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Posts Tagged ‘Suche’

Es ist ein Mysterium menschlichen Lebens, dass wir viele Dinge finden, wenn wir aufhören sie zu suchen, viele Dinge sich uns schenken, wenn wir aufhören sie besitzen zu wollen, viele Dinge sich offenbaren, wenn wir aufhören sie entschleiern zu wollen, und viele Dinge in Beziehung mit uns treten, wenn wir aufhören ihre Bezogenheit auf uns zu erzwingen. So geschieht es uns manchmal, dass ein Moment, dem kein Glanz, keine Bedeutung, kein Triumph und kein Nutzen innewohnt, uns mütterlich hineinnimmt ins Herz der Ewigkeit.

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Was kann der Mensch anderes wünschen, als ins Leben zu finden. Überall da jedoch, wo wir unerbittlich Widersprüche auflösen wollen, innere Kämpfe leugnen, dort wo wir aufhören zu zweifeln und zu fragen, dort wo wir aufhören an der Welt wie sie ist, zu leiden, finden wir nicht ins Leben, finden wir nur in das Verlies unserer Angst, die uns bewahren will vor dem was sticht, doch auch vor der Wahrheit darunter.

Zwischen der erfahrbaren Vollkommenheit der Schöpfung und ihren Wunden liegt eine Spannung. Zwischen der Bestimmung, die wir so oft erahnen, und dem freien Willen, den wir so oft nicht zu nutzen wissen, liegt eine Spannung. Zwischen der Reue, die wir über unser Versagen empfinden und der Kraft, die wir aus dem Willen zur Wiedergutmachung schöpfen, liegt eine Spannung. Zwischen der Hingabe noch, die alles gibt, und die doch ein Alleslassen ist. Zwischen dem Willen zur Veränderung, und der Gewissheit, dass in allem etwas Unveränderliches wohnt. Zwischen der Klage und dem Dank. Dem Ewigen und der Brüchigkeit der Erscheinungen.

Und ins Leben zu finden, das kann nicht bedeuten, diese Spannung zu leugnen, sie auflösen zu wollen oder sie zu fürchten. Ins Leben zu finden, und dies ist zugleich Spirituell-Sein, bedeutet, diese Spannung zunächst auszuhalten und dann auszutragen. Als Frage, die Antwort sucht, und als Antwort, die neue Fragen hervorbringt. Als Verstehen in Gedanken, Herz und Hand, das sich in unseren Begegnungen ereignet. Und der Schmerz wird so ein anderer, weil er nicht länger der Schmerz der Versagung ist. Und die Liebe wird so eine andere, weil sie endlich eine Liebe zum Du ist.

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Manchmal sehen wir gar nicht mehr, wie gnadenlos unsere Konzepte von Heilung sind. Gebetsmühlenartig predigen wir, dass dies und jenes noch aufgelöst werden müsse, dass dies und jenes noch losgelassen werde müsse, und dass das ein oder andere uns noch bremse, blockiere, verdunkele oder schwäche, unsere Berufung vernebele, unsere glückliche Partnerschaft ausbremse.

Wir sagen zu Kranken: Du bist krank, weil. Und sie quälen sich bisweilen jahrelang mit Auflösungsarbeit herum, nur weil sie glauben, sie hätten sich ihre Misere selbst eingebrockt. Sicher gibt es krankmachendes Verhalten – aber wer ist in der Lage einem Kranken mit Bestimmtheit zu sagen, woher sein Leiden kommt?

Als wäre das nicht genug, überfrachten wir unser Leben oder das Anderer mit vermeintlichen karmischen Verstrickungen, alten Sünden aus alten Leben, mit ungelösten Rätseln aus Inkarnationen, mit Seelenverträgen, offenen Rechnungen, uneingelösten Schwüren, unintegrierten Kräften und so weiter und so fort.

Wir vergessen dabei gern, dass all diese Modelle uns ursprünglich dazu verhelfen sollten, innerhalb eines symbolhaften Kontextes Probleme zu lösen, die unser momentanes Leben direkt betreffen. Und nur innerhalb der Parameter eines bestehenden Problems und einer gewünschten Lösung haben solche Modelle überhaupt ihre Berechtigung. Wenn wir das vergessen, versklaven wir uns und Andere und legen ihnen ein Joch auf, unter dem jedes Leben in Gefahr ist, zu ersticken. Und wir erschaffen Abhängigkeiten – zwischen jenen die Heilberufe ausüben und jenen, die als Klienten Hilfe in Anspruch nehmen. Denn das Rumdoktern an inneren Blockaden, für einen Moment in dem endlich alles in Ordnung sei, endet niemals.

