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Posts Tagged ‘Erfahrung’

Der mystische Weg kann eine ganz große Ungeheuerlichkeit sein. Vielleicht denken wir zuerst in froher Erwartung, eine mystische Erfahrung verändere einfach alles, so als seien wir im einen Moment noch ein durchschnittlicher Mensch, und im nächsten Moment eine Art erleuchteter Superheld. So ist es freilich nicht. Uns wird ein großes Geschenk gemacht. Die mystische Erfahrung wird uns geschenkt. Dann aber sind wir gerufen, uns zu schenken.

Und das ist der Moment, und bisweilen sind es auch viele Momente, in denen wir begreifen, wie viel in uns noch nicht Hingabe ist. Wie viel in uns noch nicht Liebe ist. Wie viel in uns noch nicht Mitgefühl ist und Wahrheit, und Mut und Güte. Das ist auch der Grund für die zahlreichen Bilder und Berichte von alten Mystikern, die sich selbst erniedrigen, beschimpfen, einschränken oder sogar geißeln. Das befremdet uns heute, und sicher gibt es andere und zeitgemäßere Methoden, seiner Selbsterkenntnis Raum zu geben, aber der zeitlose Kern dieser Dinge ist der: im Moment, in dem wir die Liebe erkennen, die uns ruft, und die noch an unserem Seelengrund wohnt, erkennen wir schmerzlich, wie viel uns noch von der Verwirklichung dieser Liebe trennt.

Und es ist gut, sich dieser Erschütterung zu überlassen, weil wir nämlich sonst dazu neigen, nur das Erhebende der mystischen Erfahrung zu ersehnen. Diese Erschütterung weckt in uns die Bereitschaft, an uns zu arbeiten. Den Tempel zu reinigen, in dem das Licht leuchten will.

Die alten Mystiker wussten auch um die andere große Versuchung, die darin liegt, in diesem Gefühl der Unwürdigkeit zu verbleiben. Denn auch dies hat seine Bequemlichkeit: der Mensch, der nichtswürdig ist, hat eben für jedes Versagen eine Entschuldigung. Es ist darum wichtig, dass wir uns auf dem mystischen Weg von romantisierenden Verklärungen fernhalten, von der Sucht nach erhebendem Gefühl ebenso wie von der demoralisierenden Macht der übermäßigen Selbstkritik. Und dass wir mit dem psychologischen Wissen im Gepäck, das wir heute haben, eine freundliche Gelassenheit im Umgang damit entwickeln.

Gelassenheit, während wir unsere Arbeit tun. Gelassenheit, während Gott seine Arbeit tut.

(Mehr zu diesem Weg und meinem Angebot: www.klanggebet.de)

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Was hält Dich auf, anstatt Dich sanft zu halten?
Was erneuert nicht, und zieht Dich stets zum Alten?
Was brennt Dich aus, anstatt Dich zu entzünden?
Was trennt Dich ab, anstatt Dich zu verbinden?
Was trägt Dich ab, anstatt Dich treu zu tragen?
Was nimmst Du hin, doch ohne Ja zu sagen?

Oh Deine Flügel wollen Himmelsbläue schmecken
Und Deine Seele will die Ewigkeit entdecken
Sei Du bereit zu lassen was Dich kleiner macht
Und was Dich lange schon um Seelenruh’ gebracht
An Deinem Seelengrund liegt leise und verborgen
Ein neues Tun, ein neues Sein, ein neuer Morgen

seelengrund_blog

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Manchmal möchte ich so viel sagen
zu Dir, Mensch, der Du fort bist
versöhnendes Grün sein über zerklüftetem Land
doch dann bin ich stumm
weil ich nicht weiss, wie Liebe spricht

Manchmal möchte ich so viel sagen
zu Dir, Mensch, der Du leidest
tröstendes Blau sein an einem Himmel aus Sand
doch dann bin ich stumm
weil ich nicht weiss, wie Liebe spricht

Manchmal möchte ich so viel sagen
zu Dir, Mensch, der Du Unrecht tust
die Blume am Schwert sein, in Deiner Hand
doch dann bin ich stumm
weil ich nicht weiss, wie Liebe spricht

