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Posts Tagged ‘Mitleid’

Es gibt so etwas wie eine spirituelle Mündigkeit. Wenn sie uns mehr und mehr ergreift, fallen viele Dinge von uns ab, die uns zuvor unabdingbar schienen, oder die –ohne uns bewusst zu sein- in unser Verhalten gewoben waren wir ein unauflösbares Muster. Beispielsweise erkennen wir, wie oft und unnachgiebig unser spirituelles Streben nach Wohlgefühl und Genuss suchte, und unsere Bedürftigkeit, bisweilen sogar unsere Gier uns trieb, Dinge, Wissen und Zustände besitzen und verkosten zu wollen, sie nach außen und vor uns her zu tragen und uns in dem Maße stark und überlegen zu fühlen, in dem wir all des Genussvollen und Erhebenden habhaftig wurden.

Unseren Gott, das Göttliche, das Heilige oder Erleuchtende steckten wir mit dieser Haltung in lächerliche Kleider. Dort wähnten wir uns dem Erwachen nah, wo alles leicht und genussvoll, gelassen, froh und stark wurde, dort wo wir uns er-mächtigt fühlten, erfüllt, rechtschaffen und klar.

Wieviel Mitgefühl wir für dieses kindliche Verhalten aufbringen müssen, wenn uns erst dämmert, dass wir das Heilige so klein machten, während wir uns selbst für so groß hielten. Wieviel Barmherzigkeit wir lernen müssen, um uns selbst diese Halbherzigkeit zu verzeihen!

Denn wie fern sind wir der Liebe, wenn wir nur suchen was uns sättigt, was uns tröstet und über die misslichen Dinge des Lebens erhebt. Wie fern sind wir der Liebe, wenn wir auf unseren Meditationskissen nichts weiter suchen als einen Kitzel, ein glücksbetrunkenes Seufzen, und den Triumph eines vermeintlich ausgewogenen Lebens. Für so unwiderstehlich halten wir uns in unserem „neuen Bewusstsein“, dass Gott uns besuchen muss, verfügbar sein muss, inmitten unserer überdrüssigen Seelen, immer zu Diensten mit dem ihm entströmendem Glück.

Eine ganz andere Geschichte erzählen uns die alten Schamanen, deren Kämpfe einer Ordnung dienten, in der jeder Mensch nur ein Sandkorn ist das seinen Platz zum Wohle aller finden muss. Eine ganz andere Geschichte erzählt uns auch Krishna, der auf seiner Flöte – dem leer und arm gewordenen menschlichen Herzen – das betörende Lied der Liebe spielt. Eine ganze andere Geschichte erzählt uns auch Jesus, der von Blut und Schweiss getränkt, mit leeren Händen am Kreuz stirbt, ohne Triumph, ohne Trost, ohnmächtig aus freiem Willen, und mit vergebendem Herzen.

Ja, es wartet Frieden auf dem spirituellen Weg. Aber er ist doch nicht das, wofür wir ihn anfangs halten. Er ist nicht die Ansammlung genussvoller erhebender Erfahrungen, nicht die Ausbreitung einer Macht, nicht der Zustand einer Unverwundbarkeit inmitten dieser Welt. Er ist nicht die Auslöschung von Krankheit, Schmerz oder Zweifel. Er ist keine Fanfare des Glücks, die alles was wir je erlebten übertönt.

Mündig werden bedeutet, seinen Platz auf diesem Weg und in der größeren Ordnung einzunehmen. Dort, jenseits des Habenwollens, des Ansammelns von Triumphen, jenseits der Vermeidung und der Selbstüberschätzung. Es bedeutet leer zu werden für das was sich schenken will wenn wir uns dem überantworten, das größer ist als wir. Es bedeutet, bereit zu sein, auch hinabzusteigen in die Unwissenheit, die Ohnmacht, den Verlust. Dort wo unsere Erwartungen und Wünsche demaskiert werden, und wo unser Wissen zu Torheit wird, erhebt sich etwas in uns wie eine Erinnerung, wie ein Morgen über zerklüftetem Land.

