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Du hast uns

auf dich hin geschaffen,

und unruhig

ist unser Herz,

bis es Ruhe findet

in dir.

.

(aus den „Confessiones“ des Augustinus)

„Jesus, Lover of my soul“, ein populäres englischsprach-iges Kirchenlied, verdankt sich dem Schaffen Charles Wesleys (1707-1788), einem der Mitbegründer der methodistischen Kirche. In dieser musikalischen Fassung (Melodie von Joseph Parry) findet man dies schöne Lied heute am ehesten in methodistischen Gemeinden.

Der wunderbare Fernando Ortega war aber auch so frei, es zu vertonen. Übrigens hat dieses Lied auch seinen Weg ins deutsche Kirchenliedgut gefunden, unter dem Titel „Jesus, Heiland meiner Seele“ (für die, die es googeln wollen).

Da das Einbetten deaktiviert ist, muss man hier freundlich um die Ecke klicken:

Jesus, lover of my soul,
Let me to Thy bosom fly,
While the nearer waters roll,
While the tempest still is high.
Hide me, O my Savior, hide,
Till the storm of life is past;
Safe into the haven guide;
Oh, receive my soul at last. 

Other refuge have I none,
Hangs my helpless soul on Thee;
Leave, ah! leave me not alone,
Still support and comfort me.
All my trust on Thee is stayed,
All my help from Thee I bring;
Cover my defenseless head
With the shadow of Thy wing.

Wilt Thou not regard my call?
Wilt Thou not accept my prayer?
Lo! I sink, I faint, I fall—
Lo! on Thee I cast my care.
Reach me out Thy gracious hand!
While I of Thy strength receive,
Hoping against hope I stand,
Dying, and behold, I live.

Thou, O Christ, art all I want,
More than all in Thee I find;
Raise the fallen, cheer the faint,
Heal the sick, and lead the blind.
Just and holy is Thy Name,
Source of all true righteousness;
Thou art evermore the same,
Thou art full of truth and grace.

Plenteous grace with Thee is found,
Grace to cover all my sin;
Let the healing streams abound;
Make and keep me pure within.
Thou of life the fountain art,
Freely let me take of Thee;
Spring Thou up within my heart;
Rise to all eternity.

Hinab

© Faruk Koksal

In die Arme

der Liebe

sind wir

gefallen,

dorthin

wo alles

Musik ist

.

(Rumi, „Hidden Music“)

.

 

Mitgefühl

Kyrie

Es ist mal wieder an der Zeit für ein klangvolles Kyrie. Dieses hier stammt aus dem 12. Jahrhundert und hat eine Ursprünglichkeit und altertümliche Eindringlichkeit, denen ich mich nicht entziehen kann.

„Kyrie“ für zwei Stimmen, aus der frühen Notre-Dame-Schule.
Künstler: Ensemble Organum, Marcel Peres.
.

in der nacht

oh schwarze nacht
in deine flut
darf nun mein herz sich senken
und müde perlt von meiner stirn
ein ruheloses denken

aus meiner brust
steigt kraftvoll auf
mit tintenschwarzen schwingen
ein vogel der sich seele nennt
er will dem einen singen

an jenem ort
der ihm gehört
ist jeder klang in blüte
und jede unvollkommenheit
zerrinnt in seiner güte

hier schenkt er sich
dem liebsten hin
dass einer gleicht dem andern
und wenn das lied verklungen ist
muss es stets weiter wandern

der morgen naht
und wie im traum
hör’ ich ein flügelschlagen
mir ist als müsse meine brust
den dorn der liebe tragen

bild(ausschnitt): © Eddie Kisosondi

© Eric Wieringa

Es ist ganz erstaunlich, wie oft ich in diesen Tagen gefragt werde, ob ich denn glaube dass 2012 die Welt untergeht. Plattformen wie Facebook eignen sich ja bestens für die virale Verbreitung jedweden Gedankens, und so kann man fast sagen: hat im Web 2.0 einer Angst, wird daraus gleich ein Flächen-bombardement der Panik, und umgekehrt gilt das leider nicht, denn Postings, die uns auf den Boden der Tatsachen holen, werden einfach grundsätzlich weniger „geshared“. Das Prinzip kennt man ja aus allen anderen Medien auch, und es entspricht wohl dem menschlichen Naturell, dass wir uns lieber mit Dramatik bekleiden als mit Ausgeglichenheit.

