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Posts Tagged ‘Mayakalender’

© Eric Wieringa

Es ist ganz erstaunlich, wie oft ich in diesen Tagen gefragt werde, ob ich denn glaube dass 2012 die Welt untergeht. Plattformen wie Facebook eignen sich ja bestens für die virale Verbreitung jedweden Gedankens, und so kann man fast sagen: hat im Web 2.0 einer Angst, wird daraus gleich ein Flächen-bombardement der Panik, und umgekehrt gilt das leider nicht, denn Postings, die uns auf den Boden der Tatsachen holen, werden einfach grundsätzlich weniger „geshared“. Das Prinzip kennt man ja aus allen anderen Medien auch, und es entspricht wohl dem menschlichen Naturell, dass wir uns lieber mit Dramatik bekleiden als mit Ausgeglichenheit.

Dunkle Perspektiven?

Sonnenstürme, Sonnenfinsternisse, Stromausfälle, Finanzwelt-Kollaps, ein kriegsgeplagtes Europa, das „Exkarnieren“ der Sternenbrüder, gute Güte – die menschliche Fantasie schlägt Purzelbäume wenn es darum geht, dieses angebrochene Jahr schon a priori zum wildestens Jahr der Menschheit zu küren.

Ja, und was ist denn nun mit dem hypothetischen Weltuntergang 2012?

Der wahre Untergang ist die Verunmöglichung der Menschlichkeit

Ich kann darauf nur eines sagen: ginge die Welt unter, wäre das wohl ein Drama, aber seien wir mal realistisch: alles hat ein Ende, das gilt für das Leben einer Kuh ebenso wie für das eines Menschen. Das wahre Drama wäre für mich, dass sie untergeht in einer Zeit, in der wir Menschen so dumm sind wie wir es gerade eben sind.

Das wahre Drama wäre für mich, dass wir es nicht geschafft haben würden, dem Wort „Mensch“ Leben einzuhauchen, ein Aroma der Güte und Weltzugewandtheit, eine Qualität der Menschlichkeit, die schwerer wiegt als die Machtversessenheit und Verachtung jedweder Kreatur.

Der wahre Untergang wäre für mich, wenn wir es nicht geschafft haben würden, uns aufzuschwingen zu den Möglichkeiten unseres Denkens, Fühlens, Erfahrens und Handelns. Wenn wir als jene selbstgerechten, unwissenden, satten Geschöpfe ins Nichts führen, nichts hinterlassend als ein Echo der Schande. Man mag nun annehmen, ich hätte ein défaitistisches Menschenbild, aber dem ist nicht so – ich glaube ungebrochen an das Gute im Menschen. Ich glaube aber auch, dass es noch eine erheblich lange Zeit brauchen wird, sich zu entfalten.

2012 sind alle erleuchtet?

Ja, ich kenne das andere Extrem zur Panikmache – die esoterische Mär vom Goldenen Zeitalter, von Menschen in der fünften Dimension, die sich der Gottesgegenwart in vollem oder wenigstens deutlich größerem Umfang bewusst sind und sie deswegen auch in großem Umfang leben können. Das Utopia ist schon fast da – eine Welt voller lächelnder Menschen, die kein Geld mehr brauchen weil sie einander alles geben was nötig ist, die keine Tiere mehr essen, weil wir das Wesen der Tiere erkannt haben werden. Die keine Religion mehr brauchen, weil Religion etwas sucht und erhofft, was doch längst da ist. Telepathisch womöglich, im Einklang mit der Natur natürlich, und im Stande, älter als mehrere hundert Jahre zu werden, angeführt von Lichtarbeitern, die aus lauter Freundlichkeit aus anderen Universen inkarnierten, um der trägen Menschheit zu helfen.

Wieviele dieser Theorien haltlose Weltflucht und Ideologie sind, kann ich an dieser Stelle gar nicht erörtern, denn sicher wäre die Apokalypse schneller da als mein Schlusspunkt.

