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Posts Tagged ‘Erwachen’

Sehen wir uns im Juli im Brandenburgischen Kloster Stift Heiligengrabe?
Oder im September in der Hamburger Kirche der Stille?

Dort greifen wir in meinen Seminaren gemeinsam beherzt den Erleuchtungsgedanken des Christentums wieder auf, der für Viele in Vergessenheit geraten ist. Und wir entdecken, wie kraftvoll und entwicklungsfördernd die Praxis des Segnens ist, wenn wir sie bewusst in unseren Alltag einbinden.

Wir atmen, singen, beten und schweigen sie in unsere Lebensmitte zurück: die Sehnsucht nach Gott. Und den Raum, in dem unsere Verbundenheit mit allem Lebendigen wachsen und sich vertiefen kann.

Meine aktuellen Seminartermine findest Du hier (bitte beachte die regelmässigen Updates).

Du kannst mich auch in Deine Region einladen, wenn Du ein Seminar in Deiner Gegend wünschst. Ich reise innerhalb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

Ich freue mich auf Dich!

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Wir leben in einer Zeit und in einem Teil der Welt, in dem wir annehmen dass alles gut würde und jedes Glück uns offen stünde, wenn wir uns nur um uns selbst kümmerten.

Ja, das stimmte wohl, nähmen wir radikal ernst, was „um sich selbst kümmern“ heisst.

Kümmer Dich um Dich selbst, das heisst, kümmere Dich um Deinen Leib, der in einen sinnvollen, empfindlichen Naturzusammenhang eingebettet ist, der Bewegung braucht und Luft, der Sonne und Regen braucht und Stille, der seine Kräfte entfalten und erschöpfen will, und der mit allen Sinnen dem Klang, dem Anblick, dem Duft, dem Geschmack, dem Gefühl von Schöpfung, von lebendiger, strömender Energie nachgehen und auf den Grund gehen will, der darin aufgehen will wie stürzende Fälle im Flussbett.

Kümmer Dich um Dich selbst, das heisst, kümmere Dich um Dein Gefühl, um Deine Wunde die pocht, und um Deine Freude, die strömen will, um Deinen Zorn, der die unerträglichen Dinge zermalmen will, um Deine Angst, die die Angst des Sterblichen ist, und um Deine Sehnsucht, die Dich immer und immer wieder über die Grenze Deines Wohlempfindens hinauszulocken versucht, noch gegen jeden Deiner unerbittlichen Widerstände.

Kümmer Dich um Dich selbst, das heisst, kümmere Dich um Deine Gedanken, die an den Dir auferlegten Grenzen ausbluten, weil sie nicht genug wagen, nicht hoch genug springen, und sich nicht tief genug verzweigen, Deine Gedanken denen Du nicht erlaubst, das Unbegreifliche zu suchen und das Undenkbare zu träumen, und denen Du nicht gestattest, den Schleier von den Dingen zu reißen, unter denen eine Liebe wohnt, die nach nichts mehr verlangt, als danach enthüllt zu werden.

Kümmer Dich um Dich selbst, das heisst, kümmere Dich um Dein Wesen, das Anteil am Wesen Gottes hat, das nicht bezähmt sein will durch Dein kindliches Bedürfnis nach Sicherheit, Kontrolle, nach Unversehrtheit, Gewissheit und Anerkennung, das sich längst nicht erschöpft in diesem winzigen Territorium das Du für Deine Person hältst, und in dem winzigen Zeitraum, den Du Deine Lebensspanne nennst.

Kümmere Dich um Dein Wesen, das ozeanische Weite ist und das Anteil hat an der Blüte jedes Baumes, am Seufzen jedes Menschen, an der schöpferischen Lust und an jedem blutroten Schimmer einer anderen, einer kommenden, einer wirtlicheren Welt, in der wir uns selbst und einander die Weite darbieten, in der wir endlich, endlich Atem holen und als Menschen gesunden können.