Dunkle Perspektiven?

Sonnenstürme, Sonnenfinsternisse, Stromausfälle, Finanzwelt-Kollaps, ein kriegsgeplagtes Europa, das „Exkarnieren“ der Sternenbrüder, gute Güte – die menschliche Fantasie schlägt Purzelbäume wenn es darum geht, dieses angebrochene Jahr schon a priori zum wildestens Jahr der Menschheit zu küren.

Ja, und was ist denn nun mit dem hypothetischen Weltuntergang 2012?

Der wahre Untergang ist die Verunmöglichung der Menschlichkeit

Ich kann darauf nur eines sagen: ginge die Welt unter, wäre das wohl ein Drama, aber seien wir mal realistisch: alles hat ein Ende, das gilt für das Leben einer Kuh ebenso wie für das eines Menschen. Das wahre Drama wäre für mich, dass sie untergeht in einer Zeit, in der wir Menschen so dumm sind wie wir es gerade eben sind.

Das wahre Drama wäre für mich, dass wir es nicht geschafft haben würden, dem Wort „Mensch“ Leben einzuhauchen, ein Aroma der Güte und Weltzugewandtheit, eine Qualität der Menschlichkeit, die schwerer wiegt als die Machtversessenheit und Verachtung jedweder Kreatur.

Der wahre Untergang wäre für mich, wenn wir es nicht geschafft haben würden, uns aufzuschwingen zu den Möglichkeiten unseres Denkens, Fühlens, Erfahrens und Handelns. Wenn wir als jene selbstgerechten, unwissenden, satten Geschöpfe ins Nichts führen, nichts hinterlassend als ein Echo der Schande. Man mag nun annehmen, ich hätte ein défaitistisches Menschenbild, aber dem ist nicht so – ich glaube ungebrochen an das Gute im Menschen. Ich glaube aber auch, dass es noch eine erheblich lange Zeit brauchen wird, sich zu entfalten.

2012 sind alle erleuchtet?

Ja, ich kenne das andere Extrem zur Panikmache – die esoterische Mär vom Goldenen Zeitalter, von Menschen in der fünften Dimension, die sich der Gottesgegenwart in vollem oder wenigstens deutlich größerem Umfang bewusst sind und sie deswegen auch in großem Umfang leben können. Das Utopia ist schon fast da – eine Welt voller lächelnder Menschen, die kein Geld mehr brauchen weil sie einander alles geben was nötig ist, die keine Tiere mehr essen, weil wir das Wesen der Tiere erkannt haben werden. Die keine Religion mehr brauchen, weil Religion etwas sucht und erhofft, was doch längst da ist. Telepathisch womöglich, im Einklang mit der Natur natürlich, und im Stande, älter als mehrere hundert Jahre zu werden, angeführt von Lichtarbeitern, die aus lauter Freundlichkeit aus anderen Universen inkarnierten, um der trägen Menschheit zu helfen.

Wieviele dieser Theorien haltlose Weltflucht und Ideologie sind, kann ich an dieser Stelle gar nicht erörtern, denn sicher wäre die Apokalypse schneller da als mein Schlusspunkt.

In welcher Wirklichkeit leben wir denn?

Was tut denn die Panikmache vom Untergang mit uns? Und was tut das glücksbesoffene Herbeireden der „Nondualität 2012″ mit uns? Beides hindert uns am Leben. Beides hindert uns daran, wahrzunehmen, was ist. Beides hindert uns daran, in die Abgründe menschlichen Lebens hinabzusteigen und uns zu den Höhen menschlichen Strebens aufzuschwingen.