Dann beginnt die Liebe selbst, uns umzuformen.

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© Patricia Ariel

Neulich wurde ich gefragt, ob man eine gute spirituelle Maßnahme oder Übung daran erkenne, dass sich nahezu automatisch ein Wohlgefühl einstelle – und ob dieses Wohlgefühl nicht sogar zwingend notwendig sei, als eine Art innerer Kompass, als ein Ausdruck zutiefst empfundener Resonanz und Wahrhaftigkeit.

Ich würde in aller Kürze sagen: nein.

Und doch ist das eine berechtigte Frage, schliesslich verdienen sich doch ganze Esoterik- und Lebenshilfeindustrien dusselig an der Behauptung, die „innere Wahrheit“ erkenne man eben an jener lächelnden Geschmeidigkeit – allein Esther und Jerry Hicks Abraham darf man wohl als größten jenseitigen Missionar des Wohlgefühls – des „Wellbeings“ – verstanden wissen.

Vielleicht kennst Du vergleichbare Situationen: Ich hatte kein Wohlgefühl, als ich täglich 50 Vokabeln Französisch lernen musste, aber am Ende diente es meinem Französisch. Ich hatte kein Wohlgefühl, als ich Klavier üben musste, aber hätte ich es nicht getan, könnte ich wohl heute keine Klanggebete spielen. Ich hatte kein Wohlgefühl, als ich begann zu meditieren oder zu beten, denn beachtliche Strecken dieses Weges schlossen und schließen Übung, Mühsal und innere Kämpfe ein, oder das, was in alter christlicher Sprache „Trockenheit“ heisst, heute aber freue ich mich darüber, in der Stille sein zu können, die inzwischen einen anderen Klang hat – einen, ohne den ich gar nicht sein könnte, und ich freue mich an der Ordnung, die sie kaum merklich mit der Zeit in alle Dinge legt.

Der Sportler hat wohl kein Wohlgefühl beim Trainieren, beim Erleben der eigenen Grenzen und beim Versuch, sie zu überwinden. Der Autor hat sicher kein Wohlgefühl, wenn er vor dem leeren Blatt Papier sitzt, und der Priester nicht bei der fünften Messe, die er am Sonntag vor einer nahezu leeren Kirche lesen muss. Der Zenschüler? Wohlgefühl beim Sitzen? Ich bezweifle es.

Sucht nach Wohlgefühl

Unsere Sucht nach Wohlgefühl täuscht uns gern: das was sich nicht gut anfühlt, wird da schnell als nicht gut verworfen. Und so bringen wir uns permanent um die süßen Früchte, die oben in den Bäumen hängen, und die wir unter Aufbringung unserer ganzen Kraft und unserer ganzen Geduld pflücken müssen.

Und umgekehrt nehmen wir irrtümlich oft an, etwas sei gut für uns, weil es sich gut anfühle. Da komme ich nicht umhin zu sagen, dass auch das fünfte Nutellabrot sich noch gut anfühlt – aber wie denkt wohl Dein Körper darüber, dessen Stimme Du vielleicht schon viele Jahre erfolgreich zum Schweigen gebracht hast?

Ob etwas nicht gut für Dich ist, verrät Dir eine andere Instanz als das „Wohlgefühl“. Du kannst Spuren lesen. Spuren Deiner Intuition beispielsweise. Deines gesunden Menschenverstandes. Auch Deines Körpers. Vielleicht Deiner Träume. Problematisch ist bloß, dass wir unserer Intuition und unserem Körper oft über viele Jahre so entfremdet sind, dass wir ihre Signale gar nicht verstehen, und ihre Sprache gar nicht mehr sprechen. Und unseren Verstand schalten wir nur allzu gern aus, wenn es um religiöse oder spirituelle Fragen geht – ein weiteres Missverständnis, das ich in diesem Blog schon oft angesprochen habe.