Es wird nie aufhören, dass wir etwas in uns noch als „unheil“ empfinden. Es wird nie aufhören, dass wir denken, dies oder jenes könnte noch besser sein, noch klarer, noch froher. Es wird auch nie aufhören, dass wir denken, wir hätten etwas besser machen können. Das alles sind menschliche Gefühle und Gedanken, Teil menschlichen Lebens. Kurzum: es gibt diesen Moment nicht, auf den wir nahezu manisch hinarbeiten, diesen Moment in dem wir uns endlich „bereit“ fühlen. Bereit wozu eigentlich? Bereit, Gott zu begegnen? Bereit, der Welt zu begegnen? Bereit, uns selbst zu begegnen?

Wenn wir uns erlauben, für einige Tage innezuhalten, und die Besessenheit des An-uns-Arbeitens ruhen zu lassen, wenn wir für einige Tage in die Stille gehen, in die Ordnung der Natur, in die Uferlosigkeit des Gebets, wenn wir Zeit mit Menschen verbringen, die uns immer schon liebten, egal wir unmöglich wir uns aufführten, dann, ja dann dämmert uns vielleicht, wie einfach es im Grunde ist:

Das Leben ist jetzt. Und jede Sekunde, jeder Atemzug öffnet uns eine Tür, das Leben zu bejahen. Unsere Verantwortung und Freiheit, unsere Gestaltungskraft anzunehmen und sie auszufüllen.

Wenn Du Dich berufen fühlst, Menschen gut zu sein, dann sei ihnen gut. Dafür musst Du nicht erst eine vierstöckige Heilpraxis besitzen, Du kannst das auch am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn. Wenn Du Dich berufen fühlst, Deine Gaben zu leben, dann verhilf Deinen Gaben zu Raum, egal was gestern war. Kannst Du gut zuhören, dann höre zu. Kannst Du Dinge mit Humor betrachten, dann bring Menschen zum Lachen. Kannst Du gut mit Pflanzen umgehen, dann arbeite mit Pflanzen.

Das, was Du krampfhaft auflösen, loslassen, loswerden willst: nimm es mit (sonst nimmt es Dich mit). Nimm es mit als Zeilen Deiner Lebensgeschichte. Deine weiteren Lebenskapitel werden vielleicht wunderbare Wendungen nehmen, aber deswegen solltest Du die ersten Kapitel nicht ausradieren wollen. Lerne, Deine Biographie zu umarmen. Aber denke nicht, dass Du nicht Dein Leben leben kannst, während Dir das noch nicht gelingt. Heilung ist ein Werden. Dinge werden in uns heil, während wir leben. Dinge werden uns zur Antwort, während wir mit Fragen in unserem Herzen leben. Dinge werden uns zum Segen, während wir mit all den Traurigkeiten in uns tatkräftig durchs Leben gehen.

Das, was Du über „andere Inkarnationen“ vermutest – wem nützt es? Verantwortungsvoll ist der, der für sein Leben Verantwortung übernimmt, und die Verantwortung für ein Leben reicht dem Menschen erfahrungsgemäß aus. An mehr können wir nur scheitern.

Wenn Du angesichts der Stille des Gebets, der Schönheit der Natur oder der Wärme Deiner Liebsten ahnen kannst, wie uferlos Gottes Güte und Liebe sind, wie kannst Du Dich oder Andere da mit gnadenlosen Konzepten martern, die immer und immer wieder in die Wunde stechen, die immer und immer neue Wunden suchen und die Dir immer und immer wieder die Last auferlegen, tagein tagaus um Dich selbst zu kreisen?