Wenn ich den ganzen Tag in Sorge verbringe, wo bin ich dann? Sicher überall, aber nicht hier. Ich bin ein Körper, der irgendwo herumsitzt, während meine Gedanken panisch die Vergangenheit nach bedrohlichen Vorzeichen absuchen, die mir möglicherweise entgangen sind, und die Zukunft ausmalen, die mir, meinen Liebsten und meinem Hab und Gut möglicherweise ein unangenehmes Ende bescheren wird.

Wenn ich den ganzen Tag in Vorfreude auf die fünfte Dimension verbringe, die – was auch immer sie ist, für mich ist sie nur eine Vokabel, und auch noch eine ziemlich diffuse – mich auf die harmonische, glückliche und sorglose Zeit freue, insgeheim wahrscheinlich, weil ich es eben nicht geschafft habe, mir in der aktuellen „Dimension“ ein  harmonisches, glückliches und sorgloses Leben zu erschließen, wo bin ich dann? Auch nicht hier. Ich bin ein Körper, der irgendwo herumsitzt, während meine Gedanken, oder in diesem Fall wohl öfter: meine Gefühle, in einer Vorstellung von Perfektion herumschwirren. Eine Perfektion, die mich vielleicht insgeheim darüber hinwegtrösten soll, dass meine Kindheit problematisch, meine Berufswahl absurd, meine Ehe tragisch, mein Bankkonto unnütz weil leer ist. 

Wir sind hier und jetzt gefragt – in jedem Moment

Ich bitte alle, die sich jetzt in ihrer Angst oder ihrer Hoffnung gekränkt fühlen, einfach mal innezuhalten, denn mir geht es nicht darum, Ängste oder Hoffnungen zu diffamieren.

Ängste und Hoffnungen sind menschlich, wir alle haben sie, und wir alle neigen dazu sie über jedes Maß hinaus wachsen zu lassen, bis wir nicht mehr zu denken oder zu handeln im Stande sind. Eine jede Angst und eine jede Hoffnung verrät uns etwas über uns. Über unsere Erwartungen, unsere Sehnsüchte, darüber was wir für ein „gelungenes“ und was wir für ein „gescheitertes“ Leben halten. Das anzusehen ist lehrreich. Aber man sollte seine Lehren ziehen und sich dann weiter auf den Weg machen, denn nichts anderes ist das Leben: ein Weg, der gegangen werden will, und ich sehe sowohl in den Ängsten als auch in den 2012-Utopias soviel Stillstand, dass es mich zutiefst verwundert.

Nicht wegsehen!

Ich bin oft erschüttert darüber, wieviele der Theorien über „neues Bewusstsein“, „das goldene Zeitalter“, „den Lichtkörperprozess“ oder den „Aufstieg 2012″ geradewegs in Blindheit und Teilnahmslosigkeit führen. Insbesondere die Theorien darüber, dass eine jede Seele ihr Schicksal wähle, und dass alles „weder gut noch schlecht“ sei, und dass es so etwas gebe wie eine terminierbare Evolution, führen unser Mitgefühl wie unsere Aufmerksamkeit ad absurdum.

Kann ich denn eigentlich noch sehen, dass mein tägliches Leben kausal mit der Armut des verhungernden Kindes in Ostafrika zusammenhängt, wenn ich annehme, eine jede Seele habe sich ihren Raum für Erfahrung eben selbst ausgesucht? Begreife ich, dass der religiöse Fundamentalismus in armen Ländern (über den wir Säkularisierte uns laufend selbstgerecht beklagen) sich unter anderem unserem Reichtum verdankt? Verstehe ich noch meine Verantwortung in der Aufdeckung eines Missbrauchsfalles in der Nachbarschaft, wenn ich annehme, nichts sei „gut oder schlecht“? Habe ich das Recht anzunehmen, ein Schwein habe sich die Lebensform „industrielle Schweinemast“ ausgesucht? Kann ich wirklich denken, dass mein momentaner gesundheitlicher Zustand nicht so wichtig ist, weil ja 2012 sowieso irgendeine ominöse neue DNA in uns alle implantiert wird?

