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Gib der Liebe einen Ort

Gib der Liebe einen Ort
am Grund der Fragen, die die Welt bestürmen,
unter den Lidern, die bergen
den staunenden Blick.
In der Röte der Wunden, die Du mit Zahllosen teilst,
und auf der Gischt des Lachens
an den Ufern vieler Jahre.
Gib der Liebe einen Ort
unter den suchenden Händen, die sich verzweigen
wie Äste des Baumes
der Leben heißt.
In hüllenlosen Worten, die das Sagbare halten
und im Schweigen, das die Seufzer
der Stummen birgt.
Gib der Liebe einen Ort
am Rande jedes Schreckens,
wo kein furchtloses Hoffen
das menschliche Dunkel je bezähmt.
Und auch in den einfachen Dingen,
die sich wie goldene Ähren
an den Tag der Ernte verschenken.

Bild: Odilon Redon

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Zur letzten Rauhnacht

Die heutige Nacht vom 5. auf den 6. Januar ist die letzte der Rauhnächte. In der Volksfrömmigkeit wird sie auch die „Nacht der Wunder“ genannt. Wir sind eingeladen, unsere guten Träume in die Welt zu senden.

Rauhnacht

So grüsst das Kommende: Aus Deinen Händen.
Nun halte inne, gib dem Schweigen einen Raum.
Häng Dein Glück nicht an die Dinge, da sie enden.
Das Beginnende naht wie aus fernem Traum.

Wie der Eiseshauch am Licht der Abendkerzen
sich verschenkt und an die Flamme ganz verliert,
legt die Rauhnacht ihren Hauch um unsre Herzen,
bis sie schwindend unsren tiefsten Grund berührt,

von dem die kühnsten aller Schritte sich erheben,
und die wärmsten aller Worte sich befrein,
von dem ein Wollen aufsteigt, um die Welt zu weben
deren Lust es ist, ein guter Ort zu sein.

So grüsst das Kommende: Aus Deinem Beten,
bis Deine Haut nicht länger von der Welt Dich trennt.
Durch eine unsichtbare Tür ist eingetreten
der neue Mensch, der sich als Gottes Hauch erkennt.

Ein segensreiches 2018!

Ich wünsche Euch allen ein glückliches, begegnungsreiches, Herz und Horizont weitendes neues Jahr 2018! Möge es unter dem Segen des Höchsten und unter der Vielfalt des Segens, wie wir ihn einander zusprechen können, stehen.

Mit dem untenstehenden Text möchte ich die frohen Neuigkeiten teilen, dass im Januar mein neues Buch „In Deiner Weite lass mich Atem holen“ im Vier Türme Verlag erscheint.

Es ist ab dem 9.1. überall im Buchhandel erhältlich, und natürlich auch in meinem Shop. Auf Wunsch schreibe ich eine persönliche Widmung hinein. Vorbestellen könnt Ihr es jetzt schon.

Aus dem Verlagstext: „Wir alle sehnen uns danach, behütet und geborgen zu sein und unter Gottes Segen zu stehen. Giannina Wedde schenkt uns in diesem Buch 110 zeitgemäße Segenstexte zu Themen, die unseren Alltag bestimmen und in denen wir uns Segen wünschen oder Segen zusprechen möchten. In wunderschönen, poetischen Texten können wir Gott an unserer Seite spüren.“ (Blick ins Inhaltsverzeichnis auf der Verlagsseite.)

Ich lege Euch Segenspraxis als kreative Kraft sehr ans Herz, gerade am Beginn dieses neuen Jahres, das von uns gestaltet werden will. Im Buch findet Ihr neben Segenstexten auch eine Einführung in die biblische Tradition des Segnens und einige Reflexionen darüber, warum Segnen als Gebetspraxis auch heute so fruchtbar, vielfältig und heilsam ist.

Seid behütet und gesegnet.
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Der Atem Gottes

Zu schenken, was wir nicht besitzen,
zu beheimaten, was nie aufhört zu reisen,
zu sehen, was sich nie unverhüllt zeigt,
das ist Segnen.

Die Blüte zu rufen inmitten der Wüste,
die Stille zu atmen im tosenden Lärm,
den Engel zu halten, der gehen will,
das ist Segnen.

Zu bejahen mit dem Ja der Gottheit,
zu nähren mit der Fülle der Erde,
zu tragen mit der Ruhe des Alls,
das ist Segnen.

Ver-rückte sind wir im Segnen,
gelöst aus der Enge dunkler Erwartung,
gestellt in die Weite eines Versprechens,
einer frohen Botschaft, die allen gilt.

