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Posts Tagged ‘Bestimmung’

Der Hymnus „Veni creator spiritus“ (Komm Schöpfergeist) ist ein aus dem neunten Jahrhundert stammendes überliefertes Kirchenlied, dessen verschiedene Versionen uns zu Pfingsten begegnen. Besonders interessant ist derzeit für mich die Zeile „Accende lumen sensibus“, oft verfälschend übersetzt mit „Zünd an in uns des Lichtes Schein“, „Zünd an in uns Dein Gnadenlicht“ oder „Zünd uns ein Licht an im Verstand“. All diese Übersetzungen verweisen auf eine spirituelle oder eine Erkenntnisdimension. Vom Stand der Gnade oder dem Verstand ist aber nicht die Rede. Richtigerweise muss man sagen, dass die Zeile von den Sinnen spricht. Eine Übersetzung, die dem ursprünglichen Texinhalt entspricht, lautet daher: „Zünd an das Licht den Sinnen“. Darauf herumzureiten ist keine Überkorrektheit, sondern geradezu notwendige Liebe zum Detail. Denn dem Christentum, dem nicht selten Welt- und Leibfeindlichkeit vorgeworfen wird, zeugt an zahllosen Stellen von einer ehrfürchtigen Einbindung des Körpers und alles Erschaffenen in die heilige Ordnung in der Gott selbst aufscheint.

Was bedeuten erhellte Sinne? Sinne, in denen ein Licht entzündet wurde? Das Licht des Geistes, das hier erbeten wird, was bewirkt es mit den Sinnen des Menschen?

Der Heilige Geist enteignet uns

Zunächst muss gesagt werden, dass der Geist im Alten Testament etliche male genannt wird: Als Urgewalt, die All und Erde zusammenhält, als Kraft die von Menschen Besitz ergreift um sie ihrer wahren Bestimmung zuzuführen, als Spender von Weisheit, Erkenntnis, Einsicht und Stärke, und als Stimme die zur Gottesliebe ruft. Darüber hinaus ist vom Geist die Rede, der zum seligsten Werden, zu Entfaltung und Blüte führt: „Wenn aber der Geist aus der Höhe über uns ausgegossen wird, dann wird die Wüste zum Garten.“ (Jes 32,15). Auch wird der Geist genannt als Kraft, die eine Verwandlung bewirkt : „Dann wird der Geist des Herrn über dich kommen und du wirst wie sie in Verzückung geraten und in einen anderen Menschen verwandelt werden.“ (1 Sam 10,6)

Umformung – Werk des Geistes

Dieser Geist, der als „Intelligenz“ hinter allen Dingen die Fäden hält, der Urgrund jeder Erkenntnis und Weisheit ist, der den Menschen „besetzt“, so dass er nicht länger sich selbst gehört, wohl aber entbrannt ist in Gottesliebe, dieser Geist vermag alle Sinne zu erleuchten, um den Menschen, ja, um die Schöpfung ihrer Bestimmung zuzuführen, und diese Bestimmung ist nicht weniger als eine Umwandlung, eine Metamorphose, zum Einen hin, den jeder unserer Sinne von Geburt an sucht. Mit Johannes vom Kreuz gesprochen gleicht der umgeformte Mensch einer Skizze, die zum Gemälde wird, oder auch einer Kerze, deren Flamme im Sonnenlicht aufgeht.

Tausende Asketen mögen die Welt und den Körper gering geachtet und seine Leidenschaften abgetötet haben auf der Suche nach spiritueller Reinheit, und die hellenistische Geisteswelt mag diese Leibfeindlichkeit entfacht haben – doch ist ungeachtet dessen jeder der menschlichen Sinne aus christlicher Perspektive hoch zu achten. Nicht nur als Instrumente der Wahrnehmung, mit denen der Mensch dem Göttlichen in den Erscheinungen nachspürt, sondern auch als Orte, an denen das Göttliche gegenwärtig ist und sich fortwährend ereignet.