Ich vermisse einen Bezug zur Realität, so wie wir sie hier und jetzt vorfinden (und ja, ich weiss, dass diese weder fix ist noch objektiv wahrzunehmen). Und alles, was die derzeitige Realität verleugnet, ist lebensverneinend. Auch wenn es von einem noch so glanzvollen Leben spricht.

It’s a long road

Wenn ich mir die zahllosen Szenarien des „zur Göttlichkeit erwachten Menschen“ ansehe, dann blutet mir wirklich das Herz. Denn ich frage mich, ob die Dissonanz zwischen dem, was auf dieser Welt passiert und dem Bild des ganz und gar erwachten Menschen für viele überhaupt nicht spürbar ist. Wie sonst könnte man wohl annehmen, dass sich in diesem Jahr, also in den nächsten 356 Tagen, alles zur Klarheit wendet was unklar ist, alles zur Vollkommenheit wendet, was unvollkommen ist, alles zur Freude wendet, was Leid ist? Wie sehr muss man sich selbst und diesem irdischen Leben, vor allem aber den Sphären jenseits der eigenen Landesgrenze entfremdet sein, um das auch nur für eine Sekunde zu glauben?

Wie klein muss ich Gott denken, um anzunehmen, ich „schaute“ ihn in absehbarer Zukunft? Wie übergroß muss ich den Menschen denken, um anzunehmen, er sei schon „angekommen“?

Ich wünschte, die 2012-Utopisten würden mal das ein oder andere ihrer Theorien selbst ernstnehmen. Denn wenn Gott in uns allen ist, dann wird Gott wohl auch uns alle brauchen, um diese Welt zu verwandeln. Dann wird er wohl jede Hand brauchen, um das Leiden zu beenden und menschenwürdiges Leben für alle zu schaffen. Dann wird er wohl jede Hand brauchen, um die Natur mit dem Menschen zu versöhnen. Und um Gegebenheiten zu schaffen, die so voller Güte sind, dass wir eines Tages vielleicht beginnen können, die Jahrhunderte voller Blut und Tränen dem Vergessen zu übergeben.

Du bist gewollt und gebraucht

Ich finde es durchaus wichtig, sich mit modernen Mythen und der zeitgenössischen Rezeption alter Mythen auseinanderzusetzen, und sicher gehört die Thematik 2012 dazu. Aber bei aller Freude an der Zurkenntnisnahme und Deutung jener Geschichten, denen – wie allen Geschichten – auch Wahres innewohnt:

Keine Evolution, kein deus ex machina, kein Weltuntergang, kein Sternenportal, kein Wunder dieser Welt nimmt es Dir und mir ab, diese Welt zu einem lebensfreundlichen Ort zu machen. Und da fangen wir am besten bei uns an, indem wir den Mut und die Aufrichtigkeit besitzen, unser Leben als das anzuerkennen, was es ist: ein Weg mit Licht und Schatten, mit Hoffnung und Scheitern, ein Weg mit Versäumnissen und Errungenschaften, mit Fragen und Antworten, mit Verantwortung und mit Zwischenräumen, durch die das Licht dessen hineinfallt, das unsagbar ist – auch 2012 noch.

Nasheed

Nasheeds sind religiöse Lieder des Islam, die ohne Instrumente gesungen werden. Die Abwesenheit von Instrumenten soll garantieren, dass die Musik als „halal“ (zulässig) und nicht „haram“ (verboten) gilt. In Nasheeds wird die Stimme zum Instrument und Gebet zu Klang. Von diesem schönen Nasheed des Südafrikaners Zain Bhikha findet man online dankenswerterweise eine englische Übersetzung, dich ich anfüge.

 

The morning light is by your countenance,
And the splendour of the night by your plaits.
The master is a treasure of grace,
The master is a treasure of mercy.
He is the guide of the whole community,
And the one who shows the way of the Sacred Law.
They (sheep) came upon the gesture of a finger,
Stones from the Hijaz began to speak.
And the moon was split in two,
By a single gesture of the finger.