Gib Dich der Verwandlung preis, die am Grunde aller Dinge auf Dich wartet, die in der Stille nach Dir greift, und die Dich hineinruft in die Gärten der Begegnung, immerzu, auch – lausche doch! – wenn Du mit Dir allein bist. Gib Dich nicht zufrieden mit jenem Kümmern, das ein Verkümmern ist, und mit jenem Selbst, das so klein und verloren ist wie ein Tropfen der auszog, um das Meer zu vergessen.

Ein jeder, der sich um sich selbst kümmerte, so nackt, roh und bodenlos mutig wie es jedes Wort dieses Satzes verlangt, würde neu geboren.

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Was, wenn uns Gott nicht nur als Heilung begegnet, sondern als Krankheit? Nicht nur als Frieden, sondern als Zerwürfnis? Am 30.10 hatte ich die Freude, in der Stadtkirche St. Petri Dortmund eine Gastpredigt zum Thema Angst zu halten. Biblischer Gegenstand dieser mystischen Auslegung war die Geschichte der Sturmstillung (Mk 4,35-41). Die komplette Predigt „Leben inmitten des Sturms: Radikale Verletzbarkeit als Quelle der Gotteserfahrung“ ist nun auf Youtube nachzuhören. Viel Freude damit.

Stillung des Sturms

Am Abend jenes Tages sagte Jesus zu seinen Jüngerinnen und Jüngern: »Lasst
uns ans andere Ufer fahren!« Sie schickten die Menge nach Hause, stiegen
in das Boot, in dem Jesus bereits war, und fuhren mit ihm ab. Einige andere
Boote begleiteten sie. Plötzlich brach ein heftiger Sturm los; die Wellen
schlugen ins Boot, und es begann sich mit Wasser zu füllen. Jesus aber
schlief im hinteren Teil des Bootes auf einem Kissen. Sie weckten ihn und
schrien: »Meister, macht es dir nichts aus, dass wir umkommen?« Jesus
stand auf, wies den Wind in seine Schranken und befahl dem See: »Schweig!
Sei still!« Da legte sich der Wind, und es trat eine große Stille ein.
»Warum habt ihr solche Angst?«, fragte Jesus sie. »Habt ihr noch kein
Vertrauen?« Da gerieten sie in große Furcht, und sie sagten zueinander:
»Wer ist nur dieser Mann, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen?

(Markusevangelium 4,35-41, NGÜ)

 

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Machen wir doch nicht den Fehler zu glauben, dass es ein „davor“ gebe, in dem das Leben weniger heilig, weniger kostbar, weniger Leben selbst sei. Wir haben so viele Arten, unser Leben in Fragmente zu schneiden und einige dieser Fragmente für unbedeutend, unnütz oder vergebens zu halten, und grösser könnte unser Irrtum kaum sein – und wie oft begreifen wir dies, doch erst angesichts des Sterbens. Es gibt sie nicht, diese unwichtige oder unwirkliche Zeit „vor“ dem Erwachen, vor der Berufung, vor der mystischen Erfahrung, vor der Heilung, vor der Begegnung mit dem Seelengefährten. Es gibt nur Leben, das wächst und atmet und stockt und bricht und wogt und abebbt und wieder aufs neue strömt.

Das Leben, jeder Seufzer, jede Träne, jeder Triumph und jedes Scheitern, ja jede Zelle und jedes Atom sind durch und durch heilig, und selbst wenn die tiefste Gotteserkenntnis Dich heute erschütterte und aus Dir einen neuen Menschen machte, und Dein ganzes Gewordensein in ein anderes Licht rückte, so wäre Dein Lebensweg immer noch Ausdruck einer Liebe, die viele Gestalten annimmt und die um jedes Haar auf Deinem Kopf weiss und um jede Träne, die Du vor der Welt zu verstecken trachtest, und deren Weisheit auch jene Momente ersonnen hat, in denen Du noch nichts anderes sehen kannst als heilloses Chaos.

