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Posts Tagged ‘Loslassen’

Deck die Sonne zu, Du stillstes aller Worte,
deck die Wunden zu, Du kummerloser Dank,
der ernste Engel der Vollendung schließt die Pforte,
und benetzt die Lippen Dir mit schwerem Trank.

Leg die Fragen dieses Tages in die Erde,
die Dich trägt und Deine Sohlen zärtlich küsst,
jeder Abend trägt Dir auf: nun stirb und werde
was die Liebe Gottes hier auf Erden ist.

Deck die Sonne zu, Du innigstes Versprechen,
auch das Rot des Morgens wächst in Dunkelheit.
Jeder Traum darf leuchten, klingen und zerbrechen.
In Dir glüht schon jetzt das Licht der Ewigkeit.

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Versöhnung beginnt oft mit kleinen Schritten.

Zu achten, wenn ich nicht verstehen kann, eine Hand zu reichen, wenn ich nicht umarmen kann, mitzufühlen, wenn ich nicht lindern kann.

Risse zuzulassen, wenn ich Härte bin, Schatten zuzulassen, wenn ich lichthungrig bin, Fragen zuzulassen, wenn alles in mir Gewissheit ist.

Das Anderssein des Nächsten zu ertragen, auch wenn ich das Vertraute suche. Das Widersprüchliche des Anderen zu erdulden, auch wenn ich das Eindeutige erhoffe. Das Gewordensein des Mitmenschen anzunehmen, auch wenn es mich schreckt.

Zu hören, statt zu reden. Zu erwägen, statt zu urteilen. Zu lassen, statt zu kontrollieren.

Kleine Schritte führen zu Versöhnung mit den Menschen, deren Wege ich kreuzte, und die meine Wege kreuzten, deren Leben ich verwundete, und die mich verwundeten. Kleine Schritte führen zur Versöhnung mit mir selbst, die ich mir so oft fremd bin wie vertraut.

Versöhnung ist die Brücke über den Gräben die wir schufen.
Auf jener Brücke ist unser Gesicht dem Licht des Einen zugewandt.

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Ich weiss nicht, warum ich das Glück höher schätzen sollte als die Traurigkeit. Die Traurigkeit hat mich so tief in die Stille geführt, in ein Hören das Anteil nimmt an den Leben derer, die viele Tränen zu weinen haben. Sie hat mich weich gemacht in einer Welt der Härte.

Ich weiss nicht, warum ich die Sanftmut höher schätzen sollte als den Zorn. Der Zorn hat mich so oft daran erinnert, dass in manchen Dingen ein notwendiger Aufschrei klingt. Dass es Wirklichkeiten gibt, die sich niemals bessern, wenn wir uns nicht empören, wenn wir der zum Schweigen gebrachten Menschlichkeit keine Stimme geben. Der Zorn hat zu mir gesprochen wie ein Mahner, wie ein Seher, wenn Viele die Blindheit wählen.

Ich weiss nicht, warum ich den Moment höher schätzen sollte als das Gestern oder das Morgen. Meine geduldigste Lehrerin war die Vergangenheit, meine, und die derer, die mich ins Herz trafen. Das Morgen aber grüßt mich als ungeschriebener Vers, und ich muss das Beste in meiner Seele finden, einem Perlenfischer gleich, damit dieser Vers Vielen wohlgefällig sei.

Ich weiss nicht, warum ich die Gesundheit höher schätzen sollte als die Krankheit. Vieles, was ich in gesunden Tagen vergaß, wurde mir bewusst, als ich Schmerzen trug. Als ich nicht mehr teilnehmen konnte an Leben, das mir selbstverständlich geworden war. Die Krankheit sprach zu mir als Endlichkeit, und ich lernte ihr zuzuhören mit reifendem Herzen.

Ich weiss nicht, warum ich die Geburt höher schätzen sollte als den Tod. Beide sind nur Momente, in denen Gott mir eine Tür öffnet. Und Er weiss besser als ich, wann diese Tür geöffnet werden muss, und welche Gärten dahinter liegen.

Es liegt kein Gift in diesen Dingen. Nur ein Gift ist in uns, und das ist das Festhalten an dem was wir haben, und an dem was wir haben wollen. Ihm verdankt sich unser ganzes Unglück.