Einen Neubeginn wünschen sich viele Menschen. Und dieser Neubeginn kann jetzt sein. Ich trage in meinem Herzen die Gewissheit, dass ein aufrichtiges Gebet uns hier und heute – jederzeit – die Tür öffnen kann in ein Leben, in dem wir von dieser qualvollen Ichbezogenheit befreit sein werden, jeden Tag ein wenig mehr. Es könnte vielleicht so lauten:

Gott,
Du Seele aller Dinge
Du Quelle allen Seins
Du Urgrund aller Liebe
Ich möchte Mensch sein und das Menschsein umarmen.
Möchte die Gaben, die Du mir schenktest, entfalten zum Wohle Aller.
Ich lege meine Gedanken, Worte und Taten vor Dich wie leere Schalen.
Fülle Du sie an mit Deiner Liebe.
Verzeih mir, womit ich der Liebe nicht entsprach,
und hilf mir, mir selbst und Anderen immer zu verzeihen.
Hilf mir, jeden Tag ein wenig mehr das Geheimnis des Lebens zu begreifen,
und die Heiligkeit des Lebens zu ehren und zu feiern.
Ich danke Dir, dass ich auch in Momenten, in denen ich nichts mehr weiss,
um Deine Liebe wissen darf, die mich immerzu trägt, durchdringt und segnet.
Amen

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Oftmals, auf Nachfrage, entkleidet sich unser Streben nach dem „Erwachen“ in Sätzen wie „Ich will glücklich sein“ oder „Ich will das Leben meistern“. Oftmals auch geben diese Sätze wiederum den Blick auf den darunter liegenden Wunsch frei: „Ich will frei von Schmerz sein“.

Es ist der Schmerz, den wir um jeden Preis bändigen, heilen, auflösen, loslassen, vergessen, transzendieren, aufgeben wollen, und dafür werden wir so erfindungsreich in Theorie und Praxis, dass spürbar wird: hier geht es buchstäblich um Leben und Tod.

Denn alle Angst vor dem Schmerz ist letzten Endes eine Angst vor dem Tod. Eine Angst vor dem Ende des Glücks, der Gesundheit, der Familie, der Partnerschaft, des Wohlstands, der physischen Existenz, der Person.

Noch unsere spirituellen Konzepte sind oftmals leicht zu entlarvende Ränkespiele, mit denen wir uns schnell in den Gedanken der Ewigkeit und der All-Einheit, des Sinns oder der Vorbestimmung flüchten, bevor die Vorstellung unseres Schwindens uns auch nur einen erhöhten Puls verschafft. Da tun wir, was wir so oft und unerbittlich tun: wir überspringen das eine, das Notwendige, und nehmen unser Ankommen vorweg. Und der Grund dafür ist nichts weiter als Angst – unser Ankommen aber bleibt Selbstbetrug (und oft genug auch: Betrug an Anderen!)

Erzählen uns Krishna, der lachende Buddha oder der auferstandene Christus von der Abwesenheit von Schmerz oder der Möglichkeit, den Tod zu betrügen? Ich denke nicht. Für Krishna oder Buddha aber mögen jene sprechen, die sie besser kennen. Ich für meinen Teil blicke auf meine Wurzeln und sehe den Weg des Christus. Und dieser erzählt uns von der Erfahrung schmerzlicher Wirklichkeiten, die angenommen und durchlebt werden wollen. Er offenbart uns keine Formel, die wir künftig auf schmerzvolle Erfahrungen anwenden können, um uns die Tränen zu ersparen. Stattdessen lädt er uns ein, die Tränen zu weinen, mit aller Hingabe, und das Lachen zu lachen, mit ebensolcher Hingabe.

Weder gilt es, den Schmerz zu halten noch ihn aufzulösen (und bitte: ich rede hier von der inneren Erfahrung von Schmerz, und keineswegs davon, dass man leidverursachende Strukturen in der Welt nicht mit aller Tatkraft ändern sollte!). Weder gilt es, das Glück zu halten, noch es aufzulösen. Das, was wir sind, jenseits der Schmerzen, ist mehr als der Schmerz. Das, was wir sind, jenseits des Glücks, ist mehr als das Glück. Und dieses Sein hat kein Bestreben, uns vor Schmerz oder Glück zu bewahren, die es selbst als Schöpfung hervorgebracht hat.