On the night of the Ascension,
The Archangel Gabriel came with tidings of God.
Allah called him to the heavens,
[And] bestowed upon him the
honour of intimacy.

Wer den inzwischen fast 3 Jahre alten Klanggebet Blog verfolgt, hat sicher gemerkt, dass ich eine Leidenschaft für das Fotografieren habe. Immer wieder aufs Neue erweisen sich Spaziergänge in der Natur für mich als Quelle der Kraft und Anbindung. Hier geht es ja recht textlastig zu und daher ist nicht immer Platz für Bilder – auch wörtlich genommen ist das hier verwendete Script einfach nicht besonders bildfreundlich.

Deswegen gibt es nun seit dem 1.1.2012 – für alle die gern mit Herz und Auge hinsehen - das Bildgebet Blog.

Geplant ist, jeden Tag des Jahres ein Bild zu veröffentlichen, aus Augenblicken in Natur, Alltag, sakralen Räumen, kurzum in allen Lebenslagen.

365 Tage, 365 Bilder - eine Pilgerreise des Sehens. Ich freue mich über Mitpilgernde und wünsche viel Freude.

Ariel Ramirez’ Kyrie

Ich habe hier ja schon diverse Formen des christlichen Mantras „Kyrie eleison“ eingestellt, und bin über die musikalische Vielfalt dieses Gebetes ungebrochen begeistert. Das nehme ich heute zum Anlass, hier eine Rubrik für musikalische „Kyrie“-Fassungen einzurichten, und nach Ausflügen in armenische und koptische Klangwelten wird es heute kreolisch mit dem Kyrie der „Misa Criolla“ (Kreolische Messe) des 2010 verstorbenen argentinischen Komponisten Ariel Ramirez. Mich erinnern diese höchst unterschiedlichen Gesänge daran, wie sehr Glaube und spirituelles Erleben auch immer kulturell eingefärbt sind. Und das ist absolut wunderbar, solange wir uns daran erinnern, dass es schon immer so war, und dass daher keine kulturelle Ausprägung sich Überlegenheitsgefühle gegenüber anderen gestatten sollte.

Gebet zum Jahresbeginn

Schönster
Du Schöpfer aller Schönheit
öffne mir die Augen
dass ich sehend werde
Dich zu lieben in allem
mit meinen Blicken

Sanftester
Du Quell aller Sanftheit
öffne mir das Herz
dass ich mitfühlend werde
mich zu erbarmen
aller leidenden Kreaturen

Mächtigster
Du Ursprung aller Kraft
öffne mir die Hände
dass ich tätig werde
Veränderung zu sein
an starren Orten

Heiligster
Du Fluss des Lebens
öffne meine Grenzen
dass ich Fließen werde
ein Wille
ergeben in Deinen Willen

Bild: © Carmen Cordova

Herzenswünsche für 2012

Auf der gestrigen Veranstaltung, über die ich eben schrieb, hing dieses Bild. Darauf steht „Licht, Leben, Liebe“. Zusammen mit dem tief empfundenen Unterwegssein, bei dem wir einander begegnen und etappenweise begleiten dürfen, bringt das die Wünsche auf den Punkt, die ich für 2012 habe.

Mögen wir alle auf unserer Pilgerreise, auf unseren individuellen Wegen der Entfaltung, mit Licht, Leben und Liebe erfüllt sein.

Das wünsche ich Euch und mir für 2012.

Wir lesen uns im neuen Jahr! :)

Von 28.11.11 bis zum 1.1.12 findet in Berlin das Taizé Jugendtreffen statt. Tausende Jugendliche aus aller Herren Länder sind nach Berlin gereist, um ihren „Pilgerweg des Vertrauens“ fortzusetzen.