Das Gebet aber ist wie ein Aderlass, es lässt das Gift aus uns heraus. Wenn die ganze Seele betet, sinkt unser Willen in den Seinen, und das Leben darf endlich wogen wie die See.

Bild: Jules Joseph Meynier, „Christ asleep in his boat“

christsleeping

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Natürlich können wir den lieben langen Tag damit verbringen, vermeintlich Unerlöstes aufzuspüren wie Polizeihunde illegale Substanzen am Grenzstreifen. Wir können schwierige Beziehungen lösen, Karma aufpolieren, Schmerz loslassen, Wut einebnen, Schuld ablegen, Verstrickungen durchschneiden, dunkle Energien mit Licht füllen und so weiter und so fort.

Oder wir atmen ein und atmen aus und begreifen mit jeder Faser unseres Seins, dass Leben pulsiert, dass es zerstört und wiederaufbaut, dass es trennt und verbindet, dass es schlägt und streichelt. Leben ist ein wildes, ein ruhiges, ein zerstörerisches und lebensspendendes Meer. Und wir, wir Menschen, werden und wachsen und reifen ebenso am Schmerz wie an der Freude, ebenso am Unfertigen wie am Vollendeten, ebenso am Licht wie an der dunklen Wunde unserer Vergänglichkeit.

Es hat sich eine zwanghafte Korrekturwut in der spirituellen Szene breit gemacht, eine Angst vor dem Zweifel, dem Kummer, dem Staub des Alltags, vor den Fragen die das Leben aufwirft, während wir uns Antworten einrahmen und über unsere Betten hängen.
Wer immerzu korrigiert, hält das Leben selbst für einen Fehler. Hält die Tränen für vermeidbar, und das Unfertige für unerträglich.

Was für eine Erlösung wäre es in der Tat, könnten wir aufhören, das Leben wie eine heilbare Krankheit zu betrachten. Könnten wir annehmen, dass wir Fehler machen, dass wir an Schmerzlichem reifen können, dass wir auch die Risse brauchen, durch die ein unerwartetes Licht herein scheint. Was für eine Befreiung wäre es, könnten wir wirklich und wahrhaftig für gut halten, dass es Dinge gibt, die nicht zu beenden und die nicht zu vollenden sind. Die untergehen mit Fragen, die Fragment bleiben und Geheimnis. Es gibt nicht den Moment, in dem man meint, einem Sterbenden alles gesagt zu haben. Es gibt nicht den Moment, in dem man frei ist von Brüchen und Fragen und Verstrickungen. Es gibt nicht den Moment, in dem endlich alles erledigt ist.

Es gibt nur Leben. Es ist nichts falsch daran, sich heil fühlen zu wollen. Aber suche nicht das nicht machbare Heilsein, das Dich jeden Tag aufs Neue um blutvolles Leben bringt und das nur Deine Ängste nährt. Erlaube Dir Fehler, Schmerz, Zweifel und Fragen. Erlaube Dir selbst, Dich zu entfalten, durch alle Unwägbarkeiten und durch chaotische Phasen hindurch.

Dann kann es passieren, dass Du folgendes bemerkst: Du gibst dem Leben keine Anweisungen mehr, wie es zu sein habe. Du selbst wirst lebendiges Zwiegespräch.

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Wie oft wollen wir frei sein, und wähnen uns frei, wenn wir frei von Krankheit sind, frei von Not, frei von Tränen, frei von der Bedürftigkeit, Erkenntnis, Wärme, Halt und Schönheit aus der Begegnung mit dem Anderen erlangen zu müssen. Freiheit aber ist nicht Freiheit vom Schmerzlichen, nicht Freiheit vom Stachel der Vergänglichkeit und des Todes, nicht Freiheit vom Werden am Du, das nicht Makel ist sondern Würde.

Freiheit ist Freiheit zum Schöpferischen, zum Ja dazu, die Welt mitzugestalten. Freiheit ist Erkenntnis der eigenen Kleinheit und Erfahrung der eigenen Grenzenlosigkeit. Freiheit ist Lust an der Begegnung, am blutvollen Geben und Nehmen, am Werden, Wachsen und Reifen, an der Schöpfung, am Herzen des Anderen, am Grunde des Kelches der Not ebenso wie auf den Gipfeln der Freude. Freiheit ist Atmen der Ewigkeit inmitten aller vergänglichen Erscheinungen, ist eine Umarmung des Chaotischen, aus dem immerzu neue Schöpfungen hervorgehen.