Wenn ich versucht bin, mir eine Erfahrung schönzureden, sie zu meiden, sie auszubessern, wenn ich an meiner Trauer herumdoktere oder an meiner Unfähigkeit zur Vergebung, wenn ich einen Kummer vorschnell zum Schweigen bringen oder eine Angst wegrationalisieren will, wenn ich versucht bin, mich in ein geiziges, einsames Glück zu kleiden wie in Watte, dann rufe ich mir ein Bild vor Augen, das mich innerhalb weniger Sekunden neu ausrichtet (Metanoia):

Es ist das Bild von Jesus im Ölgarten, der darum bittet, der Kelch möge an ihm vorübergehen, und der sich dann betend den Satz erringt „Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe“.

Dieser Satz ist keine Einladung zu Fatalismus oder Determinismus, er ist kein Aufgeben der Souveränität in ein frommes Sklaventum. Dieser Satz ist ein Dialog zwischen endlicher Existenz und unendlichem Sein, zwischen Illusion und Wirklichkeit, zwischen Angst und Liebe. Dieser Satz ist eine Kapitulation im besten Sinne: Ausdruck der Bereitschaft, einer Erfahrung zu begegnen und sie zu durchschreiten. Er bedeutet die Bereitschaft, der Wahrheit, die an unserem Herzensgrund liegt, zu begegnen, durch alle schmerzlichen Unwahrheiten unseres Lebens und Strebens hindurch. Dieser Satz, da er Schmerz bejaht anstatt ihn zu fliehen, ist eine Tür zum Anderen, an dessen Schmerz wir nun wahrhaftig mitfühlend Anteil nehmen können.

„Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe“ – das ist ein Trümmerfeld, aus dem eine Blüte treibt.

Erst wenn der Kelch geleert ist, und Du hast Deinen zu leeren wie ich den meinen, erst wenn wir uns haben stechen lassen dort wo es wirklich weh tut, in der Wunde unserer Endlichkeit, kann etwas in uns singen: Oh Tod, wo ist Dein Stachel nun.

Das ist Befreiung. Nicht Befreiung vom Leben in der Welt, sondern Befreiung zum Leben in der Welt hin. Befreiung vom Zwang, das Ich schützen und eine Denkungsart, Geisteshaltung oder ein Bekenntnis tragen zu müssen wie eine Rüstung. Befreiung in eine Handlungsfähigkeit und schöpferische Kraft, die Ausdruck von Liebe und Menschlichkeit ist.

Bild: Johan Georg Frans Schwartz, Christus im Ölgarten

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Das Problem ist nicht, dass wir heute weniger mystische Erfahrungen, Gotteserfahrungen, Einheitserfahrungen erleben als die Menschen früherer Zeiten. Wenn wir aufmerksam zuhören, dämmert uns, dass sehr viele Menschen diese Erfahrungen machen. Das Problem ist, was unser Alltagsbewusstsein, unsere Kleinlichkeit, daraus macht. Unser Egoismus, unser Narzissmus, reisst diese Erfahrungen gerne an sich, um sie für etwas anderes zu instrumentalisieren. Wir geniessen das Gefühl, anderen überlegen zu sein.

Wir geniessen das Gefälle, das wir zwischen dem Anderen und uns vermuten. Wir kauen genüsslich auf dem Gefühl herum, dem Anderen Lehrer sein zu können, Guru vielleicht, Heiler oder Priester, Erwachter unter Schlafenden. Kurzum: unser kleines Ich instrumentalisiert dieses Wunder, dieses uferlose Große allzu gern, um daraus etwas vermeintlich Nützliches zu quetschen. Was dem Ego nützt, dient aber noch lange nicht dem Menschen.

Die Kleinlichkeiten sind menschlich, da muss man nicht lamentieren, aber man muss schon den Mut und die Ehrlichkeit aufbringen, diesen menschlichen Regungen ins Gesicht zu blicken. Wir müssen unsere Erfahrungen der Unendlichkeit einfach wieder mutig all der Selbstsucht entkleiden, die sich – bemerkt oder unbemerkt – eingeschlichen hat. Dann erkennen wir uns selbst wieder besser. Dann erkennen und anerkennen wir auch endlich den Anderen, den wir gar nicht mehr gesehen haben, und auch gar nicht sehen wollten, weil uns das Bild von ihm viel lieber war als er selbst.