Weisheit und Körperlichkeit

Die Erkenntnis, die die alttestamentarischen Protagonisten erlangen, sobald der Geist von ihnen Besitz ergreift, durchdringt sämtliche ihrer Sinne. Sie sehen neu, hören neu, riechen und schmecken neu, und alles was sie berühren ist neu. Die Psalmisten beten mit all ihren Sinnen, und das aus gutem Grund. Denn der jüdische Glaube kannte keine Trennung von Leib und Seele, und der Betende hielt fortwährend Gott seinen Körper hin wie eine unvollkommene doch inbrünstige Gabe.

Dem Geist oblag es, die Sinne in seinem Feuer zu entfachen, sie zu reinigen und zu transformieren. Auf diese Weise vom Geist durchdrungen führt Gott den Menschen einem Wissen zu, das kein Verstandeswissen ist, sondern als Weisheit in seinen Augen, seinen Händen, seinem ganzen Hiersein und Sosein wohnt.

Diese gewonnene Weisheit aber ist eine Weisheit zum Du, eine Weisheit der Gemeinschaft. Denn der neu sehende Mensch sieht den Anderen und die Welt im neuen Licht, er hört den Klang der Welt auf neue Weise und er berührt, was er berührt, mit mitfühlenden, mit wissenden, mit segnenden Händen. Die Sinne als Orte der Begegnung sind beredt, ebenso wie der Heilige Geist ein Geist der Beredtheit ist, wie wir im Pfingstwunder sehen – denn die babylonische Sprachverwirrung ist im Pfingstwunder aufgehoben, und die Apostel vermögen in fremden Sprachen zu sprechen, die sie zuvor nicht verstanden – die Menschen also verstehen und erkennen einander.

Nachfolge heißt: Christus werden

Anknüpfend an das gestrige Zitat wird nun vielleicht ein wenig klarer, wovon Pfingsten spricht: dass der Mensch zum lebendigen Christus werde durch die Kraft des Geistes, das ist das eigentliche Pfingstereignis. Und das findet nicht kurz nach Jesu Tod über den Köpfen der jungen Christen statt, und auch nicht jährlich zu Pfingsten in der Kirche (obwohl: dort natürlich auch!), sondern es ist ein fortwährender Prozess, ein fortwährendes Werden, das alles Erschaffene, alle Menschen, und Dich im Besonderen betrifft. Gestern wie heute und morgen.

Das Pfingstfest zu feiern heisst auch, diese verwandelnde Kraft zu bejahen und Hingabe an sie zu lernen und zu üben. Dazu gehört, den Geist in sich selbst wie im Anderen zu erkennen und gewähren zu lassen. Das größte Versprechen und Geschenk ist uns bereits gegeben: „Mein Geist bleibt in Eurer Mitte“ (Hag 2,5).

Das ist Grund genug, Pfingsten, die Sinne und das Leben zu feiern.

Allen Lesern und Leserinnen gesegnete Pfingsten!

Bild: © Darla Sikes

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Geben aus dem Empfangen – eine Betrachtung (nicht nur) für Menschen in Heilberufen

"Source" © Dogan Soysal

Von Kollegen aus den Heilberufen aber auch von mir selbst kenne ich das Phänomen: man hat zuviel Energie herausgegeben und zu wenig Selbstversorgung betrieben – dann stellt sich bisweilen Erschöpfung ein. Und sicher kennst Du das auch, denn wir alle tun das gelegentlich, und manche leben sogar über lange Zeiträume so, bis aus Alarmzeichen Alarmstimmung wird, und Burnout oder andere Krankheitsbilder zu Tage treten. Grundsätzlich kann das jedem Menschen passieren – aber die „helfenden Berufe“ bilden von Natur aus ein besonders anfälliges Milieu dafür.

Zuviel gegeben zu haben, sich ver-aus-gabt zu haben, das ist per se erst einmal gar nichts ausser einem Ungleichgewicht – weder zeichnet es einen als besonders tugendhaft aus, noch als besonders lebensunfähig, denn die verschiedensten Ansprüche, Motive, Verhaltensmuster, Persönlichkeitsanteile oder Denkstrukturen können dafür Auslöser sein. Am besten überspringt man es also gleich, sich dessen zu rühmen oder zu schämen, denn es führt nur von der eigentlichen Frage weg, warum man sich in diese Situation manövriert hat.