Was Dir gut tut, musst Du suchen und prüfen

Einem Menschen, der in keinem guten Kontakt zu seiner ganzheitlichen Wahrnehmung steht zu sagen „Vertrau Deiner Intuition“ ist Humbug, ebenso wie es Humbug wäre, einem völlig unsportlichen und in schlechter Kondition befindlichen Menschen zu sagen „Vertrau Deinem Ruhepuls“ oder einem ungeübten Kämpfer „Vertrau Deinen Reflexen“.

Seinem Gefühl zu vertrauen, ist ein höchst ambivalentes Vergnügen: Denn freilich erleidet auch das Gefühl Beschädigungen – das kennen wir alle, denn spätestens wenn uns einmal das Herz gebrochen wurde, bemerken wir einen Verlust von Vertrauen. Meist darf das der nächste Partner ausbaden. Auch einmal tiefe Angst erlebt zu haben, verändert das Gefühl. Gefühle der Scham, der Unruhe, der Wut, der Enttäuschung tragen wir gern in Situationen und zu Menschen, die nichts damit zu tun haben – denn wir speichern Erlebnisse ab und wenn wir vergleichbare Parameter finden, erwarten wir unbewusst die erneute Verletzung. Wie hilfreich kann es da also sein zu sagen: vertrau Deinem Gefühl, wenn doch auch das Gefühl keine Klarheit eröffnet sondern ganz eigenen Verstrickungen unterliegt?

Übung macht den Meister

Intuition und Klarheit unter dem ansehnlichen Haufen Gefühl und Verstand zu finden, bedarf einiger Übung. Die Signale des Körpers richtig zu deuten, ebenfalls. Bis wir das also können, müssen wir uns oftmals einfach vertrauensvoll auf etwas einlassen, das sich nicht gerade erfreulich anfühlt, und das uns eben kein Wohlgefühl eröffnet. Das ist ein Risiko, und oft ist es Arbeit. Dass wir aber ohne Risiko und Arbeit auskämen, ist ein Märchen.

Auch wenn wir mit uns mehr und mehr im reinen sind, wenn wir unserer Intuition, unserem Menschenverstand, unserem Körper, unseren Träumen und dem was wir empfinden, mehr trauen können weil wir mehr bei uns ankommen, bleibt eine Notwendigkeit, die schlicht und ergreifend „Üben“ heisst. Und üben bedeutet eben auch: Anstrengung. Bedeutet Wiederholung. Bedeutet Willen. Disziplin. Und zwangsläufig, denn das liegt in unserer Natur, Widerstand, Unlust, Vermeidung.

Westliche Hybris

Wir Westler glauben ja gern, dass wir einfach mal energisch mit dem Fuss aufstampfen und wahlweise sagen müssen: „Ich bin vollkommen – ich habe alles in mir – ich bin ganz in der Fülle Gottes – ich lebe meine Gaben in Selbstermächtigung“ und zack, liegt uns die Welt zu Füßen, während andernorts die Menschen, die offenbar mit etwas mehr Realitätssinn gesegnet sind, üben, üben und nochmals üben, um zu so etwas wie Gedankenstille, Mitgefühl, ganzheitlichem Erleben oder harmonischem Geist-Körper-Seele-Verhältnis zu gelangen.

Mit welcher Arroganz die zeitgenössische Esoterikliteratur die Errungenschaften spiritueller Schulen und Wege der Vervollkommnung vom Tisch wischt, als wären alle, die Arbeit in ihr Wachstum investieren blinde Narren, ist beispiellos. Damit will ich nicht das Konzept einer Bewusstseinsevolution in Abrede stellen. Aber selbst wenn wir annehmen, dass heutzutage Dinge für uns einfacher zu erringen sind als vor 200 Jahren, bedeutet das nicht, dass wir den Freibrief zum Couchpotatoe-Dasein erhalten haben.

