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Posts Tagged ‘Wunden’

Deck die Sonne zu, Du stillstes aller Worte,
deck die Wunden zu, Du kummerloser Dank,
der ernste Engel der Vollendung schließt die Pforte,
und benetzt die Lippen Dir mit schwerem Trank.

Leg die Fragen dieses Tages in die Erde,
die Dich trägt und Deine Sohlen zärtlich küsst,
jeder Abend trägt Dir auf: nun stirb und werde
was die Liebe Gottes hier auf Erden ist.

Deck die Sonne zu, Du innigstes Versprechen,
auch das Rot des Morgens wächst in Dunkelheit.
Jeder Traum darf leuchten, klingen und zerbrechen.
In Dir glüht schon jetzt das Licht der Ewigkeit.

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Versöhnung beginnt oft mit kleinen Schritten.

Zu achten, wenn ich nicht verstehen kann, eine Hand zu reichen, wenn ich nicht umarmen kann, mitzufühlen, wenn ich nicht lindern kann.

Risse zuzulassen, wenn ich Härte bin, Schatten zuzulassen, wenn ich lichthungrig bin, Fragen zuzulassen, wenn alles in mir Gewissheit ist.

Das Anderssein des Nächsten zu ertragen, auch wenn ich das Vertraute suche. Das Widersprüchliche des Anderen zu erdulden, auch wenn ich das Eindeutige erhoffe. Das Gewordensein des Mitmenschen anzunehmen, auch wenn es mich schreckt.

Zu hören, statt zu reden. Zu erwägen, statt zu urteilen. Zu lassen, statt zu kontrollieren.

Kleine Schritte führen zu Versöhnung mit den Menschen, deren Wege ich kreuzte, und die meine Wege kreuzten, deren Leben ich verwundete, und die mich verwundeten. Kleine Schritte führen zur Versöhnung mit mir selbst, die ich mir so oft fremd bin wie vertraut.

Versöhnung ist die Brücke über den Gräben die wir schufen.
Auf jener Brücke ist unser Gesicht dem Licht des Einen zugewandt.

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Manchmal möchte ich so viel sagen
zu Dir, Mensch, der Du fort bist
versöhnendes Grün sein über zerklüftetem Land
doch dann bin ich stumm
weil ich nicht weiss, wie Liebe spricht

Manchmal möchte ich so viel sagen
zu Dir, Mensch, der Du leidest
tröstendes Blau sein an einem Himmel aus Sand
doch dann bin ich stumm
weil ich nicht weiss, wie Liebe spricht

Manchmal möchte ich so viel sagen
zu Dir, Mensch, der Du Unrecht tust
die Blume am Schwert sein, in Deiner Hand
doch dann bin ich stumm
weil ich nicht weiss, wie Liebe spricht

Wie spricht die Liebe, Gott,
wie spricht das Herz, das niemals endet
wie spricht der Schnee vom Rot, das ihn durchtränkt?
Ach, sprich das Wort mir zu, lass selbst das Wort mich sein
An dessen Klang allein das Wohl der Schöpfung hängt

wiedieliebespricht

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Es gibt Menschen, die bringen unsere Liebe hervor, von der wir nicht einmal wussten. Es gibt Menschen, die bringen unsere alten Wunden hervor, von denen wir dachten sie seien längst geschlossen. Es gibt Begegnungen, die unser ganzes Leben verändern, und oft merken wir es erst lange nachdem sie verklungen sind. Grund genug, einmal zu betrachten, was die Menschen in Deinem Umfeld in Dir auslösen, und was ihre An- oder Abwesenheit in Deinem Leben bedeutet. Grund genug auch, DANKE zu sagen. Tiefe Begegnungen, so lieblich oder schmerzvoll sie sind, sind ein Geschenk.

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In meiner Wohnung hängt dieses Kreuz. Ich liebe es sehr. Es ist ein altes, ein verfärbtes, ein mitgenommenes Kreuz, und die Spiegelflächen, die der Künstler um die eigentlichen Balken geklebt hat, sind zerbrochen. Es stammt aus Bolivien, und vereint in sich die landestypische Frömmigkeit und Verspieltheit.

Links von Jesus sieht man eine lachende Sonne. Rechts von Jesus einen Pfeife rauchenden Mond. Ich habe das Kreuz in einem Antiquitätenladen erstanden, und das hätte ich vermutlich allein schon wegen des Pfeife rauchenden Mondes.