Taizé ist Klang

Ich hatte meine erste Begegnung mit Taizé Gesängen, als ich 15 war. Einer meiner Freunde hatte mich ins Auto gestopft und gesagt „Heute abend ist Taizé, da müssen wir unbedingt hin, das ist so toll!“. Ich hatte ja nicht die geringste Ahnung, wovon er sprach, aber vertraute seinem Urteil doch so weit, dass ich Gutes erwartete. Das Treffen fand irgendwo in Siegburg statt, und ich weiss nicht viel mehr, als dass ich in einen riesigen dunklen Raum trat, der nur von Kerzen hier und da erhellt wurde, und überall saßen junge Menschen auf dem Boden, auf ihren Gebetsbänkchen oder auf Kissen, und bevor ich das noch seltsam finden konnte, erklang auch schon eine Frauenstimme, die die butterweiche Stille zerteilte wie ein Diamant Glas teilen würde. Die jungen Leute stimmten ein, gleich einem Mantra wurde eine Zeile immer wiederholt, fünf Minuten lang, zehn Minuten lang, es wurde mehrstimmig, und mir schmolz das Herz nur so dahin.

Als ich wieder zuhause war, wollte ich alles über Taizé wissen, und man bedenke dass es damals noch kein Google gab, das ich hätte konsultieren können, also fragte ich mich eben so durch, und irgendwer aus meinem kirchlichen Umfeld drückte mir eine Broschüre in die Hand, in der ich nachlesen konnte, dass es sich also um einen ökumenischen Männerorden unter Roger Schutz handelt, und dass an der Vision des Ordensgründers hunderttausende Menschen aus aller Welt hängen, die sich ebenfalls eine sichtbare Einheit in Christus wünschen, ohne all das konfessionelle Gezänk das man so kennt.

Unvergessen: Singen ist Gemeinschaft

Ich interessierte mich damals nicht für Ökumene oder Jugendbewegungen, weswegen ich die ganze Sache schnell wieder vergaß. Bis auf die Gesänge. Die habe ich nie vergessen.

Als 2005 Frère Roger ermordet wurde, war ich erschüttert. Insbesondere, weil mir kaum jemals eine christliche Gemeinschaft begegnet ist, die in ihrem Weg und ihrer Suche so unaufdringlich, friedlich, offen und demütig daherkommt. Die Communauté selbst gibt an, dass Taizé „keine Bewegung“ und „botschaftsfrei“ sei, und fast möchte ich widersprechen und sagen, das allein ist ja schon Botschaft genug, dass sich Menschen aus aller Welt treffen um zusammen zu beten und zu singen, und dass sie sich mit Vertretern anderer Konfessionen und Religionen treffen und dort den Wunsch äußern wiederum zusammen zu beten und zu singen. Niemals tritt jemand als Theologe, Lehrer oder religiöse Führungsgestalt in Erscheinung, und die Fratres erkennt man inmitten der Betenden nur wegen ihres Habits (nicht wegen ihres Habitus).

Abendgebet in Berlin

Gestern nahm ich am Abendgebet des Jugendtreffens teil, das auf dem Messegelände stattfand. Mit bescheidenen Beleuchtungseffekten und einigen kunstvollen Pointen wie etwa der Johannesminne-Skulptur hatte man dort einen stimmungsvollen Raum geschaffen, in dem auf vielfältige Weise gebetet und gesungen wurde. Mein persönliches Taizé Lieblingsmantra „Bleibet hier und wachet mit mir“ klang ganze 12 Minuten durch die Räumlichkeiten, und das war für mich eine ganz wunderbare Form des Klanggebets.

Überkonfessionelles Bekenntnis

Die wenigen Worte, die in einem Taizé Abendgebet überhaupt gesprochen werden, haben weniger Predigt- als Grußcharakter. Wenn überhaupt ein Selbstverständnis geäussert wurde, dann in den Worten „Kirche ist keine Sondergesellschaft“ und „Wir alle sind das Salz der Erde“. In dieser Spiritualität ist „Kirche“ kein Haus, keine Institution, sondern ein bewegter, ein pilgernder Fluss von Menschen, die sich von Gott berühren lassen und sich um-formen lassen, mitten in der Welt, mitten in der Begegnung mit dem Gleichgesinnten und Fremden, und das mit einem unantastbaren Recht auf ihre eigene Gotteserfahrung und ihren eigenen Ausdruck.