Wer segnet, legt den Atem Gottes
wie Tau auf die zitternden Gräser.
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Vier Türme Verlag Münsterschwarzach, 202 Seiten, gebunden mit Lesebändchen, 22,0 x 14,5 cm, erscheint 09.01.2018
Artikel-Nr.: 978-3-7365-0136-2

Schweigen

Wir müssen die Leben derer, die wir nicht verstehen, die wir nicht ertragen, wenigstens in einem Atemholen, wenigstens in einem Schweigen zärtlich betten – nicht dass sie sich veränderten in das für uns Annehmbare, doch dass wir die Tür nicht zufallen liessen zu den Räumen, in denen jeder Mensch sich aufgehoben wissen darf, in denen auch wir uns als Aufgehobene verstehen dürfen, deren Zerbrochenheit mehr ist als eine Bürde für unseren Nächsten: Signum und Würde des Werdenden. Denn alles Werdende kann nie verstanden, kann nie angenommen sein; es steht unter dem Gesetz der Vorläufigkeit, unter dem wir so vielfach leiden wie unter dem Stachel des Endlichen: ein Nein, das nicht zu beruhigen ist. Dort aber, wo unser Schweigen das Werdende trägt, das wir nicht tragen können, beginnt das eigentliche Beten: jenes Beten, das ablässt von der Lust des Bewahrens, und von der Verzweiflung am Kommenden, vom dunklen Eigenwillen, der nie mehr erhoffen kann, als ein wurmstichiges Wohlergehen, eine flüchtige Beruhigung, die sich immer gegen den Anderen, den verhassten Boten der Endlichkeit, schützen muss. Das tiefste Beten kommt nicht von redlichen Lippen und nicht aus wohlwollendem Herzen – es wird gesprochen von einer fernen Stimme. Sie betet uns, überwältigt uns, sie stürzt aus dem kleinen Schweigen, das wir ihr liessen, in alles, was wir für Heimat hielten, in jedes Begehren, dem wir einander auslieferten, und beschenkt uns mit dem, worum wir nie zu bitten im Stande sind: mit dem Schwinden jeder Gewissheit.

In Dunkelheit

Deck die Sonne zu, Du stillstes aller Worte,
deck die Wunden zu, Du kummerloser Dank,
der ernste Engel der Vollendung schließt die Pforte,
und benetzt die Lippen Dir mit schwerem Trank.

Leg die Fragen dieses Tages in die Erde,
die Dich trägt und Deine Sohlen zärtlich küsst,
jeder Abend trägt Dir auf: nun stirb und werde
was die Liebe Gottes hier auf Erden ist.

Deck die Sonne zu, Du innigstes Versprechen,
auch das Rot des Morgens wächst in Dunkelheit.
Jeder Traum darf leuchten, klingen und zerbrechen.
In Dir glüht schon jetzt das Licht der Ewigkeit.

Die Scham ablegen

Mich fragte einmal ein Freund, ob ich mich nicht schämte für das was ich früher sagte oder früher war. Und ich dachte nach, und sofort stach mich Scham, für das was ich kindlich fand, kühn, was ich gedankenlos fand oder zu durchdacht, was ich gesagt hatte wider besseren Wissens und was ich nicht gesagt hatte obwohl es nötig gewesen wäre.

Dann ging ich in die Scham bis sie aus meinen Poren quoll wie Blut, und dann ging ich aus ihr heraus, wie eine Mutter, die ihr blutendes Kind betrachtet mit nichts als Erbarmen im Herzen. Und dann war ich schamlos, wie eine die begreift dass Dinge eben werden, und dem Werdenden nie Qual sein kann, dass die Dinge gestern noch anders waren, und dass sie morgen anders sein werden als er ahnen könnte.

Als Künstlerin kennt man das noch auf eine andere Weise: vielleicht sind einem die Texte fremd, die man gestern schrieb, die Bilder unangenehm, die man vorgestern malte, die Lieder schal, die nur allzu schnell unter einer Patina der Vergänglichkeit verklangen. Oft ist es, als habe die Wahrheit, die aus einem drängt, eine nur kurze Halbwertszeit – ständig stirbt sie in das weiter werdende Herz hinein, das Du bist, und die gestrige Kleinheit mag sie verletzt haben.

Wenn Dich Dinge reuen, die Du gestern sagtest, für die Du gestern branntest, dann lass der Scham ihre Seufzer, aber halte sie nicht fest, denn jeder Mensch der begreift dass er ein Werdender ist, hat die Größe, die Unzulänglichkeiten des Gestern, und jene die noch kommen, in sich zu bergen. Auch Du. Und die Welt, die in Dir heranwächst, sucht sich den Ausdruck, dessen Du fähig bist – mit einer Gnade die Dir alles verzeiht, und mit einer Kraft, die alles überwindet.

Bild: © Gina-Maria Pilipovici

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