durstigen Ohren zu finden – möglicherweise ja auch in Deine?

„Herzensgebet“ enthält zwölf  Tracks mit über sechzig Minuten Spielzeit – eine Klangreise mit segnenden, stärkenden, klärenden und erbauenden Liedern im Geiste lebendiger und überkonfessioneller Spiritualität.

In diesem Monat wird das KLANGGEBET Projekt drei Jahre alt. In den drei Jahren hatte ich viel zu tun, und widmete meine Aufmerksamkeit ganz der Einzelarbeit, den persönlichen Klanggebeten, aber auch spiritueller Wegbegleitung in verschiedenen Facetten. Zeit für „Alle“ nahm ich mir in den Klanggebeten, die zum kostenlosen Download angeboten wurden, darunter Seelenlieder, Mantren und Meditationen (und natürlich hier im Blog). Immer wieder wurde ich gefragt, ob es nicht mal eine CD zu freien Erwerb geben würde, aber irgendwie fand sich dazu nie die Zeit. Nun, ich habe festgestellt: Zeit findet sich nicht, Zeit muss man sich nehmen. Was ich hiermit getan habe, um „Herzensgebet“ in Ruhe aufnehmen zu können.

Auf „Herzensgebet“ finden sich einige der bekannten Lieder, darunter „Mutter Erde“ und „An den Menschen“, darüber hinaus sieben neue Klanggebete, die zu einer Reise der Innerlichkeit einladen, zu Erneuerung und zu einer tatkräftigen Hinwendung zur Welt.

Hörproben gibt es unter folgendem Link auf meiner Website: Herzensgebet CD – Hörproben und Bestellung.

Ich freue mich über jeden, der die CD erwirbt und sich mit den Klanggebeten neue Gebets- und Erfahrungsräume erschließt. Bestellungen nehme ich ab sofort entgegen – der Versand der CD erfolgt aus logistischen Gründen ab dem 21.6. 2012, dem Tag an dem das Klanggebet Projekt erfreulicherweise seinen dritten Geburtstag erlebt (Festtagsfreude ist also auf jede CD gekleckert, die ihre Reise antritt).

Tracklist:

1. An den Menschen
2. Du bist das Land, das ich betrete
3. Ich bin verwurzelt
4. Dein Herz wird gesund
5. Dankgebet
6. Mein Bruder, mein Freund
7. Wir sind bei Dir
8. Öffne Dein Herz
9. Mutter Erde
10. Du bist alles was ich will
11. Gotteslicht
12. Fürchte nichts
 
Und das alles hätte ich nun freilich auch anders sagen können, beispielsweise so:
 

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© Misha Maynerick

Baha’u’llahs Vision einer gerechten Welt und eines edlen Menschen der sich seiner Würde bewusst ist, übt auch heute noch große Faszination auf Menschen aller Herren Länder aus. In zahlreichen Texten von großer inhaltlicher und formaler Schönheit schrieb der Religionsstifter nieder, wie das göttliche Gesetz von Frieden, Gerechtigkeit und Wohlstand aller verwirklicht werden könne. Größte Wichtigkeit hatte für ihn der Frieden zwischen Anhängern verschiedener Religionen, niemals sollten religiöse Inhalte Anlass für Streit oder Entzweiung sein. Blicke ich, seinen Wunsch verinnerlichend, auf das was allein Christen und Muslime heute entzweit, bin ich beschämt.

Baha’u’llahs Texte sind wahre Oasen der Betrachtung. Dichtung, Erbauung und Gebet in einem – und wer will, darf das als Leseempfehlung verstehen. Spreche er nun aber selbst:

„Sei freigebig im Glück und dankbar im Unglück. Sei des Vertrauens deines Nächsten wert und schaue hellen und freundlichen Auges auf ihn. Sei ein Schatz dem Armen, ein Mahner dem Reichen, eine Antwort auf den Schrei des Bedürftigen, und halte dein Versprechen heilig. Sei gerecht in deinem Urteil und behutsam in deiner Rede. Sei zu keinem Menschen ungerecht und erweise allen Sanftmut.

Sei wie eine Lampe für die, die im Dunkeln gehen, eine Freude den Betrübten, ein Meer für die Dürstenden, ein schützender Hafen für die Bedrängten, Stütze und Verteidiger für das Opfer der Unterdrückung. Laß Lauterkeit und Redlichkeit all dein Handeln auszeichnen. Sei ein Heim dem Fremdling, ein Balsam dem Leidenden, dem Flüchtling ein starker Turm. Sei dem Blinden Auge und ein Licht der Führung für den Fuß des Irrenden.