Es gibt eine Liebe zum Leben, die alles andere ist als süss und leicht – sie tut nicht weniger als alle Sekunden gewordenen Lebens, die unrühmlichsten und schmerzvollsten noch, in sich zu bergen mit einem bodenlosen Vertrauen, das nur aus dem Feuer der Kapitulation und des Nichtwissens hervorgehen konnte. Wenn es etwas gibt, das wir angesichts des Endenden begreifen dürfen, auch angesichts des endenden Jahres, mit Blick auf alles was es uns schenkte und auf alles, dessen es uns beraubte, so ist es wohl dies: Leben ist kostbar, ist heilig, und in ihm ist eine so zwingende und bezwingende Kraft und Schönheit, der wir, halten wir auch nur einmal aufrichtig inne, nur erliegen können. Aus diesem Erliegen ergibt sich das, was wir kindlicherweise immer „Vorsätze“ nennen, von ganz alleine: ein Wunsch kristallisiert sich heraus, nichts mehr gering zu achten, was das Leben hervorbringt.

Diesem Leben, an dem wir so oft herumdoktern als sei es eine Krankheit, wohnt alles inne, zusammen mit einer Weisheit, die das Wie und Wann zu orchestrieren weiss, und wir haben diesen Sprung zu wagen, dieser Orchestrierung zu vertrauen, und unsere Kontrollsucht niederzulegen wie ein müder Krieger seine Waffen.

In einem der schönsten Texte der Bibel ist dieses tiefe Wissen festgehalten, und es mag den ein oder anderen verwundern, dass dieser Text aus dem Alten Testament stammt, das wir so oft für unlesbar oder unzeitgemäß halten.

„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben, eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten und eine Zeit zum Heilen, eine Zeit zum Niederreißen und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen und eine Zeit zum Lachen, eine Zeit für die Klage und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steinewerfen und eine Zeit zum Steinesammeln, eine Zeit zum Umarmen und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, eine Zeit zum Suchen und eine Zeit zum Verlieren, eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen, eine Zeit zum Zerreißen und eine Zeit zum Zusammennähen, eine Zeit zum Schweigen und eine Zeit zum Reden, eine Zeit zum Lieben und eine Zeit zum Hassen, eine Zeit für den Krieg und eine Zeit für den Frieden. Wenn jemand etwas tut – welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt? Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt, doch ohne dass der Mensch das Tun, das Gott getan hat, von seinem Anfang bis zu seinem Ende wieder finden könnte. Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt, wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennen lernt, das ein Geschenk Gottes ist. Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden. Damit bewirkt Gott, dass die Menschen Ehrfurcht vor ihm haben. Was auch immer geschehen ist, war schon vorher da, und was geschehen soll, ist schon geschehen und Gott wird das Verjagte wieder suchen.“ (Kohelet 3,1-15)

Ich wünsche Euch einen friedlichen Jahresausklang und einen beherzten Schritt ins neue Jahr. Möge es Leben in Fülle für uns alle sein.

Bild: © Eyvind Earle

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Die Welt liegt da wie eine längst verklung’ne Frage,
und wie vergang’ne Stille hängt daran der Mond.
Bin ich noch Mensch, wenn ich am Anderen verzage?
An Asche, die in feuerlosen Herzen wohnt?

Bin ich noch Betende, wenn sie mich jäh verließen,
die guten Worte, die an Dankbarkeit gereift?
An ihrer statt, da wandern nun, mit nackten Füßen,
nur Bettelworte, deren Hand nach Lind’rung greift.

Wann sind die Stämme von den Wurzeln abgefallen?
Wann schloss die Erde ihren nachtgeschwärzten Schoß?
Wann wird der letzte Ruf nach Frieden ganz verhallen?
Wann stellt der Mensch des letzten Menschen Würde bloß?

Ich bin versprengt, wie tausend Tränen, tausend Splitter,
es wärmt bei Nacht die Ärmsten nur vergossnes Blut.
Die Welt war Leben, doch ihr Meister ist der Schnitter,
der nun wie rasend seine dunkle Arbeit tut.

Es gibt ein Sterben, das sie schliesst, die dunkle Wunde,
an deren Schmerz die ganze Welt sich tief entzweit.
Und jede Angst muss enden am Gebot der Stunde,
dass nun das Herz des neuen Menschen sich befreit.