In welcher Wirklichkeit leben wir denn?

Was tut denn die Panikmache vom Untergang mit uns? Und was tut das glücksbesoffene Herbeireden der „Nondualität 2012“ mit uns? Beides hindert uns am Leben. Beides hindert uns daran, wahrzunehmen, was ist. Beides hindert uns daran, in die Abgründe menschlichen Lebens hinabzusteigen und uns zu den Höhen menschlichen Strebens aufzuschwingen.

Wenn ich den ganzen Tag in Sorge verbringe, wo bin ich dann? Sicher überall, aber nicht hier. Ich bin ein Körper, der irgendwo herumsitzt, während meine Gedanken panisch die Vergangenheit nach bedrohlichen Vorzeichen absuchen, die mir möglicherweise entgangen sind, und die Zukunft ausmalen, die mir, meinen Liebsten und meinem Hab und Gut möglicherweise ein unangenehmes Ende bescheren wird.

Wenn ich den ganzen Tag in Vorfreude auf die fünfte Dimension verbringe, die – was auch immer sie ist, für mich ist sie nur eine Vokabel, und auch noch eine ziemlich diffuse – mich auf die harmonische, glückliche und sorglose Zeit freue, insgeheim wahrscheinlich, weil ich es eben nicht geschafft habe, mir in der aktuellen „Dimension“ ein  harmonisches, glückliches und sorgloses Leben zu erschließen, wo bin ich dann? Auch nicht hier. Ich bin ein Körper, der irgendwo herumsitzt, während meine Gedanken, oder in diesem Fall wohl öfter: meine Gefühle, in einer Vorstellung von Perfektion herumschwirren. Eine Perfektion, die mich vielleicht insgeheim darüber hinwegtrösten soll, dass meine Kindheit problematisch, meine Berufswahl absurd, meine Ehe tragisch, mein Bankkonto unnütz weil leer ist. 

Wir sind hier und jetzt gefragt – in jedem Moment

Ich bitte alle, die sich jetzt in ihrer Angst oder ihrer Hoffnung gekränkt fühlen, einfach mal innezuhalten, denn mir geht es nicht darum, Ängste oder Hoffnungen zu diffamieren.

Ängste und Hoffnungen sind menschlich, wir alle haben sie, und wir alle neigen dazu sie über jedes Maß hinaus wachsen zu lassen, bis wir nicht mehr zu denken oder zu handeln im Stande sind. Eine jede Angst und eine jede Hoffnung verrät uns etwas über uns. Über unsere Erwartungen, unsere Sehnsüchte, darüber was wir für ein „gelungenes“ und was wir für ein „gescheitertes“ Leben halten. Das anzusehen ist lehrreich. Aber man sollte seine Lehren ziehen und sich dann weiter auf den Weg machen, denn nichts anderes ist das Leben: ein Weg, der gegangen werden will, und ich sehe sowohl in den Ängsten als auch in den 2012-Utopias soviel Stillstand, dass es mich zutiefst verwundert.

Nicht wegsehen!

Ich bin oft erschüttert darüber, wieviele der Theorien über „neues Bewusstsein“, „das goldene Zeitalter“, „den Lichtkörperprozess“ oder den „Aufstieg 2012“ geradewegs in Blindheit und Teilnahmslosigkeit führen. Insbesondere die Theorien darüber, dass eine jede Seele ihr Schicksal wähle, und dass alles „weder gut noch schlecht“ sei, und dass es so etwas gebe wie eine terminierbare Evolution, führen unser Mitgefühl wie unsere Aufmerksamkeit ad absurdum.