Manch einer gibt zuviel aus dem Gefühl heraus, der Welt etwas schuldig zu sein. Manch einer gibt zuviel aus der Sorge heraus, er werde nicht geliebt. Manch einer wiederum gibt zuviel, weil er das Leiden des Anderen nicht ertragen kann, weil er zu wenig achtsam mit sich selbst ist, weil er sich überschätzt oder den Anderen unterschätzt, es gibt sicher abertausend Gründe dafür, und wenn Du das Gefühl hast, oft zuviel zu geben, dann wird Dir niemand abnehmen können hinzusehen, woran das wohl liegen mag.

Alles ist leicht, alles ist Überfluss?

In heilerischen Berufen neuerer Denkart begegne ich oft dem Glaubenssatz, dass Heilarbeit den Heiler keine Energie koste, sondern ganz im Gegenteil, ihm selbst Energie schenke. Dass es nicht „anstrengend“ sei, dem Klienten zu helfen, denn die Energie die dort fließe, bezöge man ja nicht aus sich selbst, sondern aus dem „All-Einen“, aus dem „Göttlichen“, aus dem „Universum“ oder dem „Bewusstsein“.

So sehr ich auch die Annahme teile, dass die Kraft die für diese Arbeit nötig ist, aus dem Göttlichen bezogen wird, so wenig kann ich mich für die Haltung erwärmen, die da meint, sich dem Nächsten mitfühlend, achtsam und in der menschenmöglichen Bandbreite „medialer Wahrnehmung“ zuzuwenden, koste keinerlei Kraft oder Anstrengung. Diese Haltung entspricht zwar der heute vielfach verbreiteten Wünschdirwas-Mentalität, die vor allem auf das verweist, was „bereits da“ ist, und weniger auf das blickt, was konkret „erarbeitet“ werden muss, und sicher verweist sie auch auf unsere Bequemlichkeit, die auch vor spirituellen Angelegenheiten nicht Halt macht, sie ist dadurch aber längst nicht realistisch.

"Divine Source" © Alexandra Florschutz

Heilarbeit ist Arbeit

Nach meiner Erfahrung bedeutet, sich auf einen Menschen offen, achtsam und mitfühlend einzulassen, immer eine Anstrengung, und daran ist nichts falsch oder verwerflich – doch hier und da ist die „Anstrengung“ unverdient in Verruf geraten als Signum des Angestrengtseins, ergo des Nicht-in-der-Fülle-und-Leichtigkeit-Seins.

Mir haben schon heilerisch arbeitende Menschen im Brustton der Überzeugung gesagt, dass der, der eine Anstrengung aufbringen müsse, schlicht und ergreifend etwas falsch mache, denn Liebe sei ja schliesslich immer leicht, und alles sei immer im Überfluss da. Ich kann mich solcherlei Jubelspiritualität nicht anschliessen, und zwar aus vielen Gründen:

Mitgefühl erfordert Gleichgewicht

Menschen, die einen Heiler konsultieren, kommen in der Regel mit einem Leidensdruck oder einer Not, und diese dürfte an jedem Menschen, in dessen Brust ein Herz schlägt, nicht spurlos vorüber gehen. Das heisst, dass ein Heiler, ebenso wie jeder andere Mensch in seinem Wirkungskreis eben auch, abends möglicherweise an die Anliegen seiner Klienten denkt, anstatt ans Einschlafen. Nicht selten wird der Heiler direkt mit Energien des Klienten konfrontiert und nimmt Anteil daran – sehr eindrucksvoll kann man das beispielsweise in Clemens Kubys Film „Unterwegs in die nächste Dimension“ sehen, wenn die koreanische Mudang Hiah Park nach einer Heilsitzung in Tränen aufgelöst ist, weil sie knietief im Leiden des Klienten steht, weil sie mitfühlt und weil sie im Heiltanz ihre Kräfte verausgabt.

Dass man bei viel Heilarbeit – also rasch ein- und ausgehenden Klienten – nicht aus dem Mitgefühl, allerdings auch nicht in ein lähmendes Betroffensein fällt, das erfordert ein Gleichgewicht, kurz gesagt eine innere Haltung, die wachsen und gepflegt sein will.