Wie spricht die Liebe, Gott,
wie spricht das Herz, das niemals endet
wie spricht der Schnee vom Rot, das ihn durchtränkt?
Ach, sprich das Wort mir zu, lass selbst das Wort mich sein
An dessen Klang allein das Wohl der Schöpfung hängt

wiedieliebespricht

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Wenn Du etwas Neues beginnst, vertraue auf deine Faehigkeiten. Auf die, die Du kennst, aber mehr noch auf die, die Du noch nicht kennst – und wisse, es sind viele. Wenn Du etwas Neues beginnst, vertraue darauf, dass dem Leben selbst Weisheit innewohnt, die Dich genau an diesen Punkt, an diesen Ort, in diese Situation geführt hat. Wenn Du etwas Neues beginnst, genieße den Zauber des Neuen und lass Dich vom Schrecken des Neuen nicht verängstigen. Denn alles was passieren kann, ist, dass Du Erfahrungen machst, an denen Du wachsen und reifen kannst, und Leben war und ist immer Lernen und Erfahren und Entgrenztwerden. Wenn Du etwas Neues beginnst, reise, auch wenn Du das Ziel Deiner Reise noch nicht kennst. Der Reisende grüßt das Unbekannte, und das Unbekannte grüßt ihn und füllt ihn an mit Leben. Bedauere nicht, dass Du eine Gewohnheit hinter Dir lässt, einen Tagesablauf, ein vertrautes Immergleiches, eine Comfort Zone. Denn diese Dinge wiegen Dich in Sicherheit und verschaffen Dir eine Ruhe, für die Du oft einen viel zu hohen Preis zahlst. Den, Deine Größe nie zu erfahren. Den, nie die Freude zu erleben, an einer Herausforderung zu wachsen. Den, nie von der Freiheit zu kosten, die im Verlassen der Grenzen liegt. Wenn Du etwas Neues beginnst, akzeptiere, dass Dir vielleicht das Herz bis zum Hals schlägt. Dass Du Dir vorkommst wie ein Kind, wie ein Unwissender, wie jemand der nicht weiss was er tut. Liebe den Mut, den Schritt dennoch zu gehen. Liebe die Reise, die Dich in neues blühendes Leben führt. Liebe den Moment, in dem Du erkennst, dass all das Neue, all das Beängstigende, all das Unwägbare Segen war und ist. Dir geschenkt, auf dass sich Deine Seele entfalte und ihre Flügel ausbreite, an einem Himmel voller Seelen, die mit Dir auf Reisen sind.

wagedasneue

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Wir können auf Veränderung warten, aber das bedeutet, auf den Anderen zu warten, der den ersten Schritt gehen soll, oder auf eine Zeit zu warten, in der sich glückliche Umstände fügen. Das Warten, das oft im Leben einen so tiefen Wert und Sinn hat, kann uns zu einer Gefangenschaft werden – zu einer niemals endenden Vertagung unserer Tat, unserer Kraft, unserer Erfüllung.
Veränderung zu gestalten ist etwas anderes: es bedeutet, selbst den ersten Schritt zu gehen. Es bedeutet, eine Erkenntnis, eine Erfahrung, vielleicht auch nur eine Hoffnung in die Tat umzusetzen, unabhängig davon, wie viel Erkenntnis oder Tatkraft im Anderen ist, ja, selbst noch unabhängig davon, ob der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein scheint.

Im Moment, in dem wir den ersten Schritt gehen, mögen wir allein sein, furchtsam, heimatlos oder sogar verrückt. Aber unsere innere wie äußere Welt bedarf einer Ver-Rückung vorhandener Perspektiven, sie bedarf beherzter Taten, die ihre eigene Sprache sprechen. Eine Sprache, die beredt genug ist, um die Sprache der Herrschaft, der Besitzgier und Gleichgültigkeit zu entlarven und zu beenden.

Wir gestalten Veränderung, wir selbst werden Veränderung, indem wir unsere Verantwortung und unser Verbundensein mit den Geschicken der Anderen und der Schöpfung erkennen, anerkennen und bejahen. Indem wir den Dingen, Taten und Orten folgen, die uns in eine Erfahrbarkeit und Verkostung dieser Zusammenhänge führen, die uns erlauben, den schmalen Grat der eigenen Glückssehnsucht zu verlassen und einen weiteren Blick einzuüben.

Viele Lebenshilfestrategien haben uns in eine befremdliche Innerlichkeit geführt, in einen Egoismus, der sich spirituell nennt, in eine Selbstbezogenheit, die jede freie Hinwendung zum Du verunmöglicht zu haben scheint. Zu unerbittlichen Beobachtern unserer selbst sind wir geworden, immer den eigenen Fortschritt, den eigenen Reichtum, die eigene Unversehrtheit im Blick. Wie gläserne Gefäße gehen wir durch diese Welt, leise fürchtend, wir könnten an den Tragödien dieser Welt zerbrechen und unseren inneren Frieden verschütten und nie wieder zurück erlangen.