Es ist keine wahnsinnige Abstraktionsleistung, die da von uns verlangt wird, keine riesige Transformationsarbeit, kein unerreichbares Mysterium. Es reicht schon, wenn wir uns einfach mal in Stille hinsetzen, uns vergegenwärtigen, wie diese Momente waren, in denen das namenlose Schöne in unser Leben einbrach, einsickerte, hineinschimmerte. Es reicht schon, dass wir uns dann vergegenwärtigen, dass es auch jetzt da ist, egal wie stark oder schwach wir es fühlen. Und dann, in Aufrichtigkeit, einfach zu fragen: was macht denn diese Erfahrung mit mir. Was macht sie aus mir.

Binnen Sekunden ist es dann da, dieses Wissen, dieser Geschmack, diese Gegenwart der Erkenntnis, dass die mystische Erfahrung uns nicht grösser, besser, toller, überlegener macht. Sie macht uns nackter, verwundbarer, kleiner – weil all des Ballasts des Irgendwieseinwollens entkleidet – und sie schafft eine Nähe zwischen uns und dem Anderen, weil wir erleben, wie ähnlich, wie verbunden wir einander sind. Unsere Größe, die wir darin erfahren, ist keine Größe der Person, des Besitzes oder der Errungenschaft. Diese Größe ist die Größe eines Beschenktseins. Und dieses Beschenktsein kann nur zutiefst demütig machen.

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Manchmal, wenn wir durch Schicht um Schicht unserer Weltanschauungen gestürzt und gesunken sind, durch unseren Glauben, unsere spirituellen Lehren, unsere Konzepte, schlagen wir auf dem Grund der Erkenntnis auf, dass es ein Verstehen gibt, das nicht an Worten reifen kann, nicht an der Anschauung derer, die verwirklicht scheinen, und erst recht nicht an dem Wunsch, erklärend Angst zu zähmen.

Dieses Verstehen gibt es nur um den Preis unserer ganzen Existenz, unseres Seins ebenso wie unseres Handelns, und dieses schließt eine Freiheit ein, die so bodenlos ist, dass wir wiederum stürzen und fallen, noch aus der Beruhigung einer individuellen Bestimmung, der wir bloß Folge zu leisten hätten.

Und fallend dämmert es uns, wie ein Morgen nach endloser Nacht, dass wir selbst lebend Verstehen werden. Dieses Verstehen ist die Liebe selbst, von der wir annahmen, wir müssten sie erst finden, bevor wir uns die Fähigkeit erwürben, wahrhaftig Mensch zu sein.

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Viele Christen feiern heute die heiligen drei Könige, die dem Stern folgend Jesus finden und ihm drei Gaben darbringen: Gold, Myrrhe und Weihrauch. Was versinnbildlichen diese drei Gaben? Im folgenden möchte ich die Gaben betrachten – um das nicht zu ausufernd zu gestalten, müssen diese Betrachtungen notizhaft bleiben – ein jeder kann ja tiefer in die Materie dringen.

Gold war zur Zeit Jesu das kostbarste, das die Erde hervorbrachte. Allein Königen stand der Besitz von Gold zu. Jesus Gold darzubringen, bedeutete also, ihn als König anzuerkennen. Nicht über irdene Reiche, sondern über die gesamte Schöpfung. Hier zeichnet sich das Glaubensbekenntnis ab, dass Jesus Inkarnation Gottes ist. Durch die Gabe des Goldes anerkennt der Mensch die Herrschaft des „Reiches Gottes“ über die Herrschaft der Ego-Natur. Er widersagt der Machtgier der Ego-Natur und überantwortet sich der Kraft Gottes. Der Mensch, der auf der Suche nach spiritueller Erfahrung ist und die leise Stimme an seinem Seelengrund hören und ihr folgen möchte, steht jeden Tag vor dieser Entscheidung, wem er die Herrschaft, das letzte Wort, die Richtungsweisung überlässt. Ob er sich in seinen Sorgen, Ängsten, in seiner Wut, seinem Schmerz, seinem Besitz und seinen Gedanken verliert, oder ob er sich auf die Suche nach dem macht, was über die Grenzen seiner Person hinausweist. Die Kraft der Liebe anzuerkennen, bedeutet nicht, das Ego zu bekämpfen, gering zu achten oder zu dämonisieren. Es bedeutet, das Ego in den Dienst der Liebe zu stellen, es durchdringen zu lassen, bis es sich verwandelt.