Kann ich denn eigentlich noch sehen, dass mein tägliches Leben kausal mit der Armut des verhungernden Kindes in Ostafrika zusammenhängt, wenn ich annehme, eine jede Seele habe sich ihren Raum für Erfahrung eben selbst ausgesucht? Begreife ich, dass der religiöse Fundamentalismus in armen Ländern (über den wir Säkularisierte uns laufend selbstgerecht beklagen) sich unter anderem unserem Reichtum verdankt? Verstehe ich noch meine Verantwortung in der Aufdeckung eines Missbrauchsfalles in der Nachbarschaft, wenn ich annehme, nichts sei „gut oder schlecht“? Habe ich das Recht anzunehmen, ein Schwein habe sich die Lebensform „industrielle Schweinemast“ ausgesucht? Kann ich wirklich denken, dass mein momentaner gesundheitlicher Zustand nicht so wichtig ist, weil ja 2012 sowieso irgendeine ominöse neue DNA in uns alle implantiert wird?

Ich vermisse einen Bezug zur Realität, so wie wir sie hier und jetzt vorfinden (und ja, ich weiss, dass diese weder fix ist noch objektiv wahrzunehmen). Und alles, was die derzeitige Realität verleugnet, ist lebensverneinend. Auch wenn es von einem noch so glanzvollen Leben spricht.

It’s a long road

Wenn ich mir die zahllosen Szenarien des „zur Göttlichkeit erwachten Menschen“ ansehe, dann blutet mir wirklich das Herz. Denn ich frage mich, ob die Dissonanz zwischen dem, was auf dieser Welt passiert und dem Bild des ganz und gar erwachten Menschen für viele überhaupt nicht spürbar ist. Wie sonst könnte man wohl annehmen, dass sich in diesem Jahr, also in den nächsten 356 Tagen, alles zur Klarheit wendet was unklar ist, alles zur Vollkommenheit wendet, was unvollkommen ist, alles zur Freude wendet, was Leid ist? Wie sehr muss man sich selbst und diesem irdischen Leben, vor allem aber den Sphären jenseits der eigenen Landesgrenze entfremdet sein, um das auch nur für eine Sekunde zu glauben?

Wie klein muss ich Gott denken, um anzunehmen, ich „schaute“ ihn in absehbarer Zukunft? Wie übergroß muss ich den Menschen denken, um anzunehmen, er sei schon „angekommen“?

Ich wünschte, die 2012-Utopisten würden mal das ein oder andere ihrer Theorien selbst ernstnehmen. Denn wenn Gott in uns allen ist, dann wird Gott wohl auch uns alle brauchen, um diese Welt zu verwandeln. Dann wird er wohl jede Hand brauchen, um das Leiden zu beenden und menschenwürdiges Leben für alle zu schaffen. Dann wird er wohl jede Hand brauchen, um die Natur mit dem Menschen zu versöhnen. Und um Gegebenheiten zu schaffen, die so voller Güte sind, dass wir eines Tages vielleicht beginnen können, die Jahrhunderte voller Blut und Tränen dem Vergessen zu übergeben.

Du bist gewollt und gebraucht

Ich finde es durchaus wichtig, sich mit modernen Mythen und der zeitgenössischen Rezeption alter Mythen auseinanderzusetzen, und sicher gehört die Thematik 2012 dazu. Aber bei aller Freude an der Zurkenntnisnahme und Deutung jener Geschichten, denen – wie allen Geschichten – auch Wahres innewohnt:

Keine Evolution, kein deus ex machina, kein Weltuntergang, kein Sternenportal, kein Wunder dieser Welt nimmt es Dir und mir ab, diese Welt zu einem lebensfreundlichen Ort zu machen. Und da fangen wir am besten bei uns an, indem wir den Mut und die Aufrichtigkeit besitzen, unser Leben als das anzuerkennen, was es ist: ein Weg mit Licht und Schatten, mit Hoffnung und Scheitern, ein Weg mit Versäumnissen und Errungenschaften, mit Fragen und Antworten, mit Verantwortung und mit Zwischenräumen, durch die das Licht dessen hineinfallt, das unsagbar ist – auch 2012 noch.