Schritt für Schritt

Wohlgefühl ist für mich keine spirituelle Instanz. Es ist nicht mal eine weltliche Instanz, die von Bedeutung wäre. Sie zu einem spirituellen Kompass zu erheben, ist nicht weniger als absurd. Die Frage ist also, was man als richtungsweisend erlebt und annimmt. Da ist es sinnvoll, die Gedanken, Gefühle, die Reaktionen des Körpers in die Einschätzung einer Situation miteinzubeziehen, ebenso wie den gesunden Menschenverstand. Immer im Wissen darum, dass sie alle eben nicht letzte Instanz sind und dass sie alle ihren Verstrickungen unterliegen. Dieses Wissen rettet uns vor vorschnellen Urteilen ebenso wie vor Überheblichkeiten.

Und dann sind wir auf einem Weg, der Anstrengung und Leichtigkeit, Übung und Muße, Gelingen und Scheitern gleichermaßen mit einschließt. Das ist kein übermenschlicher Weg, sondern ein menschlicher. Aber er eröffnet Möglichkeiten, all dem zu begegnen, was über das Menschliche hinausweist.

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 14: Bejahung

© Cristina McAllister

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Bejahung“.

Dieser vierzehntägige Weg begann mit einem „Ja“. Und heute endet er mit einem „Ja“.

Wohlwissend, dass in diesem Ja so viele Neins eingeschlossen sind, die gesprochen werden müssen gegen Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und Untragbarkeiten. Wohlwissend, dass ein Ja nicht immer in seliger Ergebenheit gesprochen werden kann, sondern oftmals errungen werden will. Wohlwissend auch, dass es vor allem innere Hürden sind, die überwunden werden wollen auf diesem Weg der Bejahung.

Dies ist ein Ja zu innerer Entwicklung. Zu Liebe, Mitgefühl und Aufmerksamkeit. Zu Mut und Aufrichtigkeit, ein Ja dazu, jene Welten zu erschließen, die Du in meinen Seelengrund gelegt hast. Dies ist ein Ja zu einem bewussten Leben inmitten dieser Schöpfung, die auf unzählige Weisen von Dir erzählt. Dies ist ein Ja zu einer beherzten und bedachten Lebensreise, im Angesicht des Du, und in Deiner Gegenwart, die alles durchdringt.

Noch während ich alles dafür tun muss, wird mir alles geschenkt. Noch während Du meine Wege zeichnest, bin ich frei. Dies ist ein Geheimnis, in das ich sinke, wie der Samen in die Erde. Und dafür danke ich Dir.

Segne unsere Wege. Segne die Wege aller, die eine neue Erde in ihren Herzen tragen, berührt von Deiner Gegenwart mitten unter uns.

Paulus schrieb einst an seine Gemeinde: Gott ist in unseren Herzen aufgeleuchtet.

Dieses Leuchten möchte ich bejahen, feiern, besingen, tragen und teilen.

(Dies war ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier. Herzlichen Dank an all die vielen Leser, die mitgegangen sind und die Texte geteilt haben, und die mir so freundlich geschrieben haben. Weiterhin gute Reise.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg.Tag 13: Gemeinschaft

© Angela Treat Lyon

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Gemeinschaft“.

Ich bin nicht allein. Diese Reise, die ich antrete, führt durch Höhen und Täler, immer aber in Reichweite von Gefährten. Und Gefährte will auch ich sein. Nicht nur dem Menschen, der mich kennt, und der sich selbst in mir erkennt, der sich mir zuneigt und meiner Zuneigung bedarf. Sondern auch dem Wind und dem Wasser, dem Feuer und der Erde, dem Tier, allem Wachsenden und Werdenden will ich Gefährte sein. So gut ich kann will ich dies, doch heute sage ich: ich will es besser können als bisher. Wo dazu Übung nötig ist, will ich üben. Wo dazu Offenheit nötig ist, will ich mich öffnen. Hörend sein will ich, auch und gerade für den Ruf des Nächsten der an mich ergeht, immer tiefer in ein Verstehen und Verkosten dessen sinkend, was Leben ist.