Mediale Wahrnehmung fordert höchste Aufmerksamkeit

In vielen Heilberufen ist eine Form medialer Wahrnehmung gefragt, etwa wenn man als schamanisch Reisender in die Anderswelt schaut, oder wenn man als klassisches Medium ein Reading gibt, oder auch wenn man als Geistheiler eben auf einer anderen Ebene des Seins zu „sehen“ versucht, was Ursache des Problems ist und welche Lösungswege sich abzeichnen. Die hierbei nötige Gedanken- und Urteilsstille ist nicht mit einem Fingerschnipsen herzustellen.

Nach meinem Empfinden ist mediale Wahrnehmung „nur“ eine Ausdehnung des Gesichtsfeldes, denn so wie wir hören und sehen, wissen und fühlen können, können wir prinzipiell eben auch dort sehen und hören, wissen und fühlen, wo unsere Seh-, Hör- und Tastorgane enden. Und das ist überdies erlernbar, wie es auch erlernbar ist, in einer Sinfonie die verschiedenen Instrumente und deren Melodielinien „herauszuhören“. Da die mediale Wahrnehmung aber in unserem Kulturkreis und Alltagsbewusstsein selten gefragt ist, wird sie von uns in der Regel als anstrengender empfunden, als etwa mit dem physischen Auge „genauer hinzusehen“. Da die Sprache der geistigen Welt in der Regel als sehr subtil wahrgenommen wird, ist es anspruchsvoll, seine Wahrnehmung in jene subtilen Gefilde hineinzuschulen: etwas mit dem physischen Ohr zu hören ist gewissermaßen „laut“, während etwas mit dem inneren Ohr zu hören, sehr leise und filigran sein kann.

"Pigeon Symphony" © Yen

Natürlich kommen in der medialen Wahrnehmung viele Aspekte zum Tragen, die auch für den Alltag Gültigkeit haben, beispielsweise hat man zu einem Klienten eine direkte Verbindung und zum Nächsten vielleicht nicht. Auch die Tagesform ist entscheidend. Ebenso spielt das Anliegen des Klienten eine Rolle, und seine grundsätzliche Offenheit. Das eine Medium ist überdies ein Naturtalent, das andere muss vielleicht ausgiebig an sich arbeiten, um virtuos in seinem Tun zu werden.

Gott wirken lassen: ja. Verantwortung tragen: auch ja.

Die ganzheitliche Wahrnehmung also nimmt uns schon ordentlich ins Gebet, und verlangt uns etwas ab, und dann begleiten wir einen Menschen für ein Stück, und lesen mit ihm Spuren, und das heisst nach meinem Ermessen in seriöser Heilarbeit, dass dann die eigentliche Arbeit beginnt, auch und gerade für den Klienten, dessen innere Weisheit hier auf den Plan gerufen wird. Einen Glaubenssatz zu verneinen oder ein Karmaband durchzuschneiden, ist keine Spontanheilungsmethode, nach deren Anwendung alle glücklich nach Hause gehen. Viel eher kann dies ein Impuls sein, an den sich eine langfristige Veränderung knüpft.

Braucht ein Klient für den sich daran anknüpfenden Weg noch Unterstützung, so ist sensibel und weitsichtig zu ermessen, welche Art der Hilfestellung sinnvoll sein könnte. Hier ist auch die Ehrlichkeit gefordert, einzuschätzen, ob der Hilfesuchende nicht an anderer Stelle besser aufgehoben wäre. Ich behalte im Fokus immer ganzheitliche Wege zur Heilung, und das schließt klassische Wege der Medizin und Psychologie freilich mit ein. Wenn ich den Eindruck habe, dass ein Mensch unter Labilität leidet oder unter Zuständen, die weniger spirituell als tendentiell psychologisch auffällig sind, werde ich dem Hilfesuchenden empfehlen, einen Psychologen aufzusuchen. Natürlich gehört zu so einer Einschätzung nicht nur so etwas wie „der Geist der Unterscheidung“, sondern auch Wissen über diverse Krankheitsbilder und ein Gespür für die eigene Sendung und deren Grenzen (!).

