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Posts Tagged ‘Werden am Du’

Ein Hören

Das schönste Geschenk war,
dass Du mich fragtest.
Dass Du mich fragtest anstatt
zu meinen, anstatt zu glauben,
zu raten, zu tun.
Dass Du mich fragtest wie eine,
die mit mir Wüsten durchwandert
den Quellen entgegen,
mit geteiltem Durst.
Mit Raum im Herzen
für das, was noch tastend
noch ächzend am Du
ersucht, in der Welt zu sein.
Mit Blicken aus Seide
um das keimende Grün nicht zu schrecken,
um nicht zu ritzen
die schneezarte Haut.
Das schönste Geschenk war,
dass Du mich fragtest.
Dass Du mich fragtest wie eine,
die weiss: nur dann
hat das Leben eine Wahl
wenn ein Hören es beschwört.

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Manch ein Leser hier weiss ja, dass ich den lyrischen Ausdruck sehr schätze, als Raum in dem sich über das Unsagbare sprechen lässt. Deswegen ist es mir eine besondere Freude, auf meinen Gedichtband hinzuweisen, der am 14.12. im echter Verlag Würzburg erscheint. In achtzig Gedichten mit einleitenden mystischen Betrachtungen geht es um die Themen Gebet, Werden am Du, Naturverbundenheit, dunkle Nacht der Seele und die Sterblichkeit.

Ihr könnt das Buch ab sofort überall im Buchhandel vorbestellen, aber auch bei mir persönlich (im Shop www.klanggebet-shop.de), so dass Ihr den Band pünktlich zum Erscheinungstermin in Händen haltet. Auf Wunsch schreibe ich auch gern eine Widmung hinein.

Verlagstext: Die Gedichte in diesem Band geben Zeugnis davon, wie mystisches Erleben unserer Verbundenheit mit allem Lebendigen und der entgrenzenden Kraft, die alles Lebendige hervorbringt, mehr und mehr Raum überlässt: im Gebet, in der Begegnung mit unserem Nächsten, in der Natur, in der dunklen Nacht der Seele und angesichts unserer Endlichkeit.

Fundstück

Es sinken alle Worte dieser Stunden
in Schweigen, das dem Blau der Himmel gleicht.
Nur dieses Wort, das ich am Saum der Nacht gefunden,
möchte noch reisen, wissend, dass es Dich erreicht: Danke.

Taschenbuch: 112 Seiten
Verlag: Echter; Auflage: 1 (14. Dezember 2015)
ISBN: 978-3429039097

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Eine ganze Weile hat das Christentum ein Aroma von Kleinheit verbreitet. Menschen sahen in den Spiegel und erblickten dort einen Wurm, nichtswürdig und mit Schuld beladen. Wollte man den Zeitgeist heutiger populärer Spiritualität zusammenfassen, könnte man hingegen wohl sagen, der Mensch schaut in den Spiegel und sieht eine Gottheit, allmächtig und groß. Das Traurige ist wohl, das beides so dumm ist, wie es – hinter der Verzerrung – wahr ist.

Der Mensch, der sich in seiner Nichtswürdigkeit verliert, verkennt das große Geschenk das ihm Gott gemacht hat, ebenso wie der, der sich in Allmachtsfantasien und gefühlsduselige Überheblichkeit begibt. Beiden wohnt überdies ein immenser Fluchtreflex inne:

Der Mensch, der zu klein ist, um je etwas richtig zu machen, der Gott in weiter Ferne, hinter dem Graben der Schuld und Trennung suchen muss, ist auf eine Art von wahrer Verantwortung beurlaubt – er kann den Dingen sowieso nie genügen, und das einzige was ihn rettet, ist eine Gnade, die von ihm gänzlich unbeeinflusst ist. Kurzum: der nichtswürdige Mensch befördert Gott ins Aus. Dort kann Er nichts anderes mehr sein als ein deus ex machina, ein zufällig wie ein Lotteriegewinn auftretender Impuls, der folgenlos ins Leben des Einzelnen scheppert. Die Ohnmacht des Einzelnen – ein getarnter Akt der Herrschaftlichkeit. Eleganter kann man sich Gottes kaum entledigen.

Der Mensch aber, der so groß ist, dass ihm aus jeder Pore das Universum heraussickert, der sich selbst gern mit Gott identifiziert, ist Lichtjahre von Schmerz, von Mitgefühl, von Reue und jedem menschlichen Gefühl entfernt, weil seine euphorische Verblendung ihn geradewegs von der Erde hinfort in den Orbit niemals endender Eitelkeiten katapultiert hat. Jede Wirklichkeit, die arbeitsreicher Veränderung bedürfte, subventioniert er mit seinem entrückten Lächeln und seinem Lallen von Sinn, Erwachen und Seelenwegen, das nichts weiter tut, als ihn seiner Tatkraft ebenso wie seiner realen Verstrickung zu entbinden. Trunken vom Gesöff unterstellter Sinnhaftigkeit am Grund noch der größten Perversion, tut dieser Mensch den lieben langen nichts anderes, als sich selbst zu verehren, und er schreckt auch nicht davor zurück zu sagen, dass der Mensch Gottes Erwachen bewirke, Gott also ohne uns dazu verdammt sei, ein Leben in Unbewusstheit zu führen – eine Behauptung, die jedem sehenden Menschen allein schon beim Blick auf das Wunder einer Steckrübe abhanden kommen müsste. Das ist sicher keine elegante Art, sich Gottes zu entledigen, eher eine unglaublich pathetische und impertinente, aber sie entspricht dem Geist unserer Zeit und wird daher weitgehend unbeeindruckt abgenickt und im Buch- und Seminargeschäft für gutes Geld verkauft.

