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Posts Tagged ‘Nachtgebet’

Deck die Sonne zu, Du stillstes aller Worte,
deck die Wunden zu, Du kummerloser Dank,
der ernste Engel der Vollendung schließt die Pforte,
und benetzt die Lippen Dir mit schwerem Trank.

Leg die Fragen dieses Tages in die Erde,
die Dich trägt und Deine Sohlen zärtlich küsst,
jeder Abend trägt Dir auf: nun stirb und werde
was die Liebe Gottes hier auf Erden ist.

Deck die Sonne zu, Du innigstes Versprechen,
auch das Rot des Morgens wächst in Dunkelheit.
Jeder Traum darf leuchten, klingen und zerbrechen.
In Dir glüht schon jetzt das Licht der Ewigkeit.

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Die Nacht steht an der Schwelle. Lass sinken Deine Hände.
Gib dem Vollender, was versiegte, was gelang.
Das Sonnenhelle, und auch das Dunkle braucht sein Ende.
Nicht länger sei Dein Herz so ruhelos und bang.

Dein Schlaf sei wie ein Garten. Die Fülle seiner Blüten
und seiner Düfte nähre Deinen Seelengrund.
Die Welt kann warten. Mutter Nacht wird Dich behüten.
Lass Dich nur wiegen. Jeder Riss wird einst gesund.

(Gedichte und Nachtgebete findest Du auch in Giannina Wedde „Dorn der Liebe“, echter Verlag 2015, überall im Buchhandel und im Klanggebet Shop)

Bild: Pablo Picasso

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In den Nächten, wenn es still wird, lern’ ich danken
für alles Gute, das die Liebe mir geschenkt.
Und ich denke an die Traurigen und Kranken,
deren Hügelschultern niemand sanft umfängt.

Und ich schicke, wie ein Hüter zahmer Tauben
diese Vögel stiller Hoffnung in die Welt:
niemand ließe unter Tränen seinen Glauben,
krank vor Einsamkeit, die alle einst befällt.

Gib doch den Händen, die ich zu Dir betend, falte
ein tiefes Wissen, das nie mehr, nie mehr vergeht,
dass ich selbst den Balsam süsser Lind’rung halte,
den der Leidende von Dir, mein Gott, erfleht.

Gib doch den Worten, die ich suchend, ringend spreche
eine Zärtlichkeit, die manche Wunde heilt.
Wenn ich selbst einmal am Fels der Angst zerbreche,
schicke Einen mir, der liebevoll verweilt.

voegel

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Ein Weihnachts- und Jahresendbrief von Herz zu Herz

Liebe Freunde,

ein bewegtes Jahr geht zuende, und 2014 steht vor der Tür. Ich möchte zum Jahresende vor allem etwas zu jenen sagen, bei denen sich Schwere und Traurigkeit in den Jahresübergang mischen. Zu jenen, die mit Erschöpfung, Ungewissheit und möglicherweise Mutlosigkeit ins neue Jahr blicken.

In diesem Jahr haben mich auf der Suche nach Rat und Begleitung viele Menschen kontaktiert, die sich als verzweifelt bezeichneten, als schwermütig, zerrissen oder müde. Sie erzählten mir von schweren Einschnitten, von Abschieden, von beruflichem Scheitern, Krankheit, und von schmerzlichen Trennungen nach langjährigen Beziehungen. Sie erzählten mir auch vom Sterben geliebter Menschen und von dem Gefühl, mit allem, worauf ihr spirituelles Leben sie stets verweist, im Kampf zu sein. Allein zu sein.

Auch ich musste in diesem Jahr mehr denn je innere Entwicklungsprozesse austragen, die nicht selten den Charakter von Kampf trugen. Auch ich habe das ein oder andere schmerzlich verlieren müssen, und auch ich musste den Tod eines Menschen hinnehmen, der mir einmal so viel bedeutet hat. Es fiel mir auch daher nicht schwer, jene zu verstehen und mitfühlend zu begleiten, auf denen Verluste, Ängste, Trennungen oder spirituelle Krisen lasteten.