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 14: Bejahung

© Cristina McAllister

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Bejahung“.

Dieser vierzehntägige Weg begann mit einem „Ja“. Und heute endet er mit einem „Ja“.

Wohlwissend, dass in diesem Ja so viele Neins eingeschlossen sind, die gesprochen werden müssen gegen Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und Untragbarkeiten. Wohlwissend, dass ein Ja nicht immer in seliger Ergebenheit gesprochen werden kann, sondern oftmals errungen werden will. Wohlwissend auch, dass es vor allem innere Hürden sind, die überwunden werden wollen auf diesem Weg der Bejahung.

Dies ist ein Ja zu innerer Entwicklung. Zu Liebe, Mitgefühl und Aufmerksamkeit. Zu Mut und Aufrichtigkeit, ein Ja dazu, jene Welten zu erschließen, die Du in meinen Seelengrund gelegt hast. Dies ist ein Ja zu einem bewussten Leben inmitten dieser Schöpfung, die auf unzählige Weisen von Dir erzählt. Dies ist ein Ja zu einer beherzten und bedachten Lebensreise, im Angesicht des Du, und in Deiner Gegenwart, die alles durchdringt.

Noch während ich alles dafür tun muss, wird mir alles geschenkt. Noch während Du meine Wege zeichnest, bin ich frei. Dies ist ein Geheimnis, in das ich sinke, wie der Samen in die Erde. Und dafür danke ich Dir.

Segne unsere Wege. Segne die Wege aller, die eine neue Erde in ihren Herzen tragen, berührt von Deiner Gegenwart mitten unter uns.

Paulus schrieb einst an seine Gemeinde: Gott ist in unseren Herzen aufgeleuchtet.

Dieses Leuchten möchte ich bejahen, feiern, besingen, tragen und teilen.

(Dies war ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier. Herzlichen Dank an all die vielen Leser, die mitgegangen sind und die Texte geteilt haben, und die mir so freundlich geschrieben haben. Weiterhin gute Reise.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg.Tag 13: Gemeinschaft

© Angela Treat Lyon

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Gemeinschaft“.

Ich bin nicht allein. Diese Reise, die ich antrete, führt durch Höhen und Täler, immer aber in Reichweite von Gefährten. Und Gefährte will auch ich sein. Nicht nur dem Menschen, der mich kennt, und der sich selbst in mir erkennt, der sich mir zuneigt und meiner Zuneigung bedarf. Sondern auch dem Wind und dem Wasser, dem Feuer und der Erde, dem Tier, allem Wachsenden und Werdenden will ich Gefährte sein. So gut ich kann will ich dies, doch heute sage ich: ich will es besser können als bisher. Wo dazu Übung nötig ist, will ich üben. Wo dazu Offenheit nötig ist, will ich mich öffnen. Hörend sein will ich, auch und gerade für den Ruf des Nächsten der an mich ergeht, immer tiefer in ein Verstehen und Verkosten dessen sinkend, was Leben ist.

Und was der Mensch ist und was er sein kann, das werden wir erweisen. Denn jeder Tag ist der Tag der Menschwerdung.

 

Du bist mir so vertraut
ist unser Glanz auch noch verhüllt
wir teilen einen Traum
nimm meine Hand damit er sich erfüllt

.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 12: Liebe

© Elena Kotliarker

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Liebe“.

Was weiß ich von der Liebe? Je mehr ich mich Dir aussetze, Du Namenloser, um so fremder scheint sie mir.

Denn Du entkleidest mich. Mit geduldiger Hand nimmst Du mir jede Schicht: meinen Mantel, der mich wärmte, und den ich für mütterliche Liebe hielt. Mein Hemd, das mich ordnete, und das ich für väterliche Liebe hielt. Meine Kleider, die mich schmückten, und die ich für romantische Liebe hielt. Meine Uniform, die mich einreihte, und die ich für Nächstenliebe hielt. Meine Stiefel, die mich trugen, und die ich für Gottesliebe hielt.