Und was der Mensch ist und was er sein kann, das werden wir erweisen. Denn jeder Tag ist der Tag der Menschwerdung.

 

Du bist mir so vertraut
ist unser Glanz auch noch verhüllt
wir teilen einen Traum
nimm meine Hand damit er sich erfüllt

.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 12: Liebe

© Elena Kotliarker

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Liebe“.

Was weiß ich von der Liebe? Je mehr ich mich Dir aussetze, Du Namenloser, um so fremder scheint sie mir.

Denn Du entkleidest mich. Mit geduldiger Hand nimmst Du mir jede Schicht: meinen Mantel, der mich wärmte, und den ich für mütterliche Liebe hielt. Mein Hemd, das mich ordnete, und das ich für väterliche Liebe hielt. Meine Kleider, die mich schmückten, und die ich für romantische Liebe hielt. Meine Uniform, die mich einreihte, und die ich für Nächstenliebe hielt. Meine Stiefel, die mich trugen, und die ich für Gottesliebe hielt.

Entkleidet hast Du mich, doch nicht um mich zu beschämen. Entkleidet hast Du mich, dass ich erahnen könnte, wie gross die Liebe ist.

Die Liebe verwandelt alles. Sie macht uns sehend und hörend, aufmerksam für alles was in uns und um uns lebt und pulsiert. Sie erinnert uns an unsere Verbundenheit, noch während sie uns von der Freiheit erzählt. Sie durchtrennt unsere Fesseln, doch auf eine Weise, die uns zu den Dingen hin befreit. In jener Freiheit stehlen wir uns nicht davon, entlastet und abgewandt. In jeder Freiheit wenden wir uns den Dingen zu, und unsere geöffneten Hände nehmen begierig und mutig den Lebensfaden auf, den zu knüpfen wir einst versprachen. Diese Freiheit ist eine Freiheit zur Hingabe, und diese Hingabe scheut nicht den Staub auf den Straßen und die Tränen im Gesicht des Nächsten, und sie weiß um die Gräber, über denen der Morgen noch nicht leuchtet.

Solche Liebe zeigst Du mir in meiner Nacktheit, und keine Ordnung, kein Gesetz, keine Regel die wir uns erdachten um den Strom der Liebe zu bändigen, hat darin Bestand.

Du zeigst mir Liebe, die nicht von dieser Welt ist, und deren Weg doch ins Herz dieser Welt führt und in alle ihre Blutgefäße, derer auch ich eines bin. Und mich verlangt es nicht nach Unverwundbarkeit oder nach seliger Ruhe, denn meine Arbeit, unsere Arbeit ist noch nicht getan.

Die Liebe höret niemals auf, sagtest Du uns. Und jeder meiner Atemzüge weiß das. Mit dieser Gewissheit möchte ich selbst Liebe sein in dieser Welt, heute, morgen, und bis zum letzten meiner Tage.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 11: Klarheit

© Jennifer Baird

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Klarheit“.

Eine unruhige See bin ich. Gedanken nehmen mich mit auf Reisen, Gefühle stärken und schwächen mich, immerzu. Immerzu ist diese Welt in Bewegung, und meine innere Welt folgt ihr mit ihrer Bewegtheit.

Du aber breitest eine See der Klarheit vor mir aus. Du aber sagst: Nimm. Trink. Werde.

Ich möchte Deine Klarheit hereinlassen. Möchte ihr sagen: komm und zähme meine Gedanken. Komm und streiche die Wogen aus meinem Gemüt. Komm und löse die Knoten, an denen ich strauchle, immer wieder.