Innerlich zu sein, sich selbst mutig und liebevoll anzusehen, bedeutet aber unweigerlich, auf das Du verwiesen zu werden, auf das Andere, das in seiner Schönheit uns an unsere Schönheit erinnert, in seiner Not an unsere Bedürftigkeit und in seiner Unvollkommenheit an unser Tun, das mit dem Sosein dieser Welt, das mit dem Leiden jeglichen Geschöpfes nicht im Frieden sein kann.

Die Not der Welt ruft nach unserem Willen zur Veränderung. Die Schönheit dieser Welt ruft nach unserem Willen zur Veränderung. Etwas in uns will werden, was wir seit jeher schon sind: Geschöpfe, in denen die Liebe Gestalt annehmen will. Veränderung zu gestalten ist schöpferisch, ist Ausdruck unserer Natur, Ausdruck des Geistes der sich verschenkt und der sich gleichermaßen in unserer Tat ereignen will – als Leben, das wächst und sich entfaltet. Als Liebe, die sich den Raum erringt, der ihr längst gehört.

change

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Hast Du das schon mal bewusst wahrgenommen, wie kurz ein langer Weg scheint, wenn Du am anderen Ende sehnsüchtig erwartet wirst? Wie klein die Welt, wenn in weiter Ferne jemand liebevoll an Dich denkt? Es ist erstaunlich, wie sich alles binnen Sekunden anders anfühlen kann, wenn wir nur die warme Umarmung eines freundlichen Wortes, einer Zu-Neigung, einer Wertschätzung erfahren.

Das schwerste scheint uns leicht, wenn jemand an uns glaubt, die härteste Arbeit geht uns leicht von der Hand, wenn wir um jemanden wissen, der sie zu schätzen weiss. Wir gehen fröhlich in die Höhle des Löwen, wenn wir annehmen können, dass jemand unsere Rückkehr feiert, und wir stellen uns noch den finstersten eigenen Dämonen, wenn jemand uns versichert, dass wir liebenswert sind. Wir stürzen uns in abenteuerliche Tiefen, wenn wir die süße Gewissheit haben, dass uns jemand hält, und wir trauen uns, das Gewagteste zu sagen, wenn ein freundliches Gesicht uns zuhört.

Wie schnell wir Menschen ins Chaos, in Depression und Lebensmüdigkeit fallen, wenn uns diese Dinge fehlen. Wie schnell wir nicht mehr an unserer Hände Arbeit glauben, wenn jemand uns in ein Arbeitsamt setzt. Wie schnell wir den Glauben an uns verlieren, wenn jemand uns die Freundschaft kündigt. Wie schnell wir annehmen, wertlos zu sein, wenn jemand uns seine Liebe entzieht. Und wie schnell wir das Sprechen verlernen, wenn wir nur lang genug die Erfahrung gemacht haben, dass niemand hören will, was wir denken. Hören will, wer wir sind. Uns entweicht das Leben schneller als wir glauben, und hart trifft uns jede Ablehnung, jede Kündigung, jede Scheidung, jede Versagung – jede Kälte.

In vielen spirituellen Traditionen ist es üblich, es für tugendhaft zu halten, wenn man auf die Anerkennung der Welt verzichten kann. Wenn man ein Narr in Christus ist, von der Welt verspottet oder gar gehasst, wenn man ein Buddha ist, gesättigt von der Innenschau, nicht vom fragenden Blick auf den Nächsten.

Ja, ich glaube Anerkennung relativiert sich. Ein Mensch kann lernen, sich seines Seins bewusst zu sein, und dort wo alle Worte ruhen einen Ort zu finden, an dem er nicht bedürftig ist. An dem er ohne Groll auf die Bestätigung durch den Anderen verzichten kann.

Ich glaube aber auch, menschliche Wärme relativiert sich nie. Dort wo sie fehlt, fehlt sie dem Menschen, und fehlt sie der Welt. Dort wo sie fehlt, sind Menschen immer weniger als sie sein könnten, immer verlorener als sie sein müssten, und immer einsamer als sie eigentlich sind. Dort wo sie fehlt, sind wir voller Fragen ohne Gewissheiten, und wir werden müde am Zurückgeworfensein auf uns selbst.