Entkleidet hast Du mich, doch nicht um mich zu beschämen. Entkleidet hast Du mich, dass ich erahnen könnte, wie gross die Liebe ist.

Die Liebe verwandelt alles. Sie macht uns sehend und hörend, aufmerksam für alles was in uns und um uns lebt und pulsiert. Sie erinnert uns an unsere Verbundenheit, noch während sie uns von der Freiheit erzählt. Sie durchtrennt unsere Fesseln, doch auf eine Weise, die uns zu den Dingen hin befreit. In jener Freiheit stehlen wir uns nicht davon, entlastet und abgewandt. In jeder Freiheit wenden wir uns den Dingen zu, und unsere geöffneten Hände nehmen begierig und mutig den Lebensfaden auf, den zu knüpfen wir einst versprachen. Diese Freiheit ist eine Freiheit zur Hingabe, und diese Hingabe scheut nicht den Staub auf den Straßen und die Tränen im Gesicht des Nächsten, und sie weiß um die Gräber, über denen der Morgen noch nicht leuchtet.

Solche Liebe zeigst Du mir in meiner Nacktheit, und keine Ordnung, kein Gesetz, keine Regel die wir uns erdachten um den Strom der Liebe zu bändigen, hat darin Bestand.

Du zeigst mir Liebe, die nicht von dieser Welt ist, und deren Weg doch ins Herz dieser Welt führt und in alle ihre Blutgefäße, derer auch ich eines bin. Und mich verlangt es nicht nach Unverwundbarkeit oder nach seliger Ruhe, denn meine Arbeit, unsere Arbeit ist noch nicht getan.

Die Liebe höret niemals auf, sagtest Du uns. Und jeder meiner Atemzüge weiß das. Mit dieser Gewissheit möchte ich selbst Liebe sein in dieser Welt, heute, morgen, und bis zum letzten meiner Tage.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 11: Klarheit

© Jennifer Baird

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Klarheit“.

Eine unruhige See bin ich. Gedanken nehmen mich mit auf Reisen, Gefühle stärken und schwächen mich, immerzu. Immerzu ist diese Welt in Bewegung, und meine innere Welt folgt ihr mit ihrer Bewegtheit.

Du aber breitest eine See der Klarheit vor mir aus. Du aber sagst: Nimm. Trink. Werde.

Ich möchte Deine Klarheit hereinlassen. Möchte ihr sagen: komm und zähme meine Gedanken. Komm und streiche die Wogen aus meinem Gemüt. Komm und löse die Knoten, an denen ich strauchle, immer wieder.

Eine klare See will ich sein, die Deinen Himmel spiegelt. Die nichts hinzufügt und nichts wegnimmt, die ist, weil Du es so gewollt hast.

Ich möchte hinabsinken auf den Grund der Dinge, dorthin, wo alles still wird. Dorthin, wo das Licht der Klarheit in alle Winkel meines Daseins strahlt, und mich anfüllt mit Bewusst-Sein. Dorthin, wo eine Erinnerung liegt, die Du mir nicht vorenthältst.

Jeden Tag möchte ich dieser Klarheit Einlass gewähren, durch Gebet, durch Meditation, durch Momente der Stille, durch Momente des Innehaltens inmitten Deiner Schönheit, die Du so verschwenderisch in diese Welt gegossen hast.

Je mehr ich in diese See der Klarheit sinke, je mehr ich selbst diese Klarheit werde, um so mehr werde ich ihr Licht in meine Tage und Nächte tragen können. Alles was ich so tue, wird die Ruhe dieses heiligen Gewässers enthalten. Alles was ich so tue, wird Reinheit und Wahrhaftigkeit in sich tragen. Alles was ich so tue, wird Segen sein für diese Welt. Meine Worte werden klar sein, und dem Verstehen dienen. Meine Taten werden klar sein, und der Liebe dienen. Ich selbst werde geklärt sein in wachsender Erkenntnis unserer Verbundenheit. Was mich gestern noch täuschte, wird schwinden. Was mich gestern noch irritierte, vergehen. Dort wo Klarheit sich ausbreitet, werde ich mehr und mehr wahrhaftig und frei, und alles darf daran teilhaben.