Agua Viva

Der eigentliche Grund aber ist der: der Jesus, der dort am Kreuz hängt, zeigt zwar die üblicherweise in den Vordergrund tretenden Wundmale und blutenden Blessuren, um die gerade in katholischer Tradition alles kreist, doch in einem unterscheidet es sich von den üblichen Darstellungen: der Künstler hat Ströme blauen Wassers aus Jesu Wunden treten lassen. Aus seinen Händen, seinen Füßen, seiner Seite rinnt das kostbare Wasser, und auch die Schweissperlen auf seinem Gesicht und die Tränen an seinen Wimpern gehören dazu. Unten am Kreuzstamm werden diese Rinnsale zu einem Gewässer, in das der Künstler „Agua Viva“ geschrieben hat: „Lebendiges Wasser“.

Und das ist der Grund, warum dieses Kreuz für mich eines ist, das von einem erfahrbaren Geheimnis erzählt, dem die Mystiker aller Kulturen sich stets näherten, und dem jeder Betende sich zu nähern imstande ist, und weniger von einem Blutzoll, der sich einer vermeintlichen universellen Sünde verdankt. Das ist der Grund, warum dieses Kreuz für mich Signum der Lebendigkeit ist – ein Kreuz der Freude, auch angesichts der größten Ungeheuerlichkeit einer sterbenden Gottheit.

Das lebendige Wasser in der Bibel

Der Topos vom „Wasser des Lebens“ findet sich in vielen Stellen der Bibel. Schon das Alte Testament ist durchsetzt vom Bild Gottes als Quell. Jesus greift dieses Bild in seinen Reden auf, doch verweist er nicht auf diese Quelle im Außen, die der immer dürstende Mensch in der Ferne suchen müsse. Er sagt zwei Dinge, die für die Menschen damaliger Zeit ein Affront gewesen sein dürften: dass er nämlich dieses Wasser habe, und den Menschen gebe. Und dass in jedem Menschen, der davon trinke, der Quell lebendigen Wassers sprudeln werde.

Wer von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt.

(Johannes 4,14)

Und da dieses Wasser das höchste Gut ist, der Ursprung allen Lebens, das Versprechen der Ewigkeit, was muss der Mensch da wohl leisten, um es zu erlangen? In der Offenbarung des Johannes gibt Jesus die Antwort: nichts, außer durstig zu sein, außer es zu wollen. Ein Verlangen liegt allem zugrunde. Und dem der verlangt, wird das Wasser geschenkt.

Ich, Jesus, habe meinen Engel gesandt, euch dies zu bezeugen für die Gemeinden. Ich bin die Wurzel und das Geschlecht Davids, der helle Morgenstern. Und der Geist und die Braut sprechen: Komm! Und wer es hört, der spreche: Komm! Und wen dürstet, der komme; und wer von dem Wasser des Lebens trinken will, wird es geschenkt bekommen.

(Offenbarung 22,17)

Dieses Verlangen wohnt in uns allen. Wir haben viele Namen dafür. Der eine sagt, er sehne sich nach Glück. Der andere sagt, er sehne sich nach Seelenfrieden. Manch einer wünscht sich angesichts alles Endlichen, er möge etwas Bleibendes in der Welt hinterlassen. Der nächste wünscht sich Zweisamkeit, tiefe Liebe, Freundschaft, und wiederum ein anderer wünscht sich, dass endlich jedes Lebewesen frei von Leiden sei.

Verlangen als Erinnerung an unsere Natur

Ich möchte meinen, dass all jene Herzenswünsche so etwas sind wie ein tief in unsere Seele eingeschriebenes Versprechen: dass da Leben sei. Unerschöpfliches, unendliches, unteilbares Leben. Manchmal ist unsere Erinnerung daran ein Verkosten, eine Klarheit im Angesicht dessen, was an unserem Seelengrund liegt. Manchmal aber ist unsere einzige Erinnerung daran eine traurige Sehnsucht, und wir spüren jeden Tag die Abwesenheit von etwas, das alles was wir sind und tun in ein anderes Licht rücken würde.

Die Kartage sind eine Zeit, in der wir die Stille, die Abwesenheit und die Traurigkeit zulassen. Am Karsamstag verdichtet sich die Stille zu einem Meer des Schweigens – die katholische Kirche feiert an diesem Tag keine Messe und teilt an diesem Tag keine Kommunion aus (Ausnahme: Sterbende) weil der Tod Jesu, die Abwesenheit der Gottheit, vergegenwärtigt werden soll.

Mir gefällt dieser Brauch auch heute noch, weil er es zulässt, dass wir unsere satte Heilsgewissheit für einen Tag ablegen und uns auf eine Erfahrung einlassen, die keine Zeichen des Triumphs trägt – wohl aber Zeichen der Verbundenheit mit einem menschlichen Christus, der selbst ohne jeden Trost seine Gottverlassenheit am Kreuz ausrief.