Sei ein Schmuck für das Antlitz der Wahrheit, eine Krone für die Stirn der Treue, ein Pfeiler im Tempel der Rechtschaffenheit, Lebenshauch dem Körper der Menschheit, ein Banner für die Heerscharen der Gerechtigkeit, ein Himmelslicht am Horizont der Tugend, Tau für den Urgrund des Menschenherzens, eine Arche auf dem Meer der Erkenntnis, eine Sonne am Himmel der Großmut, ein Stein im Diadem der Weisheit, ein strahlendes Licht am Firmament deiner Zeitgenossen, eine Frucht am Baume der Demut.“

(Baha’u’llah, Stifter der Bahá’í Religion. Aus: Ährenlese, eine Auswahl aus den Schriften Baháʼuʼlláhs, Bahá’í Verlag Hofheim 1999)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 14: Bejahung

© Cristina McAllister

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Bejahung“.

Dieser vierzehntägige Weg begann mit einem „Ja“. Und heute endet er mit einem „Ja“.

Wohlwissend, dass in diesem Ja so viele Neins eingeschlossen sind, die gesprochen werden müssen gegen Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und Untragbarkeiten. Wohlwissend, dass ein Ja nicht immer in seliger Ergebenheit gesprochen werden kann, sondern oftmals errungen werden will. Wohlwissend auch, dass es vor allem innere Hürden sind, die überwunden werden wollen auf diesem Weg der Bejahung.

Dies ist ein Ja zu innerer Entwicklung. Zu Liebe, Mitgefühl und Aufmerksamkeit. Zu Mut und Aufrichtigkeit, ein Ja dazu, jene Welten zu erschließen, die Du in meinen Seelengrund gelegt hast. Dies ist ein Ja zu einem bewussten Leben inmitten dieser Schöpfung, die auf unzählige Weisen von Dir erzählt. Dies ist ein Ja zu einer beherzten und bedachten Lebensreise, im Angesicht des Du, und in Deiner Gegenwart, die alles durchdringt.

Noch während ich alles dafür tun muss, wird mir alles geschenkt. Noch während Du meine Wege zeichnest, bin ich frei. Dies ist ein Geheimnis, in das ich sinke, wie der Samen in die Erde. Und dafür danke ich Dir.

Segne unsere Wege. Segne die Wege aller, die eine neue Erde in ihren Herzen tragen, berührt von Deiner Gegenwart mitten unter uns.

Paulus schrieb einst an seine Gemeinde: Gott ist in unseren Herzen aufgeleuchtet.

Dieses Leuchten möchte ich bejahen, feiern, besingen, tragen und teilen.

(Dies war ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier. Herzlichen Dank an all die vielen Leser, die mitgegangen sind und die Texte geteilt haben, und die mir so freundlich geschrieben haben. Weiterhin gute Reise.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg.Tag 13: Gemeinschaft

© Angela Treat Lyon

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Gemeinschaft“.

Ich bin nicht allein. Diese Reise, die ich antrete, führt durch Höhen und Täler, immer aber in Reichweite von Gefährten. Und Gefährte will auch ich sein. Nicht nur dem Menschen, der mich kennt, und der sich selbst in mir erkennt, der sich mir zuneigt und meiner Zuneigung bedarf. Sondern auch dem Wind und dem Wasser, dem Feuer und der Erde, dem Tier, allem Wachsenden und Werdenden will ich Gefährte sein. So gut ich kann will ich dies, doch heute sage ich: ich will es besser können als bisher. Wo dazu Übung nötig ist, will ich üben. Wo dazu Offenheit nötig ist, will ich mich öffnen. Hörend sein will ich, auch und gerade für den Ruf des Nächsten der an mich ergeht, immer tiefer in ein Verstehen und Verkosten dessen sinkend, was Leben ist.

Und was der Mensch ist und was er sein kann, das werden wir erweisen. Denn jeder Tag ist der Tag der Menschwerdung.

 

Du bist mir so vertraut
ist unser Glanz auch noch verhüllt
wir teilen einen Traum
nimm meine Hand damit er sich erfüllt

.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 12: Liebe

© Elena Kotliarker

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Liebe“.

Was weiß ich von der Liebe? Je mehr ich mich Dir aussetze, Du Namenloser, um so fremder scheint sie mir.

Denn Du entkleidest mich. Mit geduldiger Hand nimmst Du mir jede Schicht: meinen Mantel, der mich wärmte, und den ich für mütterliche Liebe hielt. Mein Hemd, das mich ordnete, und das ich für väterliche Liebe hielt. Meine Kleider, die mich schmückten, und die ich für romantische Liebe hielt. Meine Uniform, die mich einreihte, und die ich für Nächstenliebe hielt. Meine Stiefel, die mich trugen, und die ich für Gottesliebe hielt.