Gerade diese Frage, welchem Klienten zu helfen sei und welchem möglicherweise nicht, stellt eine große Verantwortung in den Raum – und eine Verantwortung zu tragen, ist, egal in welchem Milieu wir uns bewegen, immer eine Anstrengung.

Methoden, die auch den Körper strapazieren

"Midnight Oil" © Pamorama Jones

Auch der Körper muss Anstrengungen unternehmen: wer schamanisch arbeitet, oder in anderer Tradition Trancezustände herstellt um darin Heilwege beschreiten zu können, weiss, wie erschöpfend das körperlich und psychisch sein kann und dass hier eine Regerationsphase dringend nötig ist.

Verschiedene mir bekannte Schamanen mussten auf schmerzliche Weise lernen, wie viele Klienten sie in einem Monat überhaupt behandeln können, ohne selbst auszubluten. Aber auch andere Heilformen sind kräftezehrend. Am Ende ist in der Heilarbeit der gute Wille nicht entscheidend – und sich aufzuopfern dient am Ende meist niemandem.

Man ist gefordert, ein für sich praktikables Arbeiten zu finden, und weise mit den eigenen Gaben und Kräften umzugehen. In der Regel verändern sich beide über die Jahre erheblich.

Heilung geht immer in beide Richtungen

Es ist richtig, dass jemand, der im Heilberuf arbeitet, ständig selbst auch Heilimpulsen ausgesetzt ist. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass er sich nach einer Sitzung als Agierender belebt oder gestärkt fühlt (auch wenn das erfreulicherweise vorkommt). Viel öfter kann es heissen, dass der Heilerisch Arbeitende mit seinen Schattenanteilen konfrontiert wird, mit Aspekten in seinem Leben, die selbst der Heilung bedürfen, mit Erweiterungen seines Gesichtsfeldes die Transformationscharakter haben und dementsprechend schmerzlich sein können, oder auch mit „Wachstumsschmerzen“.

Ich halte es für eine Selbstverständlichkeit, aber erwähne es gerne explizit, dass einen Heilberuf auszuüben, immer auch heisst, an sich selbst zu arbeiten, und sich die Bereitschaft zu bewahren, niemals „fertig“ zu sein. Das betrifft nicht nur den Umgang mit dem eigenen Lebensweg, sondern sicher auch die ganzheitliche Wahrnehmung, die sich fortwährend verfeinert und die in dieser Verfeinerung auch gepflegt werden will.

Heilarbeit stellt schließlich den Anspruch an den Heilenden, durch eine Praxis der Achtsamkeit, welche das auch immer sei – Meditation, Yoga, Gebet oder anderes – sich in einer Haltung der Aufmerksamkeit und des Mitgefühls zu bewegen, um die angenenommene Verantwortung wach und stark zu tragen, und um seine eigenen körperlichen, psychischen und spirituellen Kräfte aufrichtig einzuschätzen. Anzunehmen, dass man Grenzen hat, ist daher fundamentaler Teil des Heilberufes.

Heilung – Erwartungen klären

"The Gift" © Ralph Taylor

Was erwarten wir oder Klienten, wenn wir von Heilung sprechen?

Viele zeitgenössische spirituelle Artikel und Bücher sprechen davon, dass der heile Mensch gesund und kraftvoll sei, mächtig und weitgehend leidensfrei.

Ich teile diese Auffassung nicht, und halte sie sogar für bedenklich, da sie den Rückschluss zulässt, dass jeder Kranke oder Leidende eben nicht heil sei, was im Kontext von „Du erschaffst Dir Deine Realität“ in dem diese Aussage oft daherkommt, freilich bedeutet, dass der Leidende etwas fundamental falsch gemacht haben muss.

Nach meinem Ermessen bedeutet Heilwerden – und ich schätze das Wort „Werden“ weit mehr, weil es auf die ständige Bewegung des Lebens verweist – eben nicht notwendigerweise Abwesenheit von Krankheit oder Glättung der großen und kleinen Lebenswogen. Viel eher bedeutet Heilsein eine zunehmende innere Klarheit und Bejahung, die eine uns oft bis dato unbekannte Dimension von Frieden, Wahrhaftigkeit und Liebe berührt, und die, immer mehr Lebenshaltung werdend, Kraft hat, ein ganzes Leben nachhaltig zu verändern.