Eine klare See will ich sein, die Deinen Himmel spiegelt. Die nichts hinzufügt und nichts wegnimmt, die ist, weil Du es so gewollt hast.

Ich möchte hinabsinken auf den Grund der Dinge, dorthin, wo alles still wird. Dorthin, wo das Licht der Klarheit in alle Winkel meines Daseins strahlt, und mich anfüllt mit Bewusst-Sein. Dorthin, wo eine Erinnerung liegt, die Du mir nicht vorenthältst.

Jeden Tag möchte ich dieser Klarheit Einlass gewähren, durch Gebet, durch Meditation, durch Momente der Stille, durch Momente des Innehaltens inmitten Deiner Schönheit, die Du so verschwenderisch in diese Welt gegossen hast.

Je mehr ich in diese See der Klarheit sinke, je mehr ich selbst diese Klarheit werde, um so mehr werde ich ihr Licht in meine Tage und Nächte tragen können. Alles was ich so tue, wird die Ruhe dieses heiligen Gewässers enthalten. Alles was ich so tue, wird Reinheit und Wahrhaftigkeit in sich tragen. Alles was ich so tue, wird Segen sein für diese Welt. Meine Worte werden klar sein, und dem Verstehen dienen. Meine Taten werden klar sein, und der Liebe dienen. Ich selbst werde geklärt sein in wachsender Erkenntnis unserer Verbundenheit. Was mich gestern noch täuschte, wird schwinden. Was mich gestern noch irritierte, vergehen. Dort wo Klarheit sich ausbreitet, werde ich mehr und mehr wahrhaftig und frei, und alles darf daran teilhaben.

Auf diesem Weg der Vervollkommnung gib Du mir Geleit.

Du Quelle der Klarheit, eine klare See will ich sein, die Deinen Himmel spiegelt.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 10: Mitgefühl

© Albena

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Mitgefühl“.

Manchmal erinnert sich etwas in mir daran, mit allem verbunden zu sein. Dann ist mir der Zweig vertraut wie meine rechte Hand, das Wasser wie mein Blut, der Himmel wie meine Haut. Alles spricht zu mir und hört mein Sprechen. Alles lädt mich ein und sagt: Komm.

Dann bin ich tief in den Armen des Mitgefühls, dort, wo das Andere niemals das Fremde ist. Dort wo jeder meiner Blicke erwidert wird. Dort, wo jeder Schmerz auch meiner ist.

Dann schmerzt meine Hand, wenn der Zweig bricht, und mein Blut klagt, wenn das Wasser versiegt, und meine Haut brennt, wenn der Himmel sich verfinstert. Denn wir fließen im selben Strom, und alles was dort Kreise zieht, zieht Kreise bis hin zu meinem Herzen.

So ist es auch mit Dir, Mensch, wenn ich Dich ansehe. Deine Freude rührt immerzu an die meine – und Dein Schmerz weckt meinen Schmerz aus seinem Schlummer. Auf viele Weisen wissen wir uns vor dem Schmerz des Anderen zu schützen, wir lernen dies, kaum dass wir in diese Welt gekommen sind. Was aber schützt uns vor einer Welt ohne Mitgefühl?

Heute öffne ich mein Herz, um Dich, Du uferlose Kraft des Mitgefühls, einzuladen. Komm und lehre mich das Hören. Komm und lehre mich das Sehen. Dass ich die Klage höre und folge. Dass ich das Zerbrochene sehe und verweile. In Deinen Armen, an der Seite des Menschen. Nicht, um im Leiden aneinander gebunden das Schmerzende festzuhalten. Doch um im Wachsen einander verbunden das Schmerzende zu befrieden.

Du heiliges Mitgefühl, das Du immerzu aus der Barmherzigkeit Gottes fließt: ströme in mein Sein, und lass mein Sein selbst Strom des Mitgefühls in dieser Welt sein.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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