Mir liegt viel an dieser Wärme. Nicht als Gefühlsduselei, oder als Harmonieversessenheit, nicht als Schonraum für empfindliche Gemüter. Aber als Atmosphäre, in der Menschen sich trauen, sie selbst zu sein und gleichsam über sich hinauszuwachsen. Als Hinwendung zum Anderen, die Vertrauen stärkt und Halt gibt. Als Rückversicherung an den Anderen, dass wir alle Teil eines Verbunds sind und diese Verbundenheit gepflegt werden will. Mir liegt an dieser Wärme als Raum, in dem wir erfahren und Anderen die Erfahrung schenken, wie leicht die Dinge sein können, die eben noch unerreichbar schienen.

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Es gibt so etwas wie eine spirituelle Mündigkeit. Wenn sie uns mehr und mehr ergreift, fallen viele Dinge von uns ab, die uns zuvor unabdingbar schienen, oder die –ohne uns bewusst zu sein- in unser Verhalten gewoben waren wir ein unauflösbares Muster. Beispielsweise erkennen wir, wie oft und unnachgiebig unser spirituelles Streben nach Wohlgefühl und Genuss suchte, und unsere Bedürftigkeit, bisweilen sogar unsere Gier uns trieb, Dinge, Wissen und Zustände besitzen und verkosten zu wollen, sie nach außen und vor uns her zu tragen und uns in dem Maße stark und überlegen zu fühlen, in dem wir all des Genussvollen und Erhebenden habhaftig wurden.

Unseren Gott, das Göttliche, das Heilige oder Erleuchtende steckten wir mit dieser Haltung in lächerliche Kleider. Dort wähnten wir uns dem Erwachen nah, wo alles leicht und genussvoll, gelassen, froh und stark wurde, dort wo wir uns er-mächtigt fühlten, erfüllt, rechtschaffen und klar.

Wieviel Mitgefühl wir für dieses kindliche Verhalten aufbringen müssen, wenn uns erst dämmert, dass wir das Heilige so klein machten, während wir uns selbst für so groß hielten. Wieviel Barmherzigkeit wir lernen müssen, um uns selbst diese Halbherzigkeit zu verzeihen!

Denn wie fern sind wir der Liebe, wenn wir nur suchen was uns sättigt, was uns tröstet und über die misslichen Dinge des Lebens erhebt. Wie fern sind wir der Liebe, wenn wir auf unseren Meditationskissen nichts weiter suchen als einen Kitzel, ein glücksbetrunkenes Seufzen, und den Triumph eines vermeintlich ausgewogenen Lebens. Für so unwiderstehlich halten wir uns in unserem „neuen Bewusstsein“, dass Gott uns besuchen muss, verfügbar sein muss, inmitten unserer überdrüssigen Seelen, immer zu Diensten mit dem ihm entströmendem Glück.

Eine ganz andere Geschichte erzählen uns die alten Schamanen, deren Kämpfe einer Ordnung dienten, in der jeder Mensch nur ein Sandkorn ist das seinen Platz zum Wohle aller finden muss. Eine ganz andere Geschichte erzählt uns auch Krishna, der auf seiner Flöte – dem leer und arm gewordenen menschlichen Herzen – das betörende Lied der Liebe spielt. Eine ganze andere Geschichte erzählt uns auch Jesus, der von Blut und Schweiss getränkt, mit leeren Händen am Kreuz stirbt, ohne Triumph, ohne Trost, ohnmächtig aus freiem Willen, und mit vergebendem Herzen.

Ja, es wartet Frieden auf dem spirituellen Weg. Aber er ist doch nicht das, wofür wir ihn anfangs halten. Er ist nicht die Ansammlung genussvoller erhebender Erfahrungen, nicht die Ausbreitung einer Macht, nicht der Zustand einer Unverwundbarkeit inmitten dieser Welt. Er ist nicht die Auslöschung von Krankheit, Schmerz oder Zweifel. Er ist keine Fanfare des Glücks, die alles was wir je erlebten übertönt.

Mündig werden bedeutet, seinen Platz auf diesem Weg und in der größeren Ordnung einzunehmen. Dort, jenseits des Habenwollens, des Ansammelns von Triumphen, jenseits der Vermeidung und der Selbstüberschätzung. Es bedeutet leer zu werden für das was sich schenken will wenn wir uns dem überantworten, das größer ist als wir. Es bedeutet, bereit zu sein, auch hinabzusteigen in die Unwissenheit, die Ohnmacht, den Verlust. Dort wo unsere Erwartungen und Wünsche demaskiert werden, und wo unser Wissen zu Torheit wird, erhebt sich etwas in uns wie eine Erinnerung, wie ein Morgen über zerklüftetem Land.

Dann beginnt die Liebe selbst, uns umzuformen.

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