Auf diesem Weg der Vervollkommnung gib Du mir Geleit.

Du Quelle der Klarheit, eine klare See will ich sein, die Deinen Himmel spiegelt.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 10: Mitgefühl

© Albena

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Mitgefühl“.

Manchmal erinnert sich etwas in mir daran, mit allem verbunden zu sein. Dann ist mir der Zweig vertraut wie meine rechte Hand, das Wasser wie mein Blut, der Himmel wie meine Haut. Alles spricht zu mir und hört mein Sprechen. Alles lädt mich ein und sagt: Komm.

Dann bin ich tief in den Armen des Mitgefühls, dort, wo das Andere niemals das Fremde ist. Dort wo jeder meiner Blicke erwidert wird. Dort, wo jeder Schmerz auch meiner ist.

Dann schmerzt meine Hand, wenn der Zweig bricht, und mein Blut klagt, wenn das Wasser versiegt, und meine Haut brennt, wenn der Himmel sich verfinstert. Denn wir fließen im selben Strom, und alles was dort Kreise zieht, zieht Kreise bis hin zu meinem Herzen.

So ist es auch mit Dir, Mensch, wenn ich Dich ansehe. Deine Freude rührt immerzu an die meine – und Dein Schmerz weckt meinen Schmerz aus seinem Schlummer. Auf viele Weisen wissen wir uns vor dem Schmerz des Anderen zu schützen, wir lernen dies, kaum dass wir in diese Welt gekommen sind. Was aber schützt uns vor einer Welt ohne Mitgefühl?

Heute öffne ich mein Herz, um Dich, Du uferlose Kraft des Mitgefühls, einzuladen. Komm und lehre mich das Hören. Komm und lehre mich das Sehen. Dass ich die Klage höre und folge. Dass ich das Zerbrochene sehe und verweile. In Deinen Armen, an der Seite des Menschen. Nicht, um im Leiden aneinander gebunden das Schmerzende festzuhalten. Doch um im Wachsen einander verbunden das Schmerzende zu befrieden.

Du heiliges Mitgefühl, das Du immerzu aus der Barmherzigkeit Gottes fließt: ströme in mein Sein, und lass mein Sein selbst Strom des Mitgefühls in dieser Welt sein.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 9: Verwandlung

© Colleen Koziara

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Verwandlung“.

Du bist wie das Meer, das den Kiesel schleift. Wie das Sonnenlicht, das das unter der Erde Verborgene ruft. Du bist wie das Feuer, das brennt und zehrt und den Kern der Dinge befreit.

Die Stimme der Mutter bist Du, in der das Kind seinen Namen findet. Die Hand des Vaters, unter der sein Weg sich in die Erde schreibt.

Alles verwandelst Du.

Dein Hauch trifft trockenes Geäst, und es beginnt zu grünen. Dein Licht trifft müde Schultern, und stark erhebt sich der Mensch. Deine Güte trifft eine wütende Welt, und Frieden gießt sich in ihre Wogen.

Auch ich bedarf der Verwandlung. Auch ich will neu werden. Denn in mir wohnt ein Mensch, der weiser ist als ich. Der mitfühlender ist als ich. Der friedvoller ist als ich. In mir wohnt ein Wissen, das meine Stirn noch nicht erreichte. Eine Liebe, die noch nicht aus meinen Händen floss. Ein Leben, das mein Leben noch nicht durchdrang.

Und ich bitte Dich: bring diesen neuen Menschen hervor.

Ich will es geschehen lassen, als läge es allein in Deiner Hand. Und ich will so handeln, als läge es allein in der meinen.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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