Was lehrt es uns, wenn wir Besitztümer verlieren, wenn wir Vertrautheiten, wenn wir berufliche Erfolge verlieren, oder unsere Ordnung? Ich denke, es lehrt uns eines: dass wir nichts haben. Wir möchten so gerne glauben, dass wir alles haben können, dass uns Glück, Reichtum und Erfolg per Geburtsrecht zustehen, und deswegen rennen wir all den Predigern die Türen ein, die uns genau das erzählen. Die uns sagen: die freie Marktwirtschaft des Seelischen hält Top-Konditionen für Dich bereit.

Aber wenn wir uns ans Herz fassen, und wenn wir still werden, und wenn wir mit gesundem Menschenverstand und mit Achtung vor allem was ist auf die Dinge blicken, dann sehen wir, dass wir nichts haben. Wir kommen mit leeren Händen auf die Welt, und wir gehen mit leeren Händen. Und was sind wir zwischen unserem Kommen und Gehen anderes, als Hüter und Verwalter der endlichen Dinge, die uns in unsere endlichen Hände gelegt wurden?

Hüter und Verwalter der endlichen Erscheinungen aber halten nicht fest an dem, was ihnen nicht gehört, und sie halten nicht fest an dem, was ihnen genommen wird wenn die Zeit gekommen ist.

Und noch weniger lassen sie zu, dass sie von den Dingen, die sie verwalten, in Besitz genommen werden. Auch nicht von Ordnungen. Auch nicht von Selbstbildern. Von keinem materiellen oder ideellen Konstrukt.

Dies ist keine bittere Erkenntnis, sondern eine, die uns nähren und tragen kann, denn erst wenn wir begreifen, dass wir nichts haben, umarmt uns die Erkenntnis, dass wir alles haben. Wir mögen unsere Besitztümer verlieren oder unsere Karrieren, unsere Ehen, unsere äußere Ordnung, ja sogar unseren Glauben. Unsere Naivität zu denken, dass alles immer so weiter gehe wie wir es schätzen.

Einmal kommt der Punkt, da sickert unweigerlich die Erkenntnis zu uns durch, dass wir ungeachtet all dieser Verluste doch immer noch leben. Immer noch denken, fühlen, atmen, lieben, immer noch unsere Hände und unsere Schöpferkraft haben, und immer noch Zugang zu Schönheit, die uns an jedem Morgenhimmel grüsst. Immer noch im Herzen unbeschadet sind. Manch einer fühlt nach dem ersten Kummer eine Kühnheit in sich aufsteigen, wenn er etwas Bedeutendes verliert, und diese Kühnheit ist ein Aufbegehren, weil wir spüren dass das was wir zu besitzen glaubten, uns besaß – und besetzte. Und diese Kühnheit ist noch mehr: sie ist die Ahnung des nicht endlichen Seins, der tiefen Freiheit, die Erfahrung, dass in uns eine Instanz ist, die durch nichts beschädigt wird. Die immer heil ist, was da auch kommt. Die in sich die evolutionäre Kraft des Universums trägt, die strebt und wächst und einen immer vollkommeneren Ausdruck ihrer selbst sucht, die zu immer klarerer Bewusstheit hinblüht.

Diese Instanz ist unser tiefstes Wesen. Unser Gewahrsein, unser Seelengrund. Hier eröffnet sich die Welt, in der wir uns entgrenzen lassen können. Stell Dir eine Zwiebel vor mit ihren vielen Hautschichten. Haut um Haut lässt Du los, jedes Mal wenn Dir ein Selbstbild, eine vertraute Ordnung, ein Besitz verloren geht. Denn jedes mal wirft das Leben die Frage auf: Erschöpfte sich Dein Wesen in diesem Selbstbild? Bist Du weniger geworden durch den Verlust Deiner Ordnung? Bist Du beschädigt durch den Verlust Deines Hauses? Bist Du kein vollständiger Mensch mehr, weil Dein Partner fort ist? Bist Du weniger Schöpfer, weil Du ohnmächtig bist?
Und wenn Du ehrlich bist, musst Du sagen: nein.
Das ist großartig.

Wenn uns das Leben an diesen Punkt führt, an dem wir dieses nein sprechen können, dann dürfen wir dankbar sein, denn es führt uns zum größten Ja, zur Akzeptanz dessen, was ist, und zur Akzeptanz und Würdigung unserer Verantwortung und Gestaltungskraft. Wir nehmen uns die Zeit, das Alte zu betrauern. Trauer ist gut und heilsam. Und dann üben wir uns darin, die Erkenntnis die darin liegt, dankbar anzunehmen und uns von ihr formen zu lassen.