Das ist ein spirituelles Bekenntnis, mit dem ich gut leben kann, weil es, ernst genommen, die Grenzen der Konfession zu transzendieren imstande ist, und weil es fern jeder Sattheit auf die Notwendigkeit und Schönheit des „Unterwegsseins“ verweist.

Taizé/Bildgebet

Mehr aus einer nächtlichen Laune heraus, aber mit viel Freude am klammheimlichen Adventssingen habe ich die Anrufung Emmanuels aufgenommen. Und das teile ich gerne mit Euch, verbunden mit herzlichen Wünschen, Ihr alle möchtet eine schöne letzte Adventswoche und eine herzerwärmende Weihnachtszeit verleben.

Im letzten Jahr schrieb ich hier einen Artikel „Ein heiliger Tausch“ über Gedanken vor der Krippe. Ebenso schrieb ich dieses Jahr über Marias „Mir geschehe nach Deinem Wort“ und über die „Gottesgeburt in der Seele“ – hier wog ich die über die Grenzen der Konfession hinausgehenden Geheimnisse des Christentums in meinem Herzen und in den hinterlassenen Zeilen. Alle neu dazugekommenen Leser sind herzlich eingeladen, in diesen auf die weihnachtlichen Mysterien ausgerichteten Artikeln zu stöbern, aber auch allen Anderen lege ich sie ans Herz. Leider fehlt mir oft die Zeit, diese Dinge hier im Blog weiter zu entfalten.

Vielleicht kann man sagen, dass es mir inzwischen ein großes Herzensanliegen geworden ist, die Schätze des Christentums auch jenen zugänglich zu machen, die von Aversionen oder Ängsten geplagt sind – und das in Achtung vor der Freiheit des Einzelnen, innerhalb oder außerhalb der Konfession seine spirituelle Entfaltung zu vollziehen.

Ich freue mich über alle, die etwas für sich mitnehmen können aus dieser Heils-Geschichte, deren Tiefe – da bin ich sicher – wir längst noch nicht gänzlich erschlossen haben.

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Bildausschnitt oben: Wurzel Jesse Darstellung, Quelle: Wikipedia

O komm, o komm, Emmanuel

Neulich sprach ich schon dieses Lied an, heute fahre ich fort: Von diesem Lied gibt es verschiedene Fassungen, deren erste strophische Reimfassung aus dem „Psalteriolum Cantionum Catholicarum“ stammt. Die Strophen wurzeln in den O-Antiphonen, die seit dem siebten Jahrhundert gebetet werden.

Die O-Antiphonen sind Anrufungen innerhalb der adventlichen Liturgie. Sie entspringen Bildern des Alten Testaments, die von der Erwartung des Messias sprechen.

In den letzten sieben Tagen vor Heiligabend also ruft das Volk den Messias mit diesen Bezeichnungen herbei:

O sapientia (Weisheit)
O Adonai (Herr)
O radix Jesse (Wurzel Jesse)
O clavis David (Schlüssel Davids)
O oriens (Aufgang)
O rex gentium (König der Völker)
O Emmanuel (Immanuel, Gott mit uns)

Die Fassung, die das untere Bild zeigt, stammt von Heinrich Bone aus dem Jahr 1851 aus einem von ihm herausgegebenen katholischen Gesangsbuch – unter dem Stichwort „Sehnsucht“. Sie ist sowohl inhaltlich als auch bezüglich der Reihenfolge der Symb0le nah an der lateinischen Version.

Es enthält die Symbole „Jesses Herrscherstab“, den Sonnenaufgang und „Davids Schlüssel“. Was aber haben uns jene Symbole heute noch zu sagen, die altertümlich klingen und Ausdruck einer offenbar speziell jüdischen Heilserwartung zu sein scheinen?

Vielleicht finde ich in den nächsten Tagen noch Zeit, das ein oder andere dazu zu betrachten. In der Zwischenzeit wird gesungen :) .

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