Freiheit zum Menschsein ist etwas ganz anderes als Freisein von etwas. Allenfalls bemerken wir in der freiheitlichen Bejahung des Lebens mit all seinen Facetten, dass Dinge von uns abfallen, die uns hinderten, auch die Sucht, immer nur uns selbst verpflichtet zu sein. Die Dinge loswerden zu wollen jedoch, die uns hindern, die uns verwunden, ärgern, krank machen oder belasten, hat uns noch nie frei gemacht, sondern unserem Gefängnis nur weitere Schlösser hinzugefügt.

Alle Dinge des Lebens enthalten eine Einladung an uns, unsere Freiheit zu umarmen, und mit ihr unsere gestalterische Kraft, unseren Willen, unsere Erkenntnisfähigkeit und unsere Verantwortung. Wir sind Narren, wenn wir denken, diese Freiheit machte uns zu Göttern, denen es zustehe, sich zu nehmen was ihnen beliebt. Denn dieser Freiheit wohnt solche Zärtlichkeit inne, solche natürliche Demut, solche mitfühlende Aufmerksamkeit, dass sie nichts anderes wollen kann, als Segen, als Frieden, als Seligkeit für alle.

vogi

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Was kann der Mensch anderes wünschen, als ins Leben zu finden. Überall da jedoch, wo wir unerbittlich Widersprüche auflösen wollen, innere Kämpfe leugnen, dort wo wir aufhören zu zweifeln und zu fragen, dort wo wir aufhören an der Welt wie sie ist, zu leiden, finden wir nicht ins Leben, finden wir nur in das Verlies unserer Angst, die uns bewahren will vor dem was sticht, doch auch vor der Wahrheit darunter.

Zwischen der erfahrbaren Vollkommenheit der Schöpfung und ihren Wunden liegt eine Spannung. Zwischen der Bestimmung, die wir so oft erahnen, und dem freien Willen, den wir so oft nicht zu nutzen wissen, liegt eine Spannung. Zwischen der Reue, die wir über unser Versagen empfinden und der Kraft, die wir aus dem Willen zur Wiedergutmachung schöpfen, liegt eine Spannung. Zwischen der Hingabe noch, die alles gibt, und die doch ein Alleslassen ist. Zwischen dem Willen zur Veränderung, und der Gewissheit, dass in allem etwas Unveränderliches wohnt. Zwischen der Klage und dem Dank. Dem Ewigen und der Brüchigkeit der Erscheinungen.

Und ins Leben zu finden, das kann nicht bedeuten, diese Spannung zu leugnen, sie auflösen zu wollen oder sie zu fürchten. Ins Leben zu finden, und dies ist zugleich Spirituell-Sein, bedeutet, diese Spannung zunächst auszuhalten und dann auszutragen. Als Frage, die Antwort sucht, und als Antwort, die neue Fragen hervorbringt. Als Verstehen in Gedanken, Herz und Hand, das sich in unseren Begegnungen ereignet. Und der Schmerz wird so ein anderer, weil er nicht länger der Schmerz der Versagung ist. Und die Liebe wird so eine andere, weil sie endlich eine Liebe zum Du ist.

lieblichistes

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Was hält Dich auf, anstatt Dich sanft zu halten?
Was erneuert nicht, und zieht Dich stets zum Alten?
Was brennt Dich aus, anstatt Dich zu entzünden?
Was trennt Dich ab, anstatt Dich zu verbinden?
Was trägt Dich ab, anstatt Dich treu zu tragen?
Was nimmst Du hin, doch ohne Ja zu sagen?

Oh Deine Flügel wollen Himmelsbläue schmecken
Und Deine Seele will die Ewigkeit entdecken
Sei Du bereit zu lassen was Dich kleiner macht
Und was Dich lange schon um Seelenruh’ gebracht
An Deinem Seelengrund liegt leise und verborgen
Ein neues Tun, ein neues Sein, ein neuer Morgen

seelengrund_blog

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