Der Tod ist zweifellos der strengste Lehrer. Denn er erinnert uns daran, dass wir nichts besitzen, auch nicht die Zeit mit einem Menschen. Wenn sie abgelaufen ist, müssen wir es annehmen. Müssen auch annehmen, dass wir wünschten, wir hätten vieles besser gemacht. Dort, wo wir unbeschadet sind, wissen wir jedoch, dass kein Leben je verloren ist. Und dass nichts jemals aus dem Ozean fällt, der jedes Leben hervorbringt.

Es hat einen Grund, dass es in schamanischen Traditionen Trauerrituale gibt, in denen Tränen gesammelt werden. Es hat einen Grund, dass die Tara aus dem Buddhismus in einer Lotosblüte aus einem Meer der Tränen aufsteigt. Es hat einen Grund, dass in christlicher Volksfrömmigkeit Menschen ihre Tränen der Gottesmutter oder Jesus darbringen. Aus diesen Bildern und Ritualen grüsst uns das Wissen, dass am Grunde des tiefsten Verlustes das Unverlierbare wartet. Hier drückt sich unsere Ahnung aus, dass uns Menschen die schöpferische Kraft innewohnt, aus Schmerz eine treibende Kraft zum Guten hervorzubringen. Dort, wo wir Leiden erleben und beobachten, drängt aus unserer Brust eine Sehnsucht nach einer besseren Welt. Ein evolutionärer Wille zum Guten. Geben wir uns diesem Willen hin.

Zwischen dem, was Du heute verlierst, und dem, was Du morgen erringst, liegt alles was Du brauchst. Alles was Du bist. Ein unbeschadeter, unverrückbarer Ort des Lebens.

Diese Zeit ist zweifelsohne eine Zeit der Ent-deckung. Das, was wir im Innersten sind, möchte aufgedeckt und entfaltet werden. Und wir sind dazu imstande, diese Entfaltung zu bejahen und auszutragen. Auch wenn wir uns mal klein oder überfordert fühlen.

Hab Mut und sprich auch Anderen Mut zu. Hab Vertrauen und sei vertrauenswürdig. Sei nachsichtig mit Dir und Anderen, wenn Dir oder ihnen mal der Mut sinkt. Vergiss nicht, dass jedem Tag, jedem Moment die Möglichkeit der Erneuerung innewohnt. Es gibt kein Zuspät für Veränderung, für Erkenntnis, für Versöhnung, für Tatkraft, für Liebe. Für die Erfahrung des Unendlichen in Deiner heiligen, einzigartigen Endlichkeit.

Ich wünsche Dir ein frohes Weihnachtsfest, besinnliche Rauhnächte und ein gesegnetes, lebendiges und herzensfrohes 2014.

Giannina

(Ich verabschiede mich bis Anfang Januar in die Stille und wünsche Euch eine gute Zeit ♥)

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Du göttlicher Geist, der Du mich umgibst
und in mir wohnst
beschenke mich mit tiefem Schlaf
führe die Gedanken des Tages sanft ins Schweigen
die Gefühle des Tages zart zur Ruhe
und die Worte des Tages in tiefe Stille

Bette meine Seele in Deine Liebe
und meinen Körper in Deine Obhut

Sende die Engel des Schlafs zu mir
mich zu segnen, mich zu schützen
und mich zu beschenken
mit Träumen, die mich weiser machen
und die mich tiefer in die Liebe führen
in die Liebe zu mir selbst, zur Welt und zu Dir

Schenke mir Ruhe, die meinen Körper belebt
und meine Seele beflügelt

Dann schenke mir Erwachen
mit einem Herzen, das den Tag voller Freude begrüsst
und einem klaren, wachen Geist

So wie die Nacht zum Tag wird
wandle alles Unerlöste in mir zu Licht
So wie das Dunkel der Morgenröte weicht
wandle alle Angst in mir zu Vertrauen
So wie die Vögel am Morgen die Sonne preisen
lass mich ein lebendiges Lied der Freude sein

(Giannina)

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