Sieh doch das Blut, es strömt in tausenden Gefäßen,
als habe Gott sich jedem Zweiglein hingeschenkt.
Dass wir dies wüssten, atmeten und nie vergäßen!
Weil alles Leben, Bruder, letztlich daran hängt.

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Unabhängig davon, ob wir Christen, Buddhisten, freie Spirituelle, Integrale oder sonstige Praktizierende auf dem spirituellen Weg sind: wenn wir im Bus, im Büro, in der Kirche oder im Postamt sitzen und beim Blick auf die Anderen immer wieder denken, wie unerwacht, unbewusst, unerleuchtet, unerlöst, unterentwickelt oder unheilig sie sind, dann haben wir ein Problem und dieses Problem sind nicht die Anderen, sondern wir.

Der Andere, das ist ein Ort an dem Gott sich ereignet, auf seine Weise. Der Andere, das ist der Fremde, den wir nicht kennen. Der Andere, das ist der Bruder, um den wir nicht wissen.
Wieviel wir auch meinen über den Anderen zu wissen, er ist immer anders als wir denken und immer mehr als wir ahnen.

Als ich noch Kind war, sagte ein Pater einmal zu mir: „Jeder Mensch hat ein Kreuz zu tragen, und wir sehen dieses Kreuz nicht, also müssen wir gütig sein.“ Das leuchtete mir ein.
Es muss uns klar sein, dass der Andere Kämpfe auszutragen hat, von denen wir nichts wissen. Aber das ist nur die eine Seite der Medaille, sich zu Herzen zu nehmen dass der Andere ein Leidender ist, dessen Leid wir nicht mehren sollten.

Die andere Seite der Medaille ist, dass der Andere auch eine Schönheit in sich trägt, die wir nicht sehen, so lange wir sie nicht mit liebevollem Blick erwarten. Es gibt eine Schönheit im Menschen, die nur zum Vorschein kommt, wenn sie sich im wohlwollenden Blick des Nächsten entfalten kann. Ein scheuer Vogel ist diese Schönheit, und wer sind wir, ihn mit unseren dunklen Blicken der Unterschätzung zu vertreiben?

Den Anderen zu erkennen bedeutet zunächst immer, vorbehaltlos zu akzeptieren, dass wir ihn nicht kennen. Dass da ein Raum ist, den wir noch nicht betreten haben. Ein Raum, in den wir möglicherweise eingeladen werden, wenn erst unser Blick an Achtung gereift ist, die der Andere sich nicht verdienen muss.

Bild: Sergej Smirnov

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Es gibt ein spirituelles Streben nach Transzendierung, nach Reinheit, nach Vollkommenheit, das im Kern, und hinter all dem schönen Sprechen über menschliche Größe, nichts anderes ist als Geringschätzung alles Irdischen, als Geringschätzung des Menschen, der Welt und des endlichen Lebens.

Wir glauben, die Leib- und Erdenfeindlichkeit alter christlicher Traditionen überwunden zu haben, die uns immer suggerieren wollten, dass die Erde nur ein Übungsplatz für das eigentliche Leben im Jenseits sei, und dass in jeder materiellen Manifestation das Übel, die Versuchung und die Niedrigkeit walte.

Aber genau genommen haben wir eine Verachtung nur gegen die andere eingetauscht. Wir nennen uns „freie Spirituelle“, „Transkonfessionelle“, „New Ager“ oder „Integrale“, und kultivieren ungebremst unsere nahezu zwanghafte Selbstoptimierungsneurose, die nur immer einen Zweck verfolgt: etwas zu überwinden. Und genau genommen: etwas zu vermeiden.

Wir delirieren vom leidensfreien Sein, das den Erwachten blühe, ja, wir stilisieren die Leidensfreiheit sogar hoch zur Notwendigkeit, an der die Welt gesunden könne. Dabei wollen wir nichts anderes als einen Freibrief, der uns erlaubt, unseren Zynismus und unser Desinteresse am Anderen zu legitimieren. „Ich diene dem Anderen, indem ich nicht leide“ ist ein viel gehörtes Statement dieser Tage. Aber was ist es, hinter dem Vorwand, dem Anderen möglichst effizient dienen zu wollen? Bisweilen ist es nichts anderes als unsere Distanziertheit, unsere Weigerung, uns vom bodenlosen Schmerz des Anderen, der am Grunde der Dinge auch der unsere ist, überwältigen zu lassen.