Entkleidet hast Du mich, doch nicht um mich zu beschämen. Entkleidet hast Du mich, dass ich erahnen könnte, wie gross die Liebe ist.

Die Liebe verwandelt alles. Sie macht uns sehend und hörend, aufmerksam für alles was in uns und um uns lebt und pulsiert. Sie erinnert uns an unsere Verbundenheit, noch während sie uns von der Freiheit erzählt. Sie durchtrennt unsere Fesseln, doch auf eine Weise, die uns zu den Dingen hin befreit. In jener Freiheit stehlen wir uns nicht davon, entlastet und abgewandt. In jeder Freiheit wenden wir uns den Dingen zu, und unsere geöffneten Hände nehmen begierig und mutig den Lebensfaden auf, den zu knüpfen wir einst versprachen. Diese Freiheit ist eine Freiheit zur Hingabe, und diese Hingabe scheut nicht den Staub auf den Straßen und die Tränen im Gesicht des Nächsten, und sie weiß um die Gräber, über denen der Morgen noch nicht leuchtet.

Solche Liebe zeigst Du mir in meiner Nacktheit, und keine Ordnung, kein Gesetz, keine Regel die wir uns erdachten um den Strom der Liebe zu bändigen, hat darin Bestand.

Du zeigst mir Liebe, die nicht von dieser Welt ist, und deren Weg doch ins Herz dieser Welt führt und in alle ihre Blutgefäße, derer auch ich eines bin. Und mich verlangt es nicht nach Unverwundbarkeit oder nach seliger Ruhe, denn meine Arbeit, unsere Arbeit ist noch nicht getan.

Die Liebe höret niemals auf, sagtest Du uns. Und jeder meiner Atemzüge weiß das. Mit dieser Gewissheit möchte ich selbst Liebe sein in dieser Welt, heute, morgen, und bis zum letzten meiner Tage.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 11: Klarheit

© Jennifer Baird

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Klarheit“.

Eine unruhige See bin ich. Gedanken nehmen mich mit auf Reisen, Gefühle stärken und schwächen mich, immerzu. Immerzu ist diese Welt in Bewegung, und meine innere Welt folgt ihr mit ihrer Bewegtheit.

Du aber breitest eine See der Klarheit vor mir aus. Du aber sagst: Nimm. Trink. Werde.

Ich möchte Deine Klarheit hereinlassen. Möchte ihr sagen: komm und zähme meine Gedanken. Komm und streiche die Wogen aus meinem Gemüt. Komm und löse die Knoten, an denen ich strauchle, immer wieder.

Eine klare See will ich sein, die Deinen Himmel spiegelt. Die nichts hinzufügt und nichts wegnimmt, die ist, weil Du es so gewollt hast.

Ich möchte hinabsinken auf den Grund der Dinge, dorthin, wo alles still wird. Dorthin, wo das Licht der Klarheit in alle Winkel meines Daseins strahlt, und mich anfüllt mit Bewusst-Sein. Dorthin, wo eine Erinnerung liegt, die Du mir nicht vorenthältst.

Jeden Tag möchte ich dieser Klarheit Einlass gewähren, durch Gebet, durch Meditation, durch Momente der Stille, durch Momente des Innehaltens inmitten Deiner Schönheit, die Du so verschwenderisch in diese Welt gegossen hast.

Je mehr ich in diese See der Klarheit sinke, je mehr ich selbst diese Klarheit werde, um so mehr werde ich ihr Licht in meine Tage und Nächte tragen können. Alles was ich so tue, wird die Ruhe dieses heiligen Gewässers enthalten. Alles was ich so tue, wird Reinheit und Wahrhaftigkeit in sich tragen. Alles was ich so tue, wird Segen sein für diese Welt. Meine Worte werden klar sein, und dem Verstehen dienen. Meine Taten werden klar sein, und der Liebe dienen. Ich selbst werde geklärt sein in wachsender Erkenntnis unserer Verbundenheit. Was mich gestern noch täuschte, wird schwinden. Was mich gestern noch irritierte, vergehen. Dort wo Klarheit sich ausbreitet, werde ich mehr und mehr wahrhaftig und frei, und alles darf daran teilhaben.

Auf diesem Weg der Vervollkommnung gib Du mir Geleit.

Du Quelle der Klarheit, eine klare See will ich sein, die Deinen Himmel spiegelt.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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