Es ist zweifelsohne vereinfachend und polemisch obendrein dies zu sagen, aber der „Wurm“ und die „selbsternannte Gottheit“ müssten einander einmal begegnen und über diese klägliche Erkenntnis hinauswachsen, dass der Andere im Unrecht und verirrt ist. Unter dem verstehenden Blick des Anderen müsste dem Wurm seine Nichtswürdigkeit schmilzen und zerrinnen, ebenso wie der Gottheit ihre Euphorie und Eitelkeit, und dann bliebe vielleicht übrig, was hinter der Verzerrung immer schon wahr ist: dass der Mensch ganz und gar unbedeutend ist, und dass ihm zugleich die Bedeutung aller Dinge innewohnt, weil der Schöpfer aller Dinge selbst ihm innewohnt, und dass Leben wohl auch bedeutet, dieses Paradoxon auszuhalten und auszutragen, und zwar am Schauplatz jeglicher Erkenntnis: in der Begegnung. Und diese Erkenntnis zu schmecken, bedeutet tatsächlich, die Lust an der Selbstquälerei und Erniedrigung zu verlieren, ebenso wie an der Aufgeblasenheit und der Macht, weswegen der derartig geerdete und gesundete Mensch eine beachtliche Immunität gegen Sektierer jeglicher Couleur entwickelt.

Dieser verstehende Blick aber, der zu solcher Erkenntnis führen mag, ist etwas, das wir lernen müssen, denn wir sind es gewöhnt, nur noch verstehen zu wollen um zu triumphieren oder um uns selbst zu entlasten.

Es gibt aber ein Verstehenwollen, das seiner Natur nach Liebe ist.

Es blickt auf den Anderen um seiner selbst willen, und daher wird es auch wieder möglich, vom Anderen berührt zu werden, und beschenkt mit Erkenntnis, die uns eben noch fehlte.

Das Christentum, das uns so sehr auf das Du verwiesen hat, ist oft missverstanden worden als Stifter rigider Moral, die sich am Anderen abarbeitet. Vergessen wurde dabei nur allzu gern, dass das Du uns auch geschenkt wurde als Ort blühender Erkenntnis, als sakramentaler Ort der Reifung. Ich bin sicher, dass wir die weitreichenden Folgen aufrichtiger Begegnung noch nicht annähernd begriffen haben, und dass wir weiterhin in heilloser Dummheit vor uns hinvegetieren werden, bis wir in dieses Begreifen hineinwachsen. Nun, das ist wohl Evolution. Dabei helfe uns Gott, der sowohl Wurm als auch selbsternannte Gottheit erschaffen hat, was mir Anlass zur Hoffnung gibt, dass auch diese Kapitel einst ein wohlgefälliges Ende finden.

Bild: „Narcissus“ by Camie Davis

narziss

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Es ist nichts schlimmes daran, jemanden zu brauchen. Unter Spirituellen gibt es ja oft so einen Wahn, man sei in seiner Bedürftigkeit eine gescheiterte Existenz, und in seiner Bezogenheit ein irregeleitetes Wesen. Wir Menschen lernen voneinander, und Begegnungen waren schon immer fruchtbarer als kluge Selbstgespräche, in denen wir uns vorbeten was wir längst wissen.

Es ist allerdings auch nichts schlimmes daran, zu betrachten, wann man braucht. Was man braucht. Zu hinterfragen, ob man braucht. Und festzustellen, dass eine Begegnung eine ganz neue Qualität bekommt, wenn man nicht mehr versucht, aus einem Anderen herauszuquetschen, was einem selbst im Augenblick fehlt.

Es ist heilsam und schön, festzustellen, dass wir den Anderen um seiner selbst willen lieben dürfen und können, und nicht weil er die Untröstlichkeiten beruhigt, die in uns wüten.

Es gibt ein Brauchen, das kein Aufbrauchen ist, kein Verbrauchen und kein Missbrauchen. Eine natürliche Zugewandtheit zum Anderen, die der dialogischen Natur unserer selbst entspricht.

Es gibt ein Wissen in uns, das sagt: sieh, alles was Du Dir von diesem Menschen wünschst, ist in Dir. Und Du musst es nicht von ihm fordern. Du kannst es aber mit ihm feiern.

Das ist bodenlos beängstigend für uns. Als Empfangende wie als Gebende. Denn oft fürchten wir, wenn wir den Anderen nicht mehr brauchen, dann müssten wir von ihm fortgehen. Deswegen hängen wir an Sätzen wie „Durch Dich bin ich vollständig“. Und oft fürchten wir, wenn der Andere uns nicht mehr brauchte, würde er uns verlassen. Deswegen machen wir uns unentbehrlich, anstatt dem Anderen zu helfen, seine innere Freiheit zu entdecken.

Mit einem Menschen gemeinsam, sei es in einer Familie, einer Freundschaft oder einer Partnerschaft, zu erkunden, wo Gefühle des Brauchens nur getarnte Ängste sind, und diese gemeinsam zu befreien, ist ein Segen. Dann finden wir uns selbst und einander auf neue Weise. Das ist nicht in fünf Minuten erledigt. Und niemand sagt, dass man erst eine Beziehung wagen sollte, wenn man frei von Bedürftigkeiten ist. Das ist ein lebenslanger Prozess, und mit einem Menschen gelingt es uns besser als mit einem anderen.

Auf diesem Weg beginnen wir, freier und reiner und froher zu lieben. Auf diesem Weg beginnen wir, uns selbst und den Anderen zu erkennen.

brauchen_blog

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