Verwandlung ist auch das Wort, für das Gold steht. Die Alchemie kreiste in weiten Teilen um den Wunsch, aus unedlen Metallen Gold herzustellen. Der Weg dahin hiess: Transmutation. Transmutation bedeutet Umwandlung, und dieser Begriff ist in spirituellen Traditionen ebenso verankert wie in der Alchemie. Es gibt so etwas wie eine „Alchemie der Seele“. Der Mensch, der der inkarnierten Gottheit Gold darbringt, spricht auch eine Bereitschaft zur Umwandlung aus. Er sagt: ich bin bereit, mich von Dir verwandeln zu lassen: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden.“ (Joh 3,30)

Die Myrrhe hat eine vielschichtige Symbolik. Einerseits ist sie in der Heilkunde verankert. Im Judentum ist Myrrhe Bestandteil der Salböle, mit denen Leichname balsamiert wurden. Mit ebensolchen Salbölen wurden aber auch Priester gesalbt wenn sie ihr Amt antraten. Myrrhe war auch ein Betäubungsmittel – eines, das Jesus am Kreuz ablehnte, als es ihm zur Linderung seiner Schmerzen angeboten wurde. Als Duft der Liebenden träufelten Liebende in romantischen Nächten Myrrheöl auf ihre Nachtlager.

In der Myrrhegabe leuchtet nahezu prophetisch das ganze Leben Jesu auf: dass er „Gesalbter“ ist, Priester aller Priester, Errichter eines neuen, lebensumspannenden Gottesdienstes. Dass er Heiler ist, dass unter seinen Händen Menschen gesundeten, und Tote zum Leben erweckt wurden. Dass er selbst Todgeweihter ist, und alle Tode stirbt die ein Mensch sterben kann – den Tod der Angst, den Tod des Verrats, den Tod der Selbstaufgabe. Den Tod des Willens, der sich in Gottes Willen auflöst wie Schnee in Schmelzwasser. Den physischen Tod.
Und die Myrrhe als lieblicher Duft, der zwei Menschen auf die innigste Weise verbindet – kündet nicht auch diese Gabe von dem Christus, der Mensch und Gott, Sein und Werden in einer tiefen Liebesbeziehung in seinem Herzen vereint?

Der Mensch, der Myrrhe darbringt, bejaht die Bitterkeit der Myrrhe, des irdischen Lebens mitsamt seinem Schmerz ebenso wie den Tod des Ego, das sich mehr und mehr in die Hände des Einen ergibt. Er bejaht die Heilung, die in der Hinwendung zum Göttlichen liegt. Der Mensch, der Myrrhe darbringt, bejaht das zweigesichtige Leben, das aus unverrückbarem, unveränderlichem Sein besteht, ebenso wie aus einem niemals versiegenden Werden. Er bejaht das Ewige, das sich in den zahllosen Erscheinungen des Zeitlichen entfaltet.

Was versinnbildlicht nun der Weihrauch? Der Weihrauch ist für mich vor allem Sinnbild des Gebets. Wenn der Psalmist spricht „Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf“, so sieht er sich selbst „aufsteigen“, immer mehr sich dem Göttlichen überantworten. Im Weihrauchopfer kommt vor allem ein Element zur Geltung: das Feuer als schöpferische, reinigende und transformierende Kraft. Die Heilig Geist Symbolik des Christentums ist der mannigfaltigen Verehrung des Feuers entlehnt, und verweist auf die Umwandlung des Menschen. Im Gebet, und ich meine hier ein lebensumspannendes, niemals endendes inneres Beten als mal schweigendes, mal wortreiches, mal tatkräftiges Zwiegespräch mit Gott, wird der Mensch Ton in den Händen des Schöpfers. Mehr und mehr bejaht er ein Leben im Einklang mit Gottes Plan. Lebendiges Gebet ist ein mehr und mehr raumgreifendes „Dein Wille geschehe“.

Die drei Gaben der Weisen sind im Grunde Gaben Gottes an uns: Verwandlung, Heilung, Vereinigung.
Und gleichermaßen sind in, diesem Geschenk antwortend, die Gaben des Menschen an Gott: Hingabe, Bejahung des irdischen Lebens, Gebet.

Betrachtend in die Bilder der christlichen Heilsgeschichte zu gehen, offenbart die Tiefe der Geheimnisse die uns dort (aber nicht nur dort) offenbart wurden. Die Tiefe des Geheimnisses, das Gott in den Menschen gesprochen hat.

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