Ein beredtes Bild

Der Christus an meinem Kreuz blutet und verströmt doch lebendiges Wasser. Das ist wohl ein einfaches und zutiefst beredtes Bild, das mir erzählt, wie nah uns der göttliche Strom immerzu ist – noch aus unseren Wunden leuchtet er, und auch da wo wir gebrochen sind, fließt er mit ungebrochener Kraft. Es erzählt mir auch, wieviel Sterben immerzu nötig ist, damit jener, der Quell allen Lebens ist, sich in uns erheben kann. Es erzählt mir, dass die Gottesgegenwart in der Seele ein Geheimnis ist, dessen Entschleierung sich in alle Äderchen des Lebens ausbreitet, auf unzählige Weisen.

Es gibt auch Zeiten, die sind wie ein nicht enden wollender Karsamstag, und jede Gewissheit und jede Freude sind fern. Dann bleibt uns aber immer noch, im Vertrauen auf die Offenbarungsworte von diesem größten aller Geschenke, denn Gott selbst ist es der sich schenkt, die Bitte der Samariterfrau am Brunnen:

Herr, gib mir von diesem Wasser.“ (Joh 4,15)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg. Tag 14: Bejahung

© Cristina McAllister

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Bejahung“.

Dieser vierzehntägige Weg begann mit einem „Ja“. Und heute endet er mit einem „Ja“.

Wohlwissend, dass in diesem Ja so viele Neins eingeschlossen sind, die gesprochen werden müssen gegen Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und Untragbarkeiten. Wohlwissend, dass ein Ja nicht immer in seliger Ergebenheit gesprochen werden kann, sondern oftmals errungen werden will. Wohlwissend auch, dass es vor allem innere Hürden sind, die überwunden werden wollen auf diesem Weg der Bejahung.

Dies ist ein Ja zu innerer Entwicklung. Zu Liebe, Mitgefühl und Aufmerksamkeit. Zu Mut und Aufrichtigkeit, ein Ja dazu, jene Welten zu erschließen, die Du in meinen Seelengrund gelegt hast. Dies ist ein Ja zu einem bewussten Leben inmitten dieser Schöpfung, die auf unzählige Weisen von Dir erzählt. Dies ist ein Ja zu einer beherzten und bedachten Lebensreise, im Angesicht des Du, und in Deiner Gegenwart, die alles durchdringt.

Noch während ich alles dafür tun muss, wird mir alles geschenkt. Noch während Du meine Wege zeichnest, bin ich frei. Dies ist ein Geheimnis, in das ich sinke, wie der Samen in die Erde. Und dafür danke ich Dir.

Segne unsere Wege. Segne die Wege aller, die eine neue Erde in ihren Herzen tragen, berührt von Deiner Gegenwart mitten unter uns.

Paulus schrieb einst an seine Gemeinde: Gott ist in unseren Herzen aufgeleuchtet.

Dieses Leuchten möchte ich bejahen, feiern, besingen, tragen und teilen.

(Dies war ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier. Herzlichen Dank an all die vielen Leser, die mitgegangen sind und die Texte geteilt haben, und die mir so freundlich geschrieben haben. Weiterhin gute Reise.)

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Ich geh’ mit Dir: 14tägiger Übungsweg.Tag 13: Gemeinschaft

© Angela Treat Lyon

Der heutige Tag steht unter dem Wort „Gemeinschaft“.

Ich bin nicht allein. Diese Reise, die ich antrete, führt durch Höhen und Täler, immer aber in Reichweite von Gefährten. Und Gefährte will auch ich sein. Nicht nur dem Menschen, der mich kennt, und der sich selbst in mir erkennt, der sich mir zuneigt und meiner Zuneigung bedarf. Sondern auch dem Wind und dem Wasser, dem Feuer und der Erde, dem Tier, allem Wachsenden und Werdenden will ich Gefährte sein. So gut ich kann will ich dies, doch heute sage ich: ich will es besser können als bisher. Wo dazu Übung nötig ist, will ich üben. Wo dazu Offenheit nötig ist, will ich mich öffnen. Hörend sein will ich, auch und gerade für den Ruf des Nächsten der an mich ergeht, immer tiefer in ein Verstehen und Verkosten dessen sinkend, was Leben ist.

Und was der Mensch ist und was er sein kann, das werden wir erweisen. Denn jeder Tag ist der Tag der Menschwerdung.

 

Du bist mir so vertraut
ist unser Glanz auch noch verhüllt
wir teilen einen Traum
nimm meine Hand damit er sich erfüllt

.

(Dies ist ein Übungsweg vom 15.10. – 28.10. Er begann hier.)

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