Wir fürchten ja überhaupt die Bodenlosigkeit. Deswegen organisieren wir so emsig unsere spirituellen Stundenpläne, Montags Meditation, Dienstags Yoga, Mittwochs Heilströmen, Donnerstags Satsang, Freitags Schattenarbeit, und so weiter und so fort, nur damit der Dämon der Bodenlosigkeit bezähmt sei, der der bodenlosen Wut, der der bodenlosen Sehnsucht, der der bodenlosen Angst, ja noch der der bodenlosen Hingabe. Unser Mund sagt, dass unser Körper ein Tempel und unser Herz ein Heiligtum sei, aber auf unseren Altären liegen Häkeldeckchen und Untersetzer – die Insignien unserer Angst – auf dass uns nicht die Abgründigkeit Gottes bekleckere.

Die mystische Erfahrung von Allesistgut, die von solcher ozeanischer Weite ist, dass darin jedes Leiden und jede Wirrnis dieser Welt gleichermaßen aufgehoben im Sinne von geborgen, und aufgehoben im Sinne von beendet ist, kann man nicht in den Staub des Alltags zerren und dem persönlichen Frieden dienstbar machen. Nondualität lässt sich nicht slogan-artig auf die Dualität schütten wie Zuckerguss. Und jeder, der das versucht, verbreitet hohle Irrtümer und unerträgliche Plattitüden, an der jede Menschlichkeit und jede Entwicklung zugrunde gehen muss.

Zahllose Autoren, die sich im Abklatsch fernöstlich anmutender Lehren verdingen, verkünden uns, dass das Geheimnis der Weltüberwindung sei, sich ihr nicht gleich zu machen. Liebe zu sein, wo Angst ist, leidensfrei zu sein, wo Leid ist. Wir Christen aber haben eine andere Heilsgeschichte erzählt bekommen. Die Geschichte eines Gottes, der sich bis in die letzte Konsequenz dieser Welt gleich macht. Der bist in den letzten Abgrund dieser Welt sinkt, in jeden Schrecken, jedes Leid, jedes Sterben, oh sicher auch in jede Freude, weswegen man ihn „Fresser und Säufer“ nannte. Und indem er in die Schablone dieser Welt sank – Gott wurde Mensch. Nicht ein bisschen Mensch. – und sie ausfüllte mit seiner Präsenz ebenso wie mit seinem Schmerz, geschah Transfiguration, geschah Auferstehung.

Das Europa, wie es sich gerade zeigt, ist ein perfektes Abbild unserer Abgrenzungsversessenheit. Unsere faulen Ausreden, unser Wegsehen, unsere Zäune, unsere Angst vor Islamisierung, unsere Knüppel- und Bürokratieschläge, die auf schreiende Frauen, kranke Kinder und empörte Männer niederprasseln – all das ist ein Abziehbild unserer Innerlichkeit, in der wir unseren Wohlstand und unseren Frieden schützen wollen, wie falsch er auch sei, und auf wessen Kosten er auch immer gehe.

Gott als tremendum (Rudolf Otto) – wo ist er hin? Gott als Abgrund (Beatrijs von Nazareth) – suchen wir den eigentlich noch? Oder ist es nur noch das Beruhigungsmittel, das Gott uns auf den Rezeptblock schreiben soll?

Mystik will keine Vermeidung. Keine Widerspruchslosigkeit. Keine Entfernung des Dorns, der sticht. Das hören wir nicht gern. Aber es sind – ebenso wie auf den Straßen im Aufschrei gegen Europas Abschottung – dankenswerterweise mehr und mehr Menschen, die auch den zum Himmel schreienden falschen Frieden nicht mehr hören wollen.

kettensprengen

Foto: Alexis Findlay

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