Wer wäre wohl „heil“ zu nennen? Ein Gesunder, der Konflikte weiträumig umschifft, oder ein Kranker, der es schafft, seine Krankheit in Liebe anzunehmen?

Ich hantiere nicht mehr mit diesen Kategorien von heil sein oder nicht heil sein. Es steht mir gar nicht zu. Stattdessen erlaube ich mir, das Leben als eine Heilwerdung zu betrachten, im Sinne eines Wachstums, einer Klärung, einer Ganzwerdung, eines Verkörperns der eigenen Gaben und Aufgaben, einer Selbsterkenntnis, wohlwissend, dass all diese Begriffe nur ohnmächtig nach dem Wunderbaren im Menschen tasten, das sich entfalten möchte, in dieser Welt.

Geben kommt aus dem Empfangen-Haben

"The Secret Fountain" © Gina Femrite

Als heilerisch arbeitender Mensch ist man auf den ersten Blick ein Gebender, aber alles Geben schöpft aus dem Empfangen, und das was wir empfangen, empfangen wir von Gott (dass ein Schamane oder ein Buddhist diese Kraft anders nennt, setze ich als selbstverständlich voraus). Ins Empfangen können wir jederzeit gehen. Manch einer tut das in der Stille, im Gebet, manch einer in der Natur, auf langen Spaziergängen. Es ist wichtig, den eigenen Weg zu finden, der dieses Schöpfen aus der Fülle möglich macht.

Ein Jesuswort lautet: „Sucht zuerst das Reich Gottes, alles andere wird Euch dazugegeben.“ Für mich ein Verweis darauf,  wie Geben überhaupt erst stattfinden kann. Aus diesem inneren Reich schöpft der, der überfließt.

Ein wunderschönes Gedicht von Conrad Ferdinand Meyer spricht für mich aus, was wir alle sind: menschliche Brunnen.

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
er voll der Marmorschale Rund
die, sich verschleiernd, überfließt
in einer zweiten Schale Grund.

Die zweite gibt, sie wird zu reich,
der dritten wallend ihre Flut.
und jede nimmt und gibt zugleich
und strömt und ruht.

Lasst uns das Empfangen üben, das Strömen und Ruhen.

(Und als ich auf der Suche nach dem Gedicht von Meyer war und so herumstöberte, fand ich diesen schönen Artikel eines Kapuzinermönches, der aus seiner Perspektive über das Empfangen und Geben spricht – eine Leseempfehlung.)

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Interessanterweise ist ein erheblicher Teil zeitgenössischer und erfolgreicher spiritueller Literatur mit dem beschäftigt, was man Nondualität nennt. Deutlicher wird es noch in Diskussionen in spirituellen Foren oder Netzwerken, wo das Thema Überwindung der Dualität einen großen Raum einnimmt. Bisweilen könnte man meinen, es gebe nichts dringlicheres auf der Welt, als die Dualität schnellstmöglich hinter sich zu lassen um ins Elysium des Nondualen einzukehren, oder gleich auf Erden eine nonduale Weltordnung zu erschaffen – ein Vorhaben, das bei vielen Suchenden dazu führt, alles „Duale“ dem Generalverdacht zu unterwerfen, schlichtweg falsch, trügerisch oder unerlöst zu sein – „illusorisch“, so heisst es auch oft. Im schlimmsten Fall ist diese Abwertung des Lebens mit all seinen Erscheinungen als „illusorisch“ oder provisorisch plötzlich wirkliche Lebensfeindlichkeit. (mehr …)

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Es ist heute unter vielen westlichen Spirituel-len populär zu sagen, die Dualität sei Illusion, der Wille existiere nicht, da sei niemand als Person, und sowieso gelte es allenfalls die Illusion zu überwinden, wenn es denn schon etwas zu tun gäbe auf dieser Welt.

Wenn Willensfreiheit aber eine Illusion einer nicht vorhandenen Person ist,  dann ist es auch eine Illusion erkannt zu haben dass es keine Willensfreiheit und keine Person gibt, denn warum sollte ausgerechnet jene Erkenntnis vom Makel des Illusorischen frei sei? (mehr …)

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© Gabriela Labudda

Es fällt schwer zu sagen „Ich kann nicht“, wenn die Anderen sagen, Du könnest wenn Du nur glaubtest. Es fällt schwer zu sagen „Ich lasse los“, wenn die Anderen sagen, Du könnest alles haben was Du wünschst. Es fällt schwer zu sagen „Ich habe die falschen Entscheidungen getroffen“, wenn die Anderen sagen, alles sei richtig. Es fällt schwer zu sagen „Ich weiss nicht weiter“, wenn die Anderen sagen, das Wissen in Dir wolle nur gefunden werden.

Und Du fühlst, dieser Mensch, der alles vermag, der alles haben kann, der alles richtig macht und der alles weiß, der bist nicht Du. Sein Leuchten deckt sich nicht mit Deinen Finsternissen, seine Stärke berührt Dein Universum nicht, in dem Du Dich ohnmächtig fühlst, jetzt, in diesem Moment, im einzigen Moment der zählt – denn Morgen ist ein Wunsch, nicht mehr. (mehr …)

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Die Kraft des Segnens ist uns aus vielen spirituellen Traditionen bekannt. Immer mehr rückt uns heute ins Bewusstsein, dass sie uns allen innewohnt und dass es ein Gesicht tätiger Nächstenliebe ist, sie weiterzugeben.
Ein Segen, ob gesprochen, gesungen oder geschrieben, ist eine Besinnung auf den göttlichsten aller Herzenswünsche: dass der Mensch heil sei.

Mir wurde von der geistigen Welt ein Klang-Segen geschenkt, der uns daran erinnert, wie gesegnet und beschenkt wir sind, und der uns ferner daran erinnert, wieviel Gutes wir tun können, wenn wir segnend an unseren Nächsten denken.

Das Klanggebet lädt auch Dich dazu ein, es weiterzuverschenken, und einem Menschen auf diese Weise zu sagen, dass Du ihm die Fülle des Lebens wünschst.

 

Download Klanggebet MP3 „SEGEN“

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Segen

Manchmal spricht das Leben eine Sprache
die nur unser Herz versteht
und manchmal fürchten wir die Wege
die das Leben mit uns geht
und manchmal sind wir unter Menschen
doch wir fühlen uns allein
und dieser Segen soll eine Antwort darauf sein

Manchmal sind die Fragen die wir stellen
viel zu klein für diese Kraft
die uns erhält, die uns durchdringt
und die uns liebt und Leben schafft
und diese Liebe fliesst durch Herzen
und sie webt ein zartes Band
und wenn Du segnest, fließt sie auch durch Deine Hand

Du bist mir nah, in meinem Herzen
und ein Segen liegt darin
den ich Dir schenke weil auch ich Beschenkte bin
Du bist mir nah, in meinem Herzen
und ein Segen liegt darin
den ich Dir schenke weil ich Dir verbunden bin

Wir sind auf der Suche, doch der Atem
Gottes liegt längst auf unserer Haut
und wir sind Zweifelnde, doch hat uns Gott
das Leben anvertraut
und seine Liebe braucht den Menschen
sie braucht Dich und sie braucht mich
denn in der Welt trägt Gottes Liebe ein menschliches Gesicht

Denn wir sind stets in seinem Herzen
und alles Leben liegt darin
er schenkt uns Segen weil wir seine Kinder sind
Du bist mir nah, in meinem Herzen
und ein Segen liegt darin
den ich Dir schenke weil ich Dir verbunden bin

Verschenk den Segen an die Welt
weil jede Tat in Liebe zählt

© MP3 KLANGGEBET 2010, Bilder: © Dana Lynne Andersen
P.S.: Alle, die den Newsletter erhalten haben und sich wunderten, warum dort der 06.10.2010 steht: Ich bin meiner Zeit eben manchmal voraus! 🙂 Ungeachtet dessen freue ich mich darüber, dass heute der 08.08.2010 ist, und für den Rest des Tages wird das auch so bleiben. Ein